Sparring im Sport

Sparring im Kampfsport. Worauf solltest du achten?

Begriffsklärung

Sparring bedeutet sich mit jemandem auseinandersetzen. Es handelt sich um abgesprochene Übungskämpfe. Zielsetzungen und Intensität werden im Idealfall, im Vorhinein abgesprochen und von einem Trainer überwacht. Sparring ist und kann mit Vernunft eingesetzt, ein unentbehrliches Werkzeug sein, um dir kämpferische Fähigkeiten anzueignen.

Meine persönlichen Erfahrungen

Warum ich mich berufen fühle darüber zu schreiben? Ich habe diesbezüglich mittlerweile viel Erfahrung als Trainer und Aktiver. Von ersten planlosen Anfängen im Karate und Wing Tsun bis heute. Mittlerweile trainiere ich 10 Jahren in der Escrima Training Federation, in der wir sehr viel sparren und das mit und ohne Waffen.

In der Anfangszeit, vor allem beim WT habe ich planloses, verletzungsträchtiges Sparring miterleben dürfen. Da ging es mehr darum Mut und Härte zu zeigen und damals bei uns, weniger um die planmäßige Umsetzung des Erlernten im Freikampf.

Ich habe gebrochene Hände, offene Nasenbeinbrüche und Gehirnerschütterungen entstehen sehen. Was nach einigen Sparringseinheiten dazu geführt hat, nicht mehr daran teilzunehmen. Manche hielten es für Feigheit, für mich war es einfach nicht zielführend, tagelang Kopfschmerzen zu haben, mit der Aussicht auf ernstere Verletzungen. Das für einen gefühlten Lernerfolg von Null.

In der ETF in Graz sparren wir, mittlerweile seit 10 Jahren, in jedem Training und das so gut wie verletzungsfrei. Von Bagatellverletzungen abgesehen. Darauf bin ich durchaus etwas stolz.

Sparring im Kampfsport als Werkzeug

Wir nutzen Sparring als Werkzeug und nicht um unsere Egos aufzupolieren, oder uns einfach mal legal abzureagieren. Nicht jeder versteht das und einer handvoll Leute, haben wir das deutlicher „erklären“ müssen. Wenn Sparring aus dem Ruder läuft wird es schnelle kontraproduktiv und mitunter gefährlich.

Trotzdem ist Sparring ein unentbehrliches Mittel, um Kämpfen zu lernen. In jeder Kampfsportart ist das Allgemeinwissen. Niemand würde auf die Idee kommen, an einem Wettkampf teilzunehmen, ohne sich vorher zielgerichtet vorbereitet zu haben. Dazu gehört die körperliche, technische und mentale Vorbereitung. Diese Erkenntnis hat sich aber nicht in allen Kampfkünsten und sogenannten Selbstverteidigungsstilen herumgesprochen.

Gerne wird damit argumentiert, die trainierten Techniken seine zu gefährlich und Sparring deshalb nicht möglich. Spätestens dann sollte man sich umdrehen und gehen. Einfach und alleine deshalb, weil es keinen guten Kämpfer gibt, der nicht regelmäßig sparrt. Der Umkehrschluss gilt ebenso.

Wer nicht regelmäßig und viel sparrt, kann kein guter Kämpfer sein und sein volles Potential entfalten. Egal, ob Anfänger oder Großmeister.

Wann damit beginnen? Welche Voraussetzungen sollten vor dem ersten Sparring gegeben sein?

Du solltest technische Grundlagen, deines Sportes oder Stiles einigermaßen beherrschen. Das Training mit Drills und an Geräten sind dafür wunderbar geeignet. Du musst nicht alles können, oder wissen. Grundlegende Verhaltensweisen, wie Deckung oben halten, eine Basis Schrittarbeit und ein paar Grundtechniken solltest du aber einigermaßen korrekt hinbekommen. Dann kannst du beginnen.

Nicht mit Vollkontaktsparring, oder der Idee den „Gegner“ besiegen zu wollen. Nein! Zuerst wird festgelegt, was das Trainingsziel und die einzuhaltenden Spielregeln sein werden.

Ideen und Einschränkungen:

  • Leichtkontakt
  • kein Kontakt
  • Krafteinsatz in %
  • Geschwindigkeit
  • in der langen Distanz bleiben
  • die Zahl der Techniken beschränken. (z.B. Führhandsparring im Boxen),
  • Kontrolle eines Trainers, der die Übung überwacht.

Was Sparring nicht ist

  • Ein Kampf, die Gelegenheit ungestraft jemanden verprügeln zu dürfen.
  • Eine Möglichkeit das eigene Ego auf Kosten des Trainingspartners aufzupolieren.
  • Die Vorbereitung für das alljährliche Zeltfest

Wir hatten im Training schon die Situation, dass Leute vor die Tür gehen wollten, um es draußen “wie Männer” zu klären. Solche Leute sind sofort aus der Gruppe auszuscheiden. Meine Meinung, da gibt es auch keine zweite Chance. Wenn man vernünftig und realistisch trainieren möchte, muss Disziplin, Fairness und gesunder Menschenverstand vorherrschen.

Wozu ist Sparring nun gut

Es entwickelt Fähigkeiten, die du alleine durch Techniktraining, oder Drills nicht entwickeln kannst.

Auf der technischen Seite:

  • Distanzgefühl
  • Gefühl für unterschiedliche Gegner
  • Charaktere und Körpertypen
  • Timing
  • Strategie
  • Taktik

auf der mentalen Seite:

  • Gewöhnung an das Phänomen Kampf und einen unkooperativen Partner.
  • Druck
  • Umgang mit Unterlegenheit/Überlegenheit
  • Fairness
  • Erkennen von Mustern

Im Sparring gewinnen?

Ja, das Training sollte gewinnbringend für alle Beteiligten sein. Es geht darum miteinander zu lernen, nicht einen Sieg einzufahren. Dafür gibt es Wettkämpfe, Wettkampfsparring, oder ab und an den Versuch im Sparring an die Grenzen zu gehen. Als ganz gezielt eingesetztes Werkzeug.

Mit der Einstellung das Training gewinnbringend für alle Beteiligten zu machen, können auch unterschiedlich erfahrene Leute sinnvoll miteinander trainieren. Der bessere Kämpfer kann sich nur auf gewisse Techniken beschränken und dem Partner wieder Raum geben, wenn er ins Eck gedrängt wird.

Im Brasilian Jiu Jitsu, lassen sich erfahrenere Leute absichtlich in schlechte Positionen bringen, um von dort aus mit einem Nachteil zu starten.

BJJ Sparring

Aus der Idee im Sparring gewinnen zu wollen, entwickelt sich schnell ein Kampf durch die Hintertür. Wettkampfsparring hat natürlich seinen Platz, aber das muss im Vorfeld geklärt werden und nicht währenddessen.

Eine gute Möglichkeit das gesamte Training zu versauen, wäre auch eine Gewinnerliste anzufertigen und auszuhängen. Damit kann der Trainer dann schriftlich demonstrieren, dass er nichts verstanden hat. Wir wollen Fähigkeiten entwickeln und Sparring im Kampfsport, ist eines von vielen Werkzeugen dazu. Sieger ist wer sich verbessert. Verlierer, wer immer das Gleiche tut, ohne sich weiterzuentwickeln.

Umgang mit Angst und verrückten Sparringspartnern

Hör auf dein Gefühl. Lass dich nicht verprügeln, weil du nicht als feige gelten willst.

Sprich deinen Partner darauf an, wenn er zu hart schlägt, oder sich nicht an Vereinbarungen hält. Im schlimmsten Fall, brichst du die Übung ab. Kommt das öfter vor, rede mit dem Trainer. Der bekommt nämlich nicht immer alles mit und ist dir dankbar für solche Rückmeldungen.

Solltest du dich deinem Gegenüber gewachsen fühlen, kannst du gerne weiter sparren. Du musst dir aber absolut darüber klar sein, wie die „Regeln“ sich tatsächlich geändert haben. Das kann eine gute Möglichkeit sich einem echten Kampf anzunähern und seine Fähigkeiten unter mehr Druck zu testen. Mitunter erhält der Partner auch wertvolle Informationen über seine Fähigkeiten und erfährt eine gewisse Sozialisierung. 😉

Intensität im Sparring

Es gilt, je intensiver –  umso kürzer. Grundsätzlich würde ich längerem und weniger intensivem Sparring den Vorzug geben. Der Vorteil ist, du kannst mehr Zeit in der Übung verbringen und so mehr Erfahrungen sammeln.

In meiner Trainingsgruppe (ETF Escrima), greife ich deshalb auch gern aufs Hiebfechten zurück. Das Fechtsparring ist körperlich weniger anstrengend und trainiert viele Fähigkeiten, die wir auch waffenlos benötigen. Schrittarbeit, Positionierung zum Gegner und bestimmte Manöver beispielsweise.

Wer ausschließlich waffenlos trainiert, braucht aber nur einen entsprechenden Partner, mit dem er vorher die Rahmenbedingungen klärt. Wir haben auch schon mal drei Minuten Runden, mit einminütigen Pausen, über eine Stunde durchgehend trainiert.

Erstaunlich wie kontrolliert, dann die Sparringseinheit wird, weil jeder weiß – ich muss da auch noch in 50 Minuten stehen und agieren können. Intensiveres und härteres Sparring im Kampfsport hat natürlich auch seinen Platz. Allerdings solltest du dir überlegen, was du, wann – mit wem und warum trainierst.

Alarmsignale im Sparring/Sparring im Kampfsport

  • Der Sportler zuckt, blinzelt und dreht sich weg und ist eigentlich schon auf der Flucht.
  • Unkoordinierte Bewegungen
  • zu hektisch
  • Atmung schwer und unkontrolliert
  • sehr schnell einsetzende Müdigkeit aufgrund des zu hohen Stresslevels

Aufgabensparring Ideen zum Aufbau

Du kannst an folgenden Parametern schrauben:

  • Erlaubte Techniken/Manöver
  • Zeit
  • Intensität
  • Geschwindigkeit
  • Härte
  • Distanz
  • Taktik/Strategie
  • offensiv
  • defensiv

Warum meiden manche Gruppen Sparring, wie der Teufel das Weihwasser?

Dafür gibt es meiner Ansicht nach zwei Hauptgründe: Selbst nicht schlecht aussehen zu wollen und es ist  mehr Arbeit für den Trainer.

Eine Gruppe Drills und Grundtechniken üben zu lassen, ist wesentlich weniger arbeitsintensiv, als sie sparren zu lassen. Da muss der Trainer nämlich extrem aufpassen, damit nichts aus dem Ruder läuft und jedem klar ist, was er zu tun hat.

Sparring für die Selbstverteidigung?

Hier gibt es die unterschiedlichsten Theorien und Erklärungsansätze.

Manche Experten meinen ihre Techniken wären zu gefährlich, um sie im Sparring einsetzen zu können. Ich finde das putzig, denn was hindert sie denn daran diese gefährlichen Techniken kontrolliert einzusetzen?

Im BJJ wird trainiert, den Gegner zu erwürgen und seine Gelenke zu zerstören. Trotzdem schaffen es hunderttausende regelmäßig, ohne Verletzungen zu trainieren.

Beim Fechttraining wird auch keiner erstochen.

Beim Stockkampftraining keiner erschlagen.

Selbst bei militärischen Manövern, sind Tote und Verletzte eher die Ausnahme. Ein weiteres Problem, für jene die auf  nie trainierte “tödliche” Techniken zurückgreifen ist, der fehlende Erfahrungswert. Was, wenn die Todestechnik im Ernstfall nichts ausrichtet? Auf die eigenen kämpferischen Fähigkeiten bauen, fällt ohne entsprechendes Training dann wohl flach. Schade.

Ausrüstung im Sparring

Das hängt natürlich von der jeweiligen Sportart ab. Ich würde der schlagenden Fraktion auf jeden Fall zu

raten. Wir kommen im waffenlosen Bereich gut mit Boxhandschuhen 12 bis 16 Unzen und Zahnschutz klar. Fürs Hiebfechten und den Stockkampf empfiehlt sich ein stabiler Helm und eventuell Ellenbogen und Knieschützer.

Fazit – Sparring im Kampfsport

Solltest du nicht ohnehin bereits Sparring in deinem Training betreiben, kann ich dir nur empfehlen damit zu beginnen. Vernünftig betrieben, ist es eine wunderbare Art zu trainieren und besser zu werden.

Die Herausforderung ist es, einen vernünftigen Trainer und entsprechende Trainingspartner zu finden. Dann können auch durchaus 120 kg Leute mit 16 jährigen Mädchen trainieren und das gewinnbringend für beide.

Wichtig: Gib dein Ego an der Tür ab. Das ist nicht die Stelle um Minderwertigkeitsgefühle auf Kosten der Trainingspartner auszugleichen. Verhalte dich sportlich und ehrenhaft. Nur weil du deinen Partner „vernichten“ könntest, solltest du es nicht tun. Das würde nur auf einen schlechten Charakter hinweisen.

Rechne damit getroffen zu werden und auch mal schlecht auszusehen. Das passiert auch Fortgeschrittenen und Trainern. Es ist ein Teil des Lernprozesses und muss auch so behandelt werden.

Es ist keine sinnvolle Lösung dem aus dem Weg zu gehen und nicht zu sparren. Auf diese Art entstehen, nur nicht haltbare Mythen von unbesiegbaren Meistern. Klar wer nicht kämpft kann auch nicht verlieren. Lernt es aber auch nie.

Ist es das wert?

Welche Erfahrungen hast du im Sparring gemacht?

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