Sumo

Sumo

Das Sumoringen ist ein uralter japanischer Kampfsport. Im Westen sind die Ringer vor allem bekannt geworden, durch ihr für Leistungssportler ungewohntes Erscheinungsbild, stellt das Sumoringen, aber durchaus einen ernsthaften Sport dar.

Das Sumoringen ist hunderte Jahre alt. Der Ring hat einen Durchmesser von 4,55 Metern. Ziel ist es den Gegner im Kampf aus dem Ring zu drängen oder ihn zu werfen. Das Leben, der im Schnitt 150 kg schweren Ringer, ist in allen Lebensbereichen genauestens geregelt. Von der Kleidung bis zur Frisur.

Was macht die Faszination des Sumo aus? Was können wir von ihm zum Thema waffenloser Kampf lernen?

Die Geschichte des Sumo

Sumo kann als Wettstreiten bzw. Kämpfen übersetzt werden. Das Sumoringen lässt sich historisch bis auf das Jahr 500 und früher zurückführen. Die modernen Regeln des heutigen Sumo waren noch nicht geboren und Todesfälle in den Kämpfen waren früher, wie beim griechischen Pankration und dem römischen Allkampf, keine Seltenheit.

Sumo steht in enger Verbindung mit dem Shintoismus und Wettkämpfe wurden traditionell an Festen der Religion durchgeführt. Im Shintoismus werden einheimische japanische Gottheiten verehrt und er steht in enger Verbindung zum Buddhismus.

Der Legende nach wurde über den Besitz Japans im Ringkampf zwischen den Göttern  Takemikazuchi und Takeminakata entschieden. Die Ursprünge des Sumo sind unbekannt, es lässt sich aber mit großer Sicherheit annehmen, dass einheimische japanische, Chinesische und koreanische Stile des Ringsports ihn geprägt haben.

Die Wettkämpfe im Sumo

Die Regeln des Sumoringens sind auch für Laien sehr leicht nachzuvollziehen.

Es geht darum den Gegner aus der Kampffläche zu verdrängen oder ihn zu werfen. Dabei reicht es schon aus, wenn ein Körperteil außer den Füßen den Boden berührt.

Die kreisförmige Kampffläche beträgt 4,55 Meter im Durchmesser. Der Boden besteht aus Sand. Die Kampffläche ist meist erhöht, was die Kämpfer fürs Publikum sichtbarer macht, aber auch zu mehr Verletzungen bei den Kämpfern führt, wenn diese aus dem Ring gedrängt werden.

Zu Beginn jedes Kampfes streuen die Kämpfer Salz auf den Boden und sich selbst. Das Shinto Ritual soll Böses abwenden.

Die Kleidung des Ringers im Wettkampf besteht einzig und allein aus dem Sumogürtel. Der sogenannte Mawaschi ist  7 – 9 Meter lang, besteht aus Baumwolle, ist bis zu 4 kg schwer.  Er darf nicht gewaschen aber dafür gelüftet werden.

Ich bin mir sicher er entwickelt mit der Zeit ein unwiderstehliches Aroma.

Traditionell werden in Japan Wettkämpfe sechsmal im Jahr ausgetragen. Ein Turnier dauert 15 Tage lang. Sieger wird derjenige der die meisten Siege und die wenigsten Niederlagen vorzuweisen hat. Jeder Ringer tritt täglich gegen die anderen Teilnehmer an.

Besondere Auszeichnungen gibt es für den besten Techniker, denjenigen der am öftesten den Yokozuna Großmeister besiegt hat und denjenigen, der besonderen Kampfgeist bewiesen hat.

Regelmäßig werden Ranglisten der Kämpfer erstellt. Aufstiege und abstiege in unterschiedliche Divisionen werden so gerechtfertigt. Der Yokozuna, der Großmeister kann nicht mehr absteigen. Es wird allerdings von ihm erwartet freiwillig zurückzutreten, falls er die von ihm erwarteten Leistungen nicht mehr konstant erbringen kann.

Austragungsorte sind:

  • Tokio
  • Kyushu
  • Nagoya
  • Osaka

Verboten sind im Sumo

  • Faustschläge
  • Tritte
  • Haare ziehen
  • Zum Körper zu schlagen oder zu treten

Was nicht verboten ist und für dich womöglich überraschend ist:

Es ist im Sumo erlaubt mit der offenen Hand zum Kopf zu schlagen.

Die Folgen davon sind oft Kos. Die Schläge derart schwerer Leute haben gewaltige Kraft. Sumoringen ist mit Sicherheit nichts für Weicheier.

Gekämpft wird in Amateurbereich und 6 Divisionen im Bereich der Profis, der hauptberuflichen Sumoringer.

Gewichtsklassen gibt es keine.

Die Ränge im Sumo:

  1. Yokozuna (Großmeister),
  2. Ozeki (Meister),
  3. Sekiwake,
  4. Komusbi
  5. Maegashira

In der obersten zwei Divisionen sind die Einkommensmöglichkeiten für die Sportler sehr gut. Sie können bis zu 20.000 Euro im Monat an Gehalt und zusätzlich hohe Preisgelder verdienen. Preisgelder jenseits von 72.500 Euro für Turniersiege sind hier möglich. Viele aufstrebende oder weniger erfolgreiche Sumoringer sind allerdings gezwungen, sich mit Nebenjobs finanziell über Wasser zu halten.

Die Karriere der Sumoringer endet mit Durchschnitt zwischen dem dreißigsten und vierzigsten Lebensjahr, ist also wie bei allen Sportlern zeitlich sehr begrenzt und schränkt die Verdienstmöglichkeiten weiter ein.

Die Ernährung im Sumo

Ein möglichst hohes Körpergewicht, tiefem Schwerpunkt in Verbindung mit Beweglichkeit, Technik und Kraft sorgt für gute Erfolgschancen im Sumosport.

Die Mindestgröße beträgt 173 cm. Das durchschnittliche Gewicht der Ringer beträgt 150 kg.

Es gibt aber durchaus Ringer die mehr als 250 kg wiegen und Fliegengewichte, die kaum mal 100 kg auf die Waage bringen. Die Ernährung um ein möglichst hohes Kampfgewicht zu erreichen ist also dementsprechend kalorienlastig.

5000, 8000 und sogar 10000 Kilokalorien am Tag sind keine Seltenheit.

Die traditionelle Nahrung der Ringer besteht aus einem Eintopf aus Gemüse und Fleisch, dem Chankonabe.

Zusätzlich zu dieser Basisernährung werden aber noch alle möglichen Lebensmittel konsumiert, um den gewaltigen Kalorienbedarf zu decken.

Intervallfasten

Die Ringer erreichen ihr Kampfgewicht, obwohl sie traditionell fasten. Ja richtig, sie betreiben traditionell eine Art des Intervallfastens. Sie nehmen bis 12 Uhr Mittag keine feste Nahrung zu sich und packen ihr Essen in ein Zeitfenster von nur 6 Stunden am Tag. Das Intervallfasten ist eine natürliche und gesunde Methode für den Durchschnittsmenschen sein Essverhalten zu kontrollieren.

Die Sumoringer erreichen damit zwei Dinge zur gleichen Zeit: Sie können am Vormittag unbeschwert mit leerem Magen trainieren und erreichen durch ihr Essverhalten, das ist wissenschaftlich erwiesen, eine spezifische Verteilung ihrers Körperfetts. Das sogenannte Viszeralfett das Fett, das sich in der Bauchregion um die inneren Organe anlagert, stellt gesundheitlich ein höheres Risiko dar, als das Unterhautfett, das subkutane Fett.

Durch ihre Ernährung erreichen die Sumoringer eine gesundheitlich günstige Verteilung ihres Körperfetts. Ungeachtet dessen stellt der extrem hohe Körperfettanteil und die damit verbundenen Belastungen der Gelenke und des Herz-Kreislaufsystems gewaltige Risiken für die Gesundheit der Sportler dar.

Sumo Ringer werden im Durchschnitt nur 60 bis 65 Jahre alt.

Das Leben der Ringer

Das Leben der Sumoringer spielt sich in Lebensgemeinschaften, sogenannten Sumoställen ab. Die Ringer leben hier auf engstem Raum zusammen und teilen sich nicht selten zu fünft ein Zimmer. Der Tagesablauf ist durch Training und Nahrungsaufnahme bestimmt. Das Leben ist bis ins Detail geregelt.

Die Frisur der Sumoringer,  auch vom jeweiligen Rang abhängig, ist gesetzlich in Japan geschützt und darf nur von ihnen getragen werden. Sie lässt sich auf traditionelle Frisuren der Samurai zurückführen.

Eigens ausgebildete Friseure, deren Ausbildung 10 Jahre beträgt kümmern sich um die Frisuren. Speziell angefertigte Papierstreifen und Pomade dienen neben einer Vielzahl von Kämmen dazu die Frisuren herzustellen. Wenn ein Sumoringer seinen Stall verlässt und in die Öffentlichkeit geht, ist er verpflichtet einen speziellen Kimono, den Yukata, zu tragen. Er ist in dann sofort als Sumoringer zu erkennen und wird in Japan verehrt und bewundert.

Das Autofahren ist den Ringern verboten!

Training

Das Training besteht aus sehr vielen Übungen mit dem eigenen Körpergewicht. Dazu zählen Kniebeugen, Liegestützvarianten, Schritte, Ausweichmanöver und Übungen bei denen der Partner durch den Ring geschoben wird. Hanteln werden auch verwendet ihnen kommt im Training aber eine eher untergeordnete Bedeutung zu.

Viele Sumoringer sind außergewöhnlich beweglich. Sie schaffen es teilweise mühelos in den Spagat.

Schläge mit der offenen Hand zu einem dicken Baumstamm gehören ebenfalls zum Training. Sie dienen dazu, sowohl den Gegner besser zu schieben und aus dem Gleichgewicht bringen zu können, als auch erlaubte Schläge mit der flachen Hand zum Kopf anzubringen.

Techniken:

Es werden 82 Techniken im Sumo erlaubt. Eine detaillierte Beschreibung findest du auf Wikipedia.

Wie technisch das Sumoringen ist demonstriert das tschechische „Fliegengewicht“ Takanoyama, das ursprünglich aus dem Judosport kommt. Mit einem Kampfgewicht von unter 100 kg trifft er dabei oft auf mehr als doppelt so schwere Gegner und gewinnt!

Nicht japanische Ausländer allen voran die Mongolen dominieren heutzutage den Sumosport. Zum Leidwesen der Japaner.

Sumo im Kampfsport

Sumoringer sind in den Mixed Martial Arts, im K1 Kickboxen und im Wrestling angetreten.

Akebono, Großmeister (Yokozuna) im Sumoringen hat sich im K1 und im MMA versucht. Im Kampf mit Remy Bonjasky ist deutlich zu sehen, wie sich der große Ring und die Regeln des K1 negativ auf die Leistung des Ringers auswirken. Nach Sumoregeln hätte Bonjasky keine Chancen gehabt.

In einer Kneipenschlägerei ebenfalls nicht. Er wäre mehrmals über Sessel, Stühle und gegen Wände gedonnert.

Im K1 hat er allerdings nach Kickboxregeln durch K. o. verloren.

Never Box a boxer, never wrestle a wrestler!

Wer es schafft seine Stärken auszuspielen und seine Schwächen zu meiden, wird mit großer Wahrscheinlichkeit gewinnen.

Sumoringen ist ein faszinierender Sport, auch wenn die Athleten unserem westlichen Schönheitsideal kaum entsprechen, finden sie die Japanerinnen sexy. Hervorragende sportliche Leistungen bringen sie allemal. Sumo ist ein gelebter Teil japanischer Kultur.