Wing Chun

Wing Chun die Kampfkunst Ip Mans

Burce Lee hat ihn in Hongkong trainiert. Ip Man der letzte allgemein anerkannte Großmeister des Stiles, wurde in eine Reihe von Kinofilmen als Held dargestellt und kämpfte mit ihm sogar erfolgreich gegen Mike Tyson. Wing Chun ist der wohl bekannteste Kung-Fu Stil der Welt.

Wing Chun ist eine ca. 300 Jahre alte, weltweit verbreitete chinesische Kampfkunst. Der Stil soll es schwächeren Menschen erlauben sich gegen stärkere durchzusetzen. Bruce Lee hat Wing Chun trainiert und bekannt gemacht. Kettenfauststöße und die klebenden Hände sind Merkmale des Wing Chuns.

Ich habe Wing Chun viele Jahre selbst trainiert und unterrichtet. Sehen wir uns diesen beliebten, aber auch umstrittenen chinesischen Kung-Fu Stil gemeinsam näher an.

Ein paar persönliche Worte zum besseren Verständnis dieses Beitrags. Mich persönlich verbindet eine gewisse Hass-Liebe mit dem Wing Chun, Wing Tsun, Yong Chun, Wing Tsung, Wing Tsjung.

Mir hat das Training immer viel Spaß gemacht. Es werden aber leider von vielen Verbänden und Lehrern völlig unrealistische Erwartungen, was die Funktionalität dieser Kampfkunst im Kampf und der Selbstverteidigung betrifft, geweckt.

Es gibt aber auch haufenweise seriöse Lehrer und Organisationen, die gutes umsetzbares Wing Chun vermitteln.

Die Geschichte des Wing Chun/Yong Chun

Der Legende nach wurde die Kampfkunst von einer Frau gegründet. Eine Nonne namens Ng Mui, entwickelte eine völlig einzigartige Kampfkunst und gab sie an das Mädchen Yim Wing Chun weiter. Wing Chun bedeutet schöner Frühling und war dazu gedacht die Schwächen anderer Kung-Fu Stile auszunutzen. Körperkraft sollte eine untergeordnete Rolle spielen. Der Name des Mädchens Wing Chun gab der Kampfkunst ihren Namen.

Eine andere Theorie um die Entstehung des Wing Chuns ist, dass der Stil von einer Gruppe von Kämpfern die sich zusammentaten, gegründet wurde, um einen neuen ultimativen Kampfstil zu erschaffen.

Die Schlange und der Kranich werden als Symboltiere immer wieder mit dem Wing Chun/Yong Chun in Verbindung gebracht. Wie in vielen Kung-Fu Stilrichtungen sollen Tierbeobachtungen zur Entstehung des Stiles beigetragen haben. Im WC war es der Legende nach der Kampf zwischen einer Schlange und einem Kranich.

Bruce Lee, der wohl bekannteste Kampfkünstler aller Zeiten, hat bevor er in die USA auswanderte Wing Chun unter Ip Man und dessen Meisterschülern trainiert. Lee hat das System aber nie vollständig erlernt. Wing Chun diente als eines der Basissysteme im Jeet Kune Do, der von ihm begründeten Kampfkunst. Genauso gibt’s es aber auch Elemente des westlichen Boxens, Fechtens und der FMA in Jeet Kune Do. (Lee hatte auch Kontakt mit Angel Cabales in Kalifornien.)

Obwohl Bruce Lee Wing Chun nie vollständig erlernt hat und seinen eigenen eigenständigen Stil im Jeet Kune Do erschaffen hat, der ja auch die Schwächen des Wing Chun kompensieren sollte, wird er immer wieder in der Werbung vieler Wing Chun Schulen erwähnt.

Ip Man Lees Lehrer in Hongkong und letzter allgemein anerkannter Großmeister des Stils, wurde im Westen über eine Serie von Kinofilmen bekannt.

Leung Ting sein angeblich letzter Schüler und closed door student, erlente Ip Mans Altersstil. Dieser Stil, der extrem nachgiebig ist und mit einem Minimum an eigenem Kraftaufwand arbeitet, soll auf Ip Mans langjährige Erfahrung und dessen zunehmend schlechten Gesundheitszustand zurückzuführen sein.

Die Leung Ting Variante, des Wing Chun wurde als Wing Tsun, von der EWTO markenrechtlich geschützt und in Deutschland unter Keith Kernspecht mit großem Erfolg verbreitet.

Leung Tings Interpretation und unzählige Derivate seines Stils, unterscheiden sich maßgeblich von anderen Stilrichtungen, die von Schülern Ip Mans betrieben werden. (Der Einfluss von Leung Ting auf die Entwicklung der EWTO der größten Organisation im deutschsprachigen Raum ist heute minimal, bis gar nicht mehr vorhanden.)

Emin Boztepe ist der bekannteste Schüler von Keith Kernspecht. Er hat in einem heute legendären Kampf William Chang, einen anderen Meister des Wing Chun besiegt und ist so weltweit bekannt geworden.

Das Ving Tsun von Wong Shun Leung und seinen Schülern verdient hier besondere Erwähnung.

Im deutschsprachigen Raum ist Philipp Bayer der wohl bekannteste Vertreter, dieser Linie.

Wing Chun ist ein sehr besondere außergewöhnliche Kampfkunst. Millionen von Menschen betreiben sie weltweit. Es gibt aufgrund markenrechtlicher Gründe mittlerweile eine schon fast lächerlich große Anzahl, an Organisationen und Schreibweisen von Wing Chun Stilen.

Technisch unterscheiden sie sich teilweise nur minimal, manchmal aber auch erheblich voneinander.

Wer also vorhat Wing Chun zu erlernen, hat hier wirklich die Qual der Wahl.

Wing Chun – Wing Tsun Organisationen und Derivate

Aus der Mutterorganisation der EWTO haben sich im Laufe der Jahre unzählige Gruppen abgespalten und neue Verbände gegründet.

Zu den bekanntesten zählen:

  • Birol Özden: Ving Chun
  • Avci:Avci Wing Tsun
  • Emin Boztepe: EBMAS
  • Sergio P. Iadarola: IWKA
  • Victor Gutierrez: Wing fight
  • Heinrich Pfaff: Wing Tai

Linien anderen Ursprungs:

Weng Chun: Unter Sifu Andreas Hoffmann.

Ving Tsun: Aus der Linievon  Wong Shun Leung, des langjährigen Meisterschülers von Ip Man.

Bekannte Vertreter: Clive Potter und Phillip Bayer.

Die Besonderheiten des Wing Chun

Wing Chun ist ein sehr sparsamer Stil, was den Aufwand an Bewegung und Kraft betrifft.

Wing Chun ist auch für ältere und körperlich schwächere Menschen entwickelt worden. Als südchinesische Kampfkunst, ist er sehr armlastig und benutzt nur wenige und tiefe Tritte. Die nördlichen Kung-Fu Stile nutzen auch höhere Tritte. Eine Erklärung dafür ist, sind die unterschiedlichen geografischen Gegebenheiten, die gewissen Techniken begünstigt haben. So sind Tritte auf rutschigem Untergrund und auf Schiffen riskanter.

Unumstritten ist aber, dass hohe Tritte sehr riskant für den Ausführenden sind und ein hohes Maß an Beweglichkeit und körperlicher Fitness erfordern. Für die Selbstverteidigung spielen hohe Tritte kaum eine Rolle. Tritte für die Selbstverteidigung – Pro und Contra!

Kettenfauststöße

Kettenfauststöße sind das wohl bekannteste Stilelement aller Wing Chun Stilrichtungen. Sie ermöglichen es dem Ausführenden schnell und mit hoher Frequenz zu schlagen. Die Idee hinter den Kettenfauststößen ist geschützt anzugreifen und den Gegner in die Defensive zu zwingen. Die Fauststöße einzeln abzuwehren ist kaum möglich, wenn man es nicht trainiert hat.

Eine im Stil gelehrte Möglichkeit es zu tun ist es selbst mit Kettenfauststößen gegenzuschlagen. Das wird im sogenannten Lat Sao geübt.

Aus meiner Erfahrung besser ist es Beinarbeit und Meidbewegungen zu nutzen und selbst anzugreifen. Kettenfauststöße machen sehr anfällig gegen runde Angriffe zum Kopf, lassen aber auch den Körper ungeschützt. Häufig werden sie deshalb gleichzeitig mit einem geraden Vorwärtstritt ausgeführt. Die Vorgehensweise wird also sogenannte Universallösung gegen unbewaffnete Angreifer bezeichnet. Dem kannst du entgehen, indem du zum richtigen Zeitpunkt auf die Seite gehst und von dort angreifst.

Kettentechniken

Kettenfauststöße werden häufig mit anderen Techniken wie Ellbogenschlägen verbunden.

Ziel ist es mit einer ununterbrochenen Serie von Angriffen, den Gegner unter Druck zu setzen und ihn zu überfordern, bzw. zu überrennen.

Das kann durchaus gut gegen überraschte oder wenig trainierte Kontrahenten gut gehen. Es ist aber auch eine Vorgehensweise, die äußerst riskant ist und wenn sie scheitert, dramatisch scheitert. Es gibt unzählige Vergleichskämpfe, wo das geschehen ist.

Wie jemand seine Kettenfauststöße einsetzt, unterscheidet sich von Kämpfer zu Kämpfer und Stil zu Stil. Nicht jeder der sie nutzt, ist zwangsläufig ein Selbstmörder. 😉

Chi Sao

Das Chi Sao, auch klebende Hände genannt ist eine Trainingsmethode, die im Wing Chun sehr intensiv praktiziert wird. Sie kommt vor allem in südchinesischen Stilen vor. Ähnliche Übungen gibt es im Karate (Kakie) und im Tai-Chi.

Das Chi Sao soll die taktilen, kinästhetischen Fähigkeiten verbessern und es dem Wing Chunler erlauben, instinktiv richtig auf Berührungen zu reagieren.

Dazu werden 4 sogenannte Grundreflexe trainiert:

  • Tan Sao
  • Bong Sao
  • Jut Sao
  • Kau Sao

Darüber wie obige Reflexe, Bewegungen oder auch aktive Aktionen, je nach Interpretation des Lehrers und der Stilrichtung funktionieren wird heftigst diskutiert und gestritten.

Aus meiner Erfahrung bringt das Chi Sao durchaus Vorteile, wenn gegriffen und gerungen wird. Du kannst instinktiv schneller als dein Kontrahent auf Änderungen des Drucks reagieren. Ringer können das aber auch, ohne Chi Sao zu üben. 😉

Schläge lassen sich aber nicht über rein passive reflexhafte Verformungen des Arms weich aufnehmen und umleiten wie es manch ein Theoretiker herbei filosofiert. Wer es nicht kann, hat dann eben noch nicht lange genug trainiert, oder es nicht verstanden, so die Erklärung dieser „Experten“. 😉

Der Arm ist zu träge, der erlernte Reflex zu langsam. Den „Reflex“, der ja dann keiner mehr ist, aktiv auszuführen kann durchaus sinnvoll sein. Der Schwingenarm zum Beispiel, oder Bong Sao kann aktiv genutzt werden. Das wird so in der Ving Tsun Line praktiziert.

Die Formen im Wing Chun

Hier gibt es Soloformen und Partnerformen. Soloformen werden einzeln ohne Partner geübt.

Die erste Form oder „kleine Idee“ ist die Siu Nim Tao. Sie wird stehend im sogenannten IRAS geübt und trainiert nur Armbewegungen.

Die zweite Form die Chum Kiu – eine Brücke schlagen – wird inklusive Schrittarbeit trainiert.

Die dritte waffenlose Form ist die Biu Tze. (schießende Finger) Sie ist je nach Interpretation entweder eine hohe, extrem gefährliche Form von Geheimtechniken oder eine Übung um Notsituationen zu lösen. Wenn beispielsweise die Arme überkreuzt werden…

Muk Yan Jong Fat ist die sogenannte Holzpuppenform. Sie stellt die fortgeschrittenste Form im Wing Chun dar und soll die Fähigkeiten gegen einen besonders starken unverrückbaren Gegner vorzugehen schulen.

Neben den waffenlosen Formen gibt es noch die Doppelmesser und Langstockform.

Die sogenannten Partnerformen oder Chi Sao Sektionen sind eine Besonderheit des Leung Ting Wing Tsun und dessen Derivate. In diesen Übungen werden die sogenannten Grundreflexe mit einem Partner geübt.

Die traditionellen Waffen im Wing Chun

  • Doppelmesser: Zwei breite Messer die in etwa Unterarmlänge aufweisen.
  • Langstock: Der Stock ist ca. 270 cm lang und 2,5 bis 3 kg schwer.

Wing Chun und Selbstverteidigung

Manche Stilrichtungen im Wing Chun werben besonders mit „Selbstverteidigung“ und präsentieren ihren Stil als optimale Möglichkeit sich im Notfall wehren zu können.

Das tun auch viele andere Kampfkünste und sogar Kampfsportarten. Du solltest solchen Werbebotschaften allerdings immer kritisch gegenüber stehen.

Nicht jeder der weiß wie man eine Faust ballt, ist automatisch hinreichend qualifiziert, um dir was über Selbstverteidigung zu erzählen.

Selbstverteidigung -Kampfsport-Kampfkunst Unterschiede

Zum Thema Selbstverteidigung gehören, neben kämpferischen Fähigkeiten mit und ohne Waffen, Szenariotrainings und jede Menge theoretisches Wissen, um Gefahrenvermeidung und Risiken. Kämpferische Fähigkeiten werden nicht durch Drills und abstrakte Übungen erworben. Lass dir das nicht erzählen.

Es gibt sogar Lehrer die behaupten, ihr System sei zu gefährlich um Sparring (Übungskämpfe) durchführen zu können. Andere behaupten Sparring, als Trainingsmethode, wäre kontraproduktiv für die Selbstverteidigung. Ich sehe das als plumpe Ausreden an.

Meine Empfehlung ist, die betreffenden „Experten“ auszulachen und dann wegzugehen und nie wiederzukommen.

Besonders gefährlich wird es, wenn Lehrer und das schließt keine Stilrichtung aus, ihren Schülern ein falsches Selbstbewusstsein vermitteln. Es gibt tatsächlich Menschen, die dann Risiken eingehen, die sie früher klug vermieden hätten. Aus dem Irrglauben heraus, sie könnten sich ja jetzt körperlich wehren.

Mit der Einstellung erhöhst du die Chancen dramatisch selbst zum Opfer zu werden. Vorschlag – überprüfe deine Fähigkeiten unter kontrollierten Bedingungen. Nutze Schutzausrüstung und ein geeignetes Umfeld und probiere aus, wie es sich anfühlt von einem unkooperativ agierenden Partner angegriffen zu werden.

Du kannst auch freundschaftliches Sparring mit einem Kampfsportler machen. Das hilft dir ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es sich anfühlt, wenn dich jemand frei und auf für dich ungewohnte Art und Weise angreift.

Ausrüstung für Wing Chun

  • Viele Organisationen haben ihre eigene Kleiderordnung, manche nicht. Du benötigst meistens die Trainingskleidung der jeweiligen Organisation.
  • Faustschützer und Zahnschutz (Zahnschutz Guide), Tiefschutz und eventuell Schienbeinschoner sollten vorhanden sein.

Mit dieser Ausrüstung solltest du gut zurecht kommen.

Für wen ist Wing Chun geeignet?

Da Wing Chun auf artistische Bewegungen verzichtet und keine hohen Anforderungen an sportliche Fähigkeiten stellt, kann es bis ins hohe Alter betrieben werden. Für Kinder gibt es spezielle Gruppen und Kurse. Ab dem Alter von 14 Jahren, sollte eine Teilnahme am Training der Erwachsenen problemlos möglich sein.

Wing Chun ist bei Frauen besonders beliebt, da große Körperkraft nicht erforderlich ist um es zu erlernen. Trotzdem ist es wichtig zu wissen, dass Faktoren wie Kraft, Gewicht und Größe immer ein wichtiger Faktor im Kampf sein werden. Durch Technik und Training lassen sich körperliche Nachteile bis zu einem gewissen Grad ausgleichen.

Wie lange dauert es Wing Chun/Wing Tsun zu erlernen?

Die meisten Wing Tsun Verbände unterteilen ihre Unterrichtsprogramme in 12 Schülergrade. Pro Schülergrad werden, bei regelmäßigem Training drei Monate veranschlagt. Es folgen die Technikergrade oder auch höheren Grade. Diese sind an gewisse Wartefristen gebunden. Ab dem 5. höheren Grad, dem 5 Praktiker gilt man als Meister und hatte alles waffenlosen und Waffentechniken gelernt.

Da es aber eine Vielzahl unterschiedlicher Gruppen und Organisationen gibt, kann obige Information nur als grobe Richtlinie gelten. Du musst dich also bei deinem jeweiligen Verband schlau machen, wie das gehandhabt wird.

Das Bayer Ving Tsun verzichtet ganz auf Graduierungen. Dort gilt wie im ETF Escrima „Skill is Rank“, das Können bestimmt den Rang. In großen Organisationen können Graduierungen aber durchaus sinnvoll sein, weil es so leichter ist die Schüler einzustufen, was vor allem bei Schulwechseln eine Rolle spielen kann.

Mit welchen Kosten ist Wing Chun verbunden?

Die Kostenfrage ist eine oft nicht unerhebliche. Es lohnt sich hier wirklich im Vorfeld über die anfallenden Kosten zu informieren. Gerade im Wing Chun haben es manche Verbände auf die Spitze getrieben, was die Profitmaximierung angeht. Das ist völlig legitim, solange keine falschen Versprechungen gemacht werden und eine Kostentransparenz gegeben ist. Neben der Mehrheit der seriösen Anbieter gibt es wie überall auch im Wing Chun schwarze Schafe.

Mögliche Kosten:

  • Verbandsgebühren: Jahresbeiträge von 30 bis 60 Euro im Jahr.
  • Einschreibgebühren:
  • Prüfungsgebühren: 20 bis 50 Euro
  • Lehrgangsgebühren: Oft sind Lehrgänge und Prüfungen verpflichtend, um neue „höhere“, weiter fortgeschrittene Techniken erlernen zu dürfen.
  • Gebühren für neue Techniken: Stichwort Chi Sao Sektionen. Hier können vor allem im Bereich der Fortgeschrittenen erhebliche Kosten anfallen.

Ich empfehle dir, falls du nicht uneingeschränkt über alle Kosten aufgeklärt werden solltest, direkt zum jeweiligen Mitbewerber ins Probetraining zu gehen.

Wing Chun und Escrima

Wing Chun ist ein südchinesischer Kung Fu Stil, der sich auf die nahe Distanz spezialisiert hat. Die traditionellen Waffen des Wing Chun der Langstock und die Doppelmesser, dienen der Ergänzung des Systems. In manchen Organisationen werden die Waffentechniken, wie der heilige Gral gehütet und sind nur Meistern und sehr fortgeschrittenen Schülern zugänglich.

Andere Verbände sehen die Sache wesentlich entspannter und geben ihr Wissen diese Waffen betreffend viel früher weiter.

Escrima ist ein aus den Philippinen stammendes Waffenkampfsystem mit europäischen Wurzeln. Diese Systeme werden auch unter dem Begriff FMA zusammengefasst und sind auch unter den Namen, Arnis und Kali bekannt. In den FMA gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Stile, Einflüssen und Interpretationen, die sich teilweise erheblich voneinander unterscheiden.

Wing Chun/Wing Tsun und Escrima sind historisch nicht miteinander verwandt.

Die EWTO der größte Wing Tsun Verband in Europa hat allerdings sehr früh Kontakt mit Rene Latosa, einem Escrimador aus Kalifornien mit philippinischen Wurzeln aufgenommen. Es entwickelte sich eine Zusammenarbeit, die darin mündete, dass Escrima als zweite Sparte, neben Wing Tsun, in die EWTO aufgenommen wurde. Das Wing Tsun der EWTO wurde als die optimale waffenlose Selbstverteidigung beworben, während das Latosa Escrima den Waffenkampf abdecken sollte. (Für Insider – hier machte der Escapo Bereich fast 100% aus.)

Die traditionellen Waffen im Wing Tsun, waren damals nur einer kleinen Elite zugänglich und spielten im regulären Training keine Rolle. Aus dem Latosa Escrima gingen das Escrima der ETF (Escrima Training Federation) unter Bernd Schubert und das Newman Escrima, die Interpretation Bill Newmans hervor. Schubert und Newman waren beide Schüler und Trainingspartner von Rene Latosa.

Aktuell wird nach dem Ausscheiden Rene Latosas aus der EWTO dort das Newman Escrima unterrichtet.

Aufspaltungen in viele unterschiedliche Verbände

Im Laufe der Jahrzehnte haben sich viele Lehrer und Meister von der EWTO abgespalten und ihre eigenen Organisationen gegründet. Aus diesem Grund wird dort vielfach auch eine Interpretation des Escrimas unterrichtet. Als Insider weiß ich recht gut, was sie gelernt haben und was nicht, werde mich aber dazu öffentlich nicht äußern. 😉

Von der Konzeption sind Wing Chun und Escrima zwei völlig gegensätzliche Stilrichtungen.

Im Escrima lernt man traditionell zuerst mit Waffen umzugehen und dann auch waffenlos zu kämpfen. Im Wing Chun verhält es sich genau umgekehrt.

Escrima als Waffenkampfsystem benutzt traditionell keine geradlinigen Angriffe, direkt auf den Gegner zu, sondern benutzt eine Kreis- und Dreiecksschrittarbeit. Die Art Kraft zu generieren und sich zu bewegen ist neben den konzeptionellen – einer der größten Unterschiede.

Es sind aber schon oft Annäherungen beider Systeme zu sehen, die meiner Meinung nach aber auf Fehlinformationen und Fehlinterpretationen zurückzuführen sind.

Es stellt sich die Frage ob du, wenn du zwei konzeptionell völlig unterschiedliche Kampfkünste lernst, in der Lage sein wirst im Ernstfall instinktiv richtig zu handeln, oder ob es nicht besser wäre sich nur auf ein System zu spezialisieren?

Deine Entscheidung!

Fazit 

Solltest du die Absicht haben Wing Chun/Wing Tsun/Ving Tsun zu erlernen, nutze die Möglichkeit die jeweilige Schule in einem Probetraining kennenzulernen.

Achte auf Kostentransparenz und auf Seriosität. Versprechungen in kürzester Zeit zu lernen, gegen körperlich überlegene Gegner bestehen zu können, sind nicht seriös! 😉

Du kannst aber körperliche Nachteile, durch intensives und kluges Training bis zu einem gewissen Grad ausgleichen.

Wenn du auf der Suche nach der Kampfkunst Ip Mans bist, rate ich dir eine Ving Tsun Schule aus der Linie von Wong Shun Leung aufzusuchen. Dort lernst du noch das alte Wing Chun, ohne Modernisierungen und manchmal fragwürdigen Verschlimmbesserungen.

Viel Spass beim Training!