Vollkontaktkarate

Zwei Vollkontaktkarate Stile die du dir ansehen musst!

Karate ist neben dem Judo wohl die bekannteste japanische Kampfkunst. Karate hat sich aus dem Okinawa Te entwickelt und es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Stilen. Sehen wir uns drei Vollkontakt Karate Stile näher an.

Den ersten Stil im Vollkontaktkarate, stellt das Kyokushin von Meister Masutatsu Oyama dar. Es ist knallhart und es wird ohne Handschuhe und Schienbeinschoner gekämpft. Aus dem Kyokushin hat sich das Seidokaikan entwickelt. Karate Combat der modernste Stil im VK Karate, bietet spektakuläre Kämpfe.

Obwohl das Karate sich in den modernen Interpretationen in Richtung Kampfsport entwickelt, hat es trotzdem weitgehend seine Identität als Kampfkunst bewahrt.

Traditionelles Training und die geistigen Werte und Ideale wurden dem Sport nicht geopfert. Im Gegenteil die Vollkontaktwettkämpfe verfolgen das Ziel die charakterliche Entwicklung zu unterstützen und den Weg (Do) zu beschreiten.

Auch Formen, sogenannte Katas, spielen immer noch eine Rolle im Vollkontaktkarate und wurden nicht abgeschafft. Das unterscheidet es wesentlich von anderen Vollkontakt Kampfsportarten, die nur mehr den sportlichen Aspekt betonen und sich von den „Lasten“ traditioneller Systeme befreit haben.

Kyokushin Karate, die Mutter des Vollkontaktkarate!

Geschichte des Kyokushin Karate

Das Kyokushin Karate wurde von Meister Masutatsu Oyama begründet. Es ist die älteste Form des Vollkontakt Karate. Das erste Dojo eröffnete der gebürtige Koreaner Oyama 1956 in Tokyo. Der Name Kyokushin kann mit ultimativer Wahrheit übersetzt werden. Was angesichts der Härte des Trainings und der Wettkämpfe nicht übertrieben scheint.

In den Wettkämpfen wird auf Faust und Schienbeinschützer verzichtet.

Im Unterschied zu den meisten Vollkontaktstilen sind Schläge mit der Faust zum Gesicht des Gegners allerdings nicht erlaubt. Begründet wird diese Regel damit, dass es für gute Kämpfer relativ leicht sei mit der Hand zum Kopf zu treffen. Tritte und Knietechniken zum Kopf und den Beinen sind allerdings erlaubt. Faustschläge zum Körper ebenfalls.

Zu Zeiten als es im Karate ritualisierte Kämpfe gab und die Idee mit einem Treffer eine Auseinandersetzung zu entscheiden das Training und die Übungskämpfe bestimmte, stellte das Kyokushin eine wahre Revolution dar. Es stellte alte Dogmen und Trainingsmethoden auf die Probe und gab den Karatekas die Möglichkeit ihr Können unter Vollkontaktbedingungen zu testen.

Kyokushin Karate ist in über 120 Ländern verbreitet und wird von über 20 Mio Karatekas betrieben.

Aus Oyamas Stil haben sich auch andere Karate Stile entwickelt, wie Kyokushin-Budo-kai, Kyokushindo und das Seidokan-Karate.

Quelle

Regeln im Kyokushin

  • Tiefschutz ist Pflicht.
  • Kein Faustschutz
  • keine Schienbeinschützer
  • Zum Kopf darf nicht geschlagen werden, zum Körper schon.
  • Tritte und Knie zu Kopf, Körper und Beinen sind erlaubt.
  • Der Rücken und die Wirbelsäule dürfen nicht angegriffen werden.
  • Greifen ist nicht erlaubt.

Ist Kyokushin Karate zur Selbstverteidigung geeignet?

Durch das Reglement im Kyokushin ist es nicht mit regellosem Kampf zu vergleichen, stellt aber durch seine Härte und die daraus folgende geistige und körperliche Abhärtung durchaus ein nicht zu unterschätzendes System für reale unsportliche Auseinandersetzungen dar.

Das Kyokushin dürfte mit großer Sicherheit eine bessere Basis für die Selbstverteidigung bieten als viele andere Systeme.

Es werden auch Elemente der Selbstverteidigung trainiert. Trotzdem ist das größte Manko wohl, dass Schläge zum Kopf im Wettkampf verboten sind. Dadurch werden Verhaltensweisen trainiert und verinnerlicht, die sich im Fall der Selbstverteidigung negativ auswirken können.

Immer wieder gehen unbestritten harte Kyokushin Karatekas bei vergleichsweise wenig harten Schlägen zum Kopf in die Knie. Der Grund dafür dürfte sein, dass Faustschläge zum Kopf in ihrer Welt nicht vorkommen. Was im Wettkampf einen Regelverstoß darstellt, führt aber im Ernstfall nicht zur Unterbrechung einer Auseinandersetzung.

Vor allem deshalb, weil der Karateka nicht gewohnt ist mit Schlägen zum Kopf umzugehen. Inwiefern und wie gut er dann im Kopf vom verinnerlichten Regelwerk zu regellos umschalten kann, hängt dann von der einzelnen Person ab.

Diese Art der Konditionierung durch die Wettkampfregeln halte ich für einen großen Nachteil. Natürlich lässt sich das mit entsprechendem Training in den Griff bekommen. Der tragisch, in jungen Jahren an Krebs verstorbene Andy Hug, ist ein Beispiel für einen Karateka, der sich sehr erfolgreich in der Weltspitze des Kickboxens unter K1 Regelwerk durchgesetzt hat.

Für die Selbstverteidigung ist der Waffenaspekt noch ganz wesentlich und das Wissen um das Entstehen und vermeiden von Konfliktsituationen. Inwieweit diese Elemente im Training abgedeckt werden hängt sicherlich zu einem guten Teil vom jeweiligen Trainer ab. Das solltest du im Vorfeld erfragen, falls du vor hast Kyokushin zu lernen.

Aus welchen Elementen besteht Kyokushin Karate?

Wie alle Karate Stile gibt es auch im Kyokushin, drei grundlegende Bereiche.

  1. Kihon: Die Grundschule
  2. Kata: Die sogenannten Formen, stellen fixe Bewegungsabläufe dar, die einen Kampf gegen mehrere imaginäre Gegner simulieren.
  3. Kumite: Der Freikampf. Die Teilnahme an Vollkontaktwettkämpfen ist im Kyokushin Karate Pflicht und Voraussetzung um höhere Graduierungen zu erreichen. So soll sichergestellt werden, dass höher graduierte auch tatsächlich kämpfen können. Es gibt keine Gewichtsklassen im Kyokushin Karate, was es für kleinere, leichtere Karatekas umso härter macht.

Wie wird im Kyokushin trainiert?

Aufgrund der harten körperlichen Anforderungen stellt Kraft- und Abhärtungstraining einen wesentlichen Teil in der Ausbildung dar. Wer sich nahezu ungeschützt Vollkontakt aussetzt, muss entsprechend stark und Schmerz-resistent sein.

Die Karatekas entwickeln eine ähnliche Härte wie die Thai Boxer.

Es gibt auch immer wieder Vergleichskämpfe und sogar Wettkampfteilnahmen von Thai und Kickboxern in Kyokushin Wettkämpfen. Oft kommt es hier aber regelwidrig zu Faustschlägen zum Kopf, die in den anderen Vollkontakt Disziplinen ja erlaubt sind.

Karate Combat – blitzschnelles Vollkontaktkarate

Das Karate Combat ist eine junge Plattform, die Karatekas aller Stilrichtungen die Möglichkeit gibt im Vollkontakt gegeneinander anzutreten.

Im Unterschied zum Kyokushin Karate sind hier Schläge zum Kopf erlaubt. Gekämpft wird mit nacktem Oberkörper in einer Art Grube mit einer Seitenlänge von 6,5 Metern. Es gibt aber auch im Karate Combat viele Einschränkungen im Regelwerk verglichen zum MMA, den Mixed Martial Arts. Im Karate Combat darf zwar geworfen werden, der Bodenkampf ist aber nur auf wenige Sekunden beschränkt und erlaubt nur Schläge.

Karate Combat Regeln Übersicht:

  • Gekämpft wird über 3 Runden zu 3 Minuten mit einer Minute Pause zwischen den Runden.
  • The Pit: Die Grube in der die Kämpfe stattfinden umfasst 6,5 mal 6,5 Meter.
  • Clinchen nur erlaubt, wenn unmittelbar darauf ein Wurf erfolgt.
  • Low Kicks Tritte auf die Beine sind nicht erlaubt.
  • Bodenkampf wird nach 5 Sekunden abgebrochen.
  • Double Leg Takedowns sind verboten.
  • Hammerfaust ins Gesicht verboten. Faustrückenschläge – Uraken sind erlaubt.
  • Erlaubte Ziele wie im Boxsport. Keine Schläge auf die Wirbelsäule, Nieren, Genitalbereich und Hinterkopf.

Ringerische Elemente wie Clinchen sind nicht erlaubt. Sogar die Schlagtechniken sind auf gerade Fauststöße beschränkt. In jüngster Zeit wurden auch weite Haken, auf lange Distanz erlaubt. Diese Einschränkungen, führen zu einer sehr speziellen, schnellen und auch wie beabsichtigt spektakulären Art des Kämpfens. Die Schnelligkeit der Kämpfer ist atemberaubend, die Distanzen, die sie blitzschnell überbrücken können, ebenso.

Hier kommen vor allem die technischen Stärken des Shotokan Karate unter Vollkontakt Bedingungen zur Geltung. Während Kyokushin Karatekas, hauptsächlich in der nahen und mittleren Distanz kämpfen und die Athleten massiv und sehr robust sind, ähneln die Kämpfer im Karate Combat eher Sprintern. Sehr muskulös, aber nicht übermäßig schwer und massiv.

Bas Rutten ein Urgestein des MMA Sports ist als Kommentator und Berater ins Karate Combat involviert.

Die Faszination des Stiles oder der Wettkämpfe unter diesem Regelwerk macht für mich aus, dass diese extrem schnell sind. Auch Kämpfer aus dem sogenannten Point Fighting dem traditionellen Shotokan Karate können sich hier unter Vollkontaktbedingungen messen. Die Kämpfe werden nicht nach einzelnen Treffern beendet und wieder neu gestartet, sondern nur durch Anzählen, Knock Out, den Schiedsrichter oder das Rundenende gestoppt.

Fazit – Vollkontaktkarate

Ich kann nur jedem Kampfsportinteressenten empfehlen sich auch mit dem Vollkontaktkarate auseinanderzusetzen. Die Kämpfe sind nicht nur spektakulär, sondern fördern durch das jeweilige Regelwerk besondere Fähigkeiten. Wer das oben verlinkte Video von Andy Hug gesehen hat, wird hier Techniken sehen, die er vermutlich noch nie im Thai- oder Kickboxen zu Gesicht bekommen hat.

Abgesehen davon ist es immer sinnvoll über den Gartenzaun zu sehen um zu schauen was andere machen. Wer nicht gesehen hat, was manche Karatekas an Härte aufbringen und wie schnell die Sportler im Karate Combat sind, der hat definitiv etwas versäumt.

Falls hier Karatekas mitlesen, die Ergänzungen im Text vorschlagen möchten, schreibt mich an oder kommentiert. Meine Zeiten als aktiver Karateka im Shotokan sind schon lange hinter mir und ich lerne gerne dazu. 😉

Viel Spaß beim Training!