5 Boxstile die den Boxsport geprägt haben

5  Stile die den modernen Boxsport geprägt haben

Die Zahl der Stilrichtungen im Boxen ist nahezu unendlich. Im Prinzip entwickelt jeder ernst zu nehmende Boxer seinen eigenen Stil, entsprechend seinen Anlagen und Fähigkeiten. Es gibt zwar so etwas wie eine Grundschule, aber selbst die unterscheidet sich teilweise erheblich von Boxstil zu Boxstil.

Nehmen wir zum Beispiel die europäische Amateurboxschule und die amerikanische Profiboxschule als beispielhafte Überbegriffe dafür. Die reine Lehre gibt es aber auch im Boxen nicht und wie auch bei Religionen, wird es sehr schnell gefährlich und limitierend, wenn darauf bestanden wird, dass etwas nur so und nicht anders sein kann.

Peek a Boo

Dieser Boxstil wurde durch den New Yorker Trainer Cus D’Amato weltberühmt. Die wohl bekanntesten Vertreter dieses Boxstiles sind wohl Floyd Patterson und Mike Tyson.

Beide waren Weltmeister im Schwergewicht unter ihrem Trainer Cus D’Amato. Das Catskill Gym in dem Cus unterrichtete, ist nach dem gleichnamigen Stadtteil von New York benannt, nicht wie viele glauben, nach den katzenhaften Bewegungen, die den Stil zumindest bei Tyson ausmachten.

Der Peek A Boo Stil ist ein defensiver Boxstil, der auf mittlere und nahe Distanz ausgerichtet ist. Er ist besonders geeignet für harte Schläger und kleinere kompaktere Boxer, im Kampf gegen größere Gegner.

Falls du dich jetzt wunderst. Ja, es ist ein defensiver Stil, was aber nicht als Davonlaufen und ab und zu kontern missinterpretiert werden sollte. Es geht darum sicher in die eigene Schlagdistanz zu kommen und nicht getroffen zu werden, um umso härter selbst treffen zu können.

Wie funktioniert der Peek a Boo Stil?

Die Deckung ist hochgezogen und es werden bevorzugt Meidbewegungen im Verbund mit Schrittarbeit genutzt, um maximalen Eigenschutz zu gewährleisten. Unterschiedliche Bewegungsrhythmen und Winkel werden genutzt.

Angriffswinkel sind deshalb wesentlich, weil sie dem Boxer ermöglichen selbst effektiv zu schlagen, während sich sein Gegner erst neu ausrichten muss, oder zumindest nur mit einer Hand schlagen kann. Konter und Angriffe sind so leichter vorauszusehen und zu antizipieren.

Sehr gute defensive Fähigkeiten und Reflexe, sehr hohe körperliche Fitness, sowie hohe Schlagkraft sind Grundvoraussetzungen, um diese Art des Kämpfens besonders wirksam werden zu lassen. Mike Tyson hat diese Eigenschaften perfekt in sich vereint.

Ein Nachteil des Peek a Boo Stils ist, dass er körperlich sehr anstrengend ist und wirklich gut nur für junge, besonders fitte, schlagstarke und schnelle Boxer geeignet ist. Dieser Stil ist dafür gemacht, um die Distanz zu einem größeren Gegner „sicher“ zu überbrücken und dann harte Treffer zu landen. Gute Reflexe und Meidbewegungen sind hier unerlässlich.

  • Vertreter: Miguel Cotto, Jose Torres, Mike Tyson, Floyd Patterson und andere.
  • Trainer: Cus D’Amato, Kevin Rooney, Teddy Atlas

Philly Shell

Dieser Boxstil wurde unter anderem durch Floyd Mayweather bekannt. Sie lehrt eine Art der Verteidigung, die ohne Doppeldeckung auskommt. Eine Besonderheit dieses Stiles ist die tief hängende Führhand. Die Philly Shell ist ein sehr alter Stil im Boxen. Sie wurde früher oft als „Crab Style“ bezeichnet.

So funktioniert die Philly Shell:

Die Philly Shell ist ein Stil für fortgeschrittene, erfahrene Boxer. Sie ist, wenn sie gemeistert wurde, eine sehr ökonomische Art zu boxen. Die tiefe Führhand schützt den Körper und bietet kaum Lücken für tiefe Schläge. Der Stand ist relativ schmal und lang, aber es gibt auch hier durchaus Unterschiede, wenn man zum Beispiel James Toney und Floyd Mayweather vergleicht.

Der Oberkörper lehnt leicht nach rechts, zeitgleich ist etwas mehr Gewicht am hinteren Bein. Dadurch ist der Gegner gezwungen sich zu überstrecken, wenn er mit Schlag- und Führhand zum Kopf attackiert. Er muss also, von seiner Warte aus gesehen, leicht nach links schlagen, anstatt gerade nach vorne. (Wir gehen von der Linksauslage beider Boxer aus.) Der Angreifer muss also einen für sich unguten Winkel schlagen und wird dadurch anfälliger für Konter.

Schläge zum Körper

Seithaken zum Körper, werden mit kleinen Bewegungen aus dem Arm – hier kommt der nach außen gezogene Ellenbogen zum Einsatz – und minimalen Seitwärtsbewegungen aus dem Oberkörper pariert. Die Schläge treffen, so die Ellenbogen, oder den Unterarm und kommen nicht um die Deckung.

Im ungünstigsten Fall für den Angreifer treffen seine Schläge mit voller Wucht die Ellenbogen des Verteidigers. Das kann, selbst mit Boxhandschuhen, durchaus zu Handverletzungen führen.

Schläge zum Kopf

Wenn wir von der klassischen Linksauslage ausgehen, das linke Bein ist vorne, dann ist die rechte Hand und die linke Schulter für das Parieren gerader Schläge zuständig. Runde Angriffe zum Kopfe werden durch Beugen in der Hüfte und den Beinen, bei Angriffen mit der Schlaghand gemieden, oder abgeleitet.

Der linke Haken wird geblockt, indem die rechte Hand hochgezogen wird, während der gesamte Arm am Körper anliegt. Durch einen leichten Knick in der Hüfte sind so Kopf und Körper gleichzeitig gedeckt. So ist es letztendlich egal, ob der Haken zu Kopf, oder Körper geschlagen wird. Häufig vorkommende Schlagkombinationen können, durch Training antizipiert und durch minimale Anpassungen, gemieden oder geblockt werden.

Die Shoulder Roll

Darunter wird der Einsatz der Schulter verstanden, um Schläge abzuleiten. Vom Konzept her sehr ähnlich dem Parieren mit der Hand. Die hochgezogenen Schultern schützen dabei das tief runter gezogene Kinn. Die Schoulder Roll kann sowohl zum Meiden, als auch zum Parieren der Schläge genutzt werden.

James Toney einer der besten Boxer aller Zeiten nutze ebenfalls diese Methode.

Vertreter: Archie Moore, Floyd Mayweather, James Toney  und viele andere.

Unorthodoxes Boxen

Emanuel Augustus war ein wenig bekannter Weltklasseboxer mit einem einzigartigen Stil, der mitunter auch an einen aus Kung Fu Filmen bekannten „drunken master“ erinnert. Die völlig unorthodoxen kaum vorherzusehenden Bewegungen machten Augustus zu einem der am schwersten zu bekämpfenden Gegner für Floyd Mayweather. Augustus wurde bei einem Überfall erschossen.

Es gibt sie also Boxer, die Grund-schulmäßig alles falsch machen und trotzdem, oder auch deshalb erfolgreich werden. Eine gute Grundschule stellt allerdings die Voraussetzung dar, einen funktionierenden persönlichen Stil zu entwickeln.

Ein weiterer Boxer, der sehr unorthodox geboxt hat war „Prince“ Naseem Hamed. Seine Kämpfe sind spektakulär anzusehen.

In einem seiner letzten Kämpfe musste der mehrfache Weltmeister aber einen sehr hohen Preis für diese riskante Art zu boxen bezahlen. Er wurde von Marco Antonio Banderra übelst verprügelt.

Die Vorteile bei einer unorthodoxen Art zu kämpfen liegen darin kaum berechenbar für den Gegner zu sein. Eine tiefe Deckung bietet neben offensichtlichen Nachteilen, die Möglichkeit sich zu erholen und körperlich weniger anzustrengen. Das alles wird durch sehr hohe Risiken, beim Eigenschutz erkauft. Deshalb ist diese Art erfolgreich zu kämpfen, nur wenigen Talenten vorbehalten.

Unorthodoxen Boxer haben den Boxsport auf ihre Art geprägt. Sie haben demonstriert was mit Talent und viel Training machbar ist und für viele spektakuläre Kämpfe gesorgt.

Der kubanische Boxstil

Am Beginn des Videos sehen wir Drills, die Schrittarbeit und Schläge harmonisch miteinander verbinden. Der Stand bleibt stabil, die Schrittweite konstant. Schon Kenny Weldon, ein weltbekannter US Boxtrainer sage, dass die wenigsten Boxer sich mit allen Schlägen, effizient in alle Richtungen bewegen könnten und kritisierte diesen Missstand scharf.

Dieses Problem haben die Kubaner offensichtlich nicht.

In Kuba stellt das Boxen den Nationalsport dar. Kuba war und ist im Amateurboxen absolute Weltspitze. Im Profiboxen waren Kubaner über lange Zeit aus politischen Gründen nicht vertreten.  Zu den bekanntesten Vertreter zählen unter anderen Teofilo Stevenson und Felix Savon. Das kubanische Boxen hat etwas Leichtes, tänzerisches an sich, was die Sportler aber nicht hindert hart zu schlagen, im Gegenteil. Stevenson hat dreimal in Folge olympisches Gold im Schwergewicht geholt.

Der Medaillenspiegel der Kubaner bei Olympia spricht eine deutliche Sprache. Kuba gewann bis jetzt, 78 Gold-, 68 Silber- und 80 Bronze Medaillen.

Pinoy Boxen – der Boxstil der Filipinos

Das Boxen der Filipinos, die sich selbst als Pinoys bezeichnen. Die Wurzeln des Pinoy Boxens liegen in bewaffneten Auseinandersetzungen. Hier wurden also fechterische Konzepte und Bewegungsmuster, die aus dem Waffenkampf stammen ins Waffenlose übersetzt. Das betrifft beispielsweise die Beinarbeit, Schlagschule aber auch Strategie und Taktik.

Warum findet gerade das Pinoy Boxen Eingang in diesen Beitrag? Zum einen, weil ich es selbst trainiere und einen persönlichen Bezug dazu habe. Zum Anderen, weil das Pinoy Boxen, einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Boxsportes hatte, heute aber nahezu in Vergessenheit geraten ist.

In den 30er Jahren waren die Pinoys außerordentlich erfolgreich in den Profiboxringen der USA. Da die Kämpfe sehr oft im Nahkampf ausgetragen wurden und für die Zuschauer weniger attraktiv wurden, trotz der hohen Knock Out Quoten wurden die Regeln im Ring modifiziert, um dem entgegenzuwirken.

Der wohl bekannteste Pinoy Boxer ist heute Manny Pacquiao. Inwieweit die alten Konzepte in seinem Stil noch verankert sind, gilt allerdings umstritten.

Bei Anregungen und Fragen kommentiert gerne. Welchen Stil sollte man noch erwähnen? Was gibt es zu ergänzen?

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