Anfängerfehler beim Boxen

Anfängerfehler beim Boxen vermeiden

Gerade am Anfang, wenn du Boxen oder einen anderen Kampfsport erlernst schleichen sich oft zunächst unbemerkt Fehler ein, die später viel Zeit und Mühe benötigen, um sie wieder abzutrainieren. Deshalb ist es umso wichtiger von Beginn an die Grundlagen des Boxsports korrekt zu erlernen.

Anfängerfehler im Boxen werden schnell zu Gewohnheiten und kosten viel Aufwand um sie wieder loszuwerden. Deshalb musst du unbedingt auf korrekte Schlagtechniken, Meidbewegungen, Beinarbeit, Positionierung zum Gegner und ein grundlegendes Repertoire an taktischen Möglichkeiten achten.

Wir sehen uns im folgenden Beitrag Schritt für Schritt an, worauf du achten musst. Damit solltest du einen Großteil der möglichen Fehler vermeiden können.

Häufige Fehler beim Schlagen

Ein typischer Anfängerfehler beim Boxen ist es, nur aus dem Arm heraus, zu schlagen. Die Armmuskulatur bringt nur einen kleinen Teil der Schlagkraft auf. Du solltest dir den Arm und die Hand als Medium, das die Schlagkraft überträgt, vorstellen. Die dazu nötige Kraft wird aus dem ganzen Körper generiert. Die Schlagbewegungen sind Wurfbewegungen sehr ähnlich. Versuch mal einen Ball nur mit Armkraft zu werfen. Du wirst sicherlich schnell den Unterschied zu einem korrekt ausgeführten Wurf feststellen können.

Beim Schlagen verhält es sich genau so, der ganze Körper von den Zehenspitzen über die Beine und die Hüfte, in Verbindung mit korrekter Körperspannung wird eingesetzt, um die Hand zu beschleunigen und die Schlagkraft zu übertragen.

Nutze den ganzen Körper, um Schlagkraft zu erzeugen!

Ein weiterer Fehler ist Schläge zu telegrafieren, wie es umgangssprachlich heißt. Das bedeutet, du nutzt oft unbewusst Ausholbewegungen, die deinem Gegner signalisieren, dass du nun zu schlagen gedenkst. 😉 Der Vorteil auf diese Art und Weise mehr Kraft erzeugen zu können wiegt die Nachteile allerdings nicht auf.

Du bist für den anderen Boxer leicht zu lesen. Er hat alle Zeit der Welt auf deinen Schlag entsprechend zu reagieren. Hast du Glück weicht er nur aus oder blockt den Angriff, wenn du Pech hast, nutzt er die Situation zum Kontern. Gegen ist seliger als Nehmen. Vor allem beim Boxen.

Vermeide offensichtliche Ausholbewegungen beim Boxen!

Unauffällig, verdeckt kannst du ausholen, indem du Kombinationen abspulst, die den nächsten Schlag entsprechend vorbereiten. So ist dein Körper, nachdem du mit deiner hinteren Hand, der Schlaghand, geschlagen hast schon in Position, um wieder mit Kraft einen Haken mit der Führhand zu schlagen. Wenn es die Zeit erlaubt und du durchs ausholen keine große Deckungslücke öffnest, kannst du später beginnen auch mal in den passenden Situationen auszuholen.

Ein weiterer häufiger Fehler ist es nach dem Schlag den Arm fallen zu lassen. Der Arm sollte nach dem Schlag sofort, auf direktem Weg wieder in Deckungsposition zurückgezogen werden. Das verhindert in den meisten Fällen, dass dein Gegner erfolgreich kontern kann.

Eine hervorragende Übung, die dir, hilft den Arm direkt zurückzuziehen, ist folgende:

Du tippst mit deinem Schlag leicht auf die Deckung deines Trainingspartners. Der schlägt, sobald er den Kontakt spürt sofort zurück. Wenn du bei dieser Übung deine Deckung fallen lässt, bzw. den Arm nicht gerade auf dem direkten Weg zurückziehst, wird dich der Konter treffen.

Die Übung ist für beide Partner wertvoll. Schläge, die auf Kontakt mit einem sofortigen Konter reagieren, sind auch unter dem Namen – Reaction Punches – bekannt.

Vermeide es beim Schlagen den Ellenbogen zu überstrecken!

Das kann vor allem dann passieren, wenn du in die Luft schlägst. Du kannst dabei im Laufe der Zeit deine Ellenbogengelenke dauerhaft schädigen.

Anfängerfehler bei der Beinarbeit

Die Beinarbeit ist das A und O in jedem Kampfsport, der im Stehen kämpft. Grundsätzlich solltest du in der Lage sein, dich mit jedem Schlag in alle Richtungen zu bewegen. Das schaffen nicht viele Boxer. Kenny Weldon ehemaliger Trainer von Evander Holyfield hat das oft und immer wieder kritisiert. Er war sogar der Meinung, dass jeder der das kann, selbst als Trainer qualifiziert wäre.

In vielen Boxclubs wird das gerade nach vor und zurückgehen, sowie nach rechts und nach links zu gehen unterrichtet. Manche Trainer übersehen aber dabei, dass man sich noch durchaus in andere Richtungen bewegen kann. Für den Anfang mögen diese Schritte ausreichen, als Koordinationsübung. Später wirst du damit allerdings keinen Blumentopf gewinnen, dazu ist diese Schrittarbeit zu einseitig und wenig variantenreich.

Ein Ziel, das du über Beinarbeit erreichen willst, ist ein vorteilhafter Winkel zum Gegner. Du suchst eine Position, aus der du mit beiden Händen schlagen kannst, während er nur eine oder im Idealfall keine Hand schlagen kann, ohne sich neu auszurichten.

Häufig gesehene Anfängerfehler sind:

  • Der Stand ist breiter oder schmäler nach dem Schlag, als er vorher war. Grundsätzlich sollte die Breite und Länge deines Stands gleich bleiben. Es gibt aber auch Ausnahmen, wenn du beispielsweise eine Art Ausfallschritt machst, um den Körper besser treffen zu können. Auch beim Jab wird häufig ein sogenannter Half Step ausgeführt. Dabei geht der vordere Fuß mit dem Schlag vor und gleich wieder zurück, ohne das der hintere Fuß nachrückt.
  • Du gehst zu oft gerade vor und zurück. Das macht dich berechenbar, anfällig für Konter und beim Rausgehen aus dem Gegner zu einem leicht zu stellenden Ziel. Im Pinoy Boxen, das ich trainiere, lehnen wir es aus „religiösen“ Gründen ganz ab, gerade vor und zurückzugehen. Der Ursprung dieser Verhaltensweise, nie online zu gehen, wie wir es nennen, kommt aus dem Waffenkampf.

Deckung – typische Anfängerfehler

Eine korrekte Deckung schützt Kopf und Körper und ist in Box-technisch korrektes Verhalten und Gewohnheiten eingebettet. Nimm das Kinn runter, mache einen leichten Rundrücken, sodass du mit den Unterarmen und Fäusten sowohl Oberkörper als auch Kopf optimal schützen kannst. Um Schläge zu blocken sollten nur minimale Anpassungen in der Deckung nötig werden, ohne andere Deckungslücken zu öffnen.

Die Ellenbogen müssen dabei am Körper anliegen, sonst öffnest du Lücken in deiner Deckung. Betrachte die passive Deckung als die schlechteste Lösung von allen, vor dem getroffen werden. Beinarbeit, Parade, also Schläge mit wenig Kraftaufwand abzuleiten und Meidbewegungen, sollten der Schwerpunkt in deiner Deckungsarbeit sein. Auf diese Art wirst du nicht im Gleichgewicht gestört und bekommst am wenigsten Schlagwirkung ab.

Tipp: Halte deinen Kopf grundsätzlich in Bewegung. Das gilt auch fürs Schlagen und das Bewegen außerhalb der Schlagdistanz. Du willst deinem Gegner nicht jedes Mal signalisieren, wann du glaubst in Reichweite zu sein und wann nicht. Lass ihn im Unklaren darüber und bleibe auf der sicheren Seite.

Die Atmung

Die Atmung sollte mit deinen Bewegungen und Schlägen koordiniert werden. Ein häufiges Problem, bei Anfängern aber auch Fortgeschrittenen ist, dass sie unter Anspannung beim Boxen aufs Atmen vergessen. Das ist der sicherste Weg konditionell unterzugehen. Du bist dann innerhalb kürzester Zeit ausgelaugt, müde und kaum noch kampffähig. Deshalb ist es sinnvoll, schon im Training bewusst auf die Atmung zu achten und sich an den Stress im Kampf über viel Sparring zu gewöhnen.

Halte deine Augen offen und dreh dich nicht weg

Der Schlag, den du nicht kommen siehst, knockt dich aus.

Das ist eine alte Weisheit im Boxen. Du kannst deine Muskeln nicht anspannen und dich auf den Einschlag vorbereiten. Auch noch so kleine Ausweichbewegungen, die die Schlagwirkung etwas dämpfen, kannst du, dann ebenfalls nicht ausführen. Wenn es ganz dumm läuft, bewegst du dich noch blind in einen Schlag hinein, was die Schlagwirkung noch einmal verstärkt.

Es gibt unterschiedliche Übungen und lockere Arten zu sparren, die dir helfen deine Augen geöffnet zu halten.

Wegdrehen vom Gegner und ihn dabei aus dem Blickfeld zu verlieren, ist aus ähnlichen Gründen nicht sinnvoll. Du kannst die folgenden Angriffe nicht sehen und bist ihnen schutzlos ausgeliefert. Viel Gewöhnung ist die Lösung um das Problem im Kampf nicht zu haben. Mehr dazu: Was kannst du gegen Zwinkern und Wegdrehen tun?

Die falsche Taktik

  • Du verhältst dich zu defensiv oder aber zu offensiv.
  • Du schlägst immer wieder die gleichen Kombinationen und wirst damit für deinen Gegner leicht zu lesen. Er kann deine Aktionen immer besser vorhersehen und entsprechend darauf reagieren.
  • Auch solltest du darauf achten, die Schlaghärte und Geschwindigkeit zu variieren. Deine Ziele ebenso. Wechsle zwischen Kopf und Körper und lasse deinen Gegner im Unklaren, was deine nächsten Aktionen sein werden.

Wenn du getroffen wirst

Spann deine Muskeln an, um den Schlag best möglich ohne allzu viel Schaden zu nehmen. Vergiss aber nicht darauf weiterzuatmen. Das geht auch „hinter“ der angespannten Muskulatur. Dann solltest du auf keinen Fall auf der Stelle verharren, sondern dich weiterbewegen und zu kontern beginnen. Du willst keine „Sitting Duck“, die Ente auf dem Servierteller für den Jäger sein. Bleibe in Bewegung, bzw. komme wieder in Bewegung.

Halte den Mund geschlossen, beiße auf den Zahnschutz und versuche nicht zu reden. Auch wenn dir gerade was Lustiges eingefallen ist, das du deinem Gegner mitteilen möchtest. Der Zeitpunkt ist gerade unpassend und ein Kopftreffer, kann zum Kieferbruch führen, wenn der Mund geöffnet ist. 😉

Fazit Anfängerfehler beim Boxen

Nimm dir die Zeit die Grundlagen des Boxsports gut zu lernen, bis sie wirklich sitzen und in Fleisch und Blut übergegangen sind. Niemand ist perfekt, aber Perfektion ist das Zeil nach dem du streben solltest. Im Eifer des Gefechts, wenn Erschöpfung einsetzt und die Nerven angespannt sind passieren ohnehin viele Fehler. Die beste Möglichkeit dem entgegenzuwirken ist gutes Training im Vorfeld.

Bestimmte unerwünschte Reaktionen, wie die Augen zu schließen oder das Wegdrehen kannst du nicht immer vermeiden. Es sind natürliche Reaktionen, die du bis zu einem gewissen Grad unterdrücken kannst. Deshalb solltest du es auch trainieren. Falls es aber doch passieren sollte, vergiss es wieder und trainiere weiter.

Viel Spaß beim Training!