Der richtige Stand – die Grundstellung im Boxen

Boxen liegt im Trend. Boxen ist ein Sport, der den gesamten Körper und alle konditionellen Fähigkeiten trainiert und entwickelt. Für jene die keine Möglichkeit haben im Verein zu trainieren, zusätzlich zum regulären Training etwas machen möchten, oder auch nur von der Vielseitigkeit des Boxtrainings profitieren und fitter werden wollen, sehen wir uns die Grundstellung im Boxen an.

Boxen der richtige Stand

Was gehört zu den Grundlagen im Boxen?

Die technische Grundausbildung

Dazu zählen die unterschiedlichen Grundschläge, die Beinarbeit, aktive und passive Deckungsarbeit sowie gezieltes Kraft und Ausdauertraining. Du solltest wissen, dass es auch im Boxsport unterschiedliche Stile und Schulen gibt. So unterscheidet sich die Grundausbildung teilweise erheblich.

In dem Beitrag findest du eine Übersicht, über eine weitgehend allgemein anerkannte, aber auch umstrittene Grundlage des Boxsportes.

Den richtigen Stand.

Der richtige Stand im Boxen ist das Fundament, auf dem der Rest aufbaut. Ein korrekter Stand sorgt für die nötige Stabilität bei gleichzeitiger Mobilität in alle Richtungen. Er ermöglicht dir kraftvoll zu schlagen und Angriffe zu meiden.

Die Wahl der Auslage – Welcher Fuß steht vorne?

Um festzustellen, in welcher Auslage du boxen solltest gibt es einfache Tests, falls du dir unsicher sein solltest:

  • Du springst von einer erhöhten Position auf den Boden (Wohin auch sonst?) und achtest darauf welcher Fuß vorne landet.
  • Du bittest einen Partner dich von vorne wegzuschieben. Auch hier wird dein dominantes Bein vorne landen.
  • Hör auf dein Gefühl. In welcher Stellung fühlst du dich grundsätzlich wohler?
  • Vielleicht gibt es auch technisch, taktische Gründe eine bestimmte Auslage einzunehmen? Viele Boxer sind kaum gewohnt gegen Linkshänder, also Rechtsausleger – das rechte Bein ist vorne – zu kämpfen. Das kann in deinen Überlegungen eine wichtige Rolle spielen.
  • Wenn zwei Boxer in derselben Auslage miteinander kämpfen haben sie mehr Variationsmöglichkeiten, im Vergleich zu Kämpfern in unterschiedlichen Auslagen.

Boxgrundlagen – Boxen der richtige Stand

Wie heißt es im amerikanischen Englisch so schön?

You have to learn how to stand before you can walk!

Wie ein Fundament, die Grundlage für ein Haus darstellt, so ist der Stand die Grundlage für den Boxsportler. Mit ihm stehen und fallen seine Fähigkeiten. Von der korrekten Grundstellung hängen Gleichgewicht,  Beweglichkeit im Oberkörper (Meidbewegungen), die Beinarbeit, die Qualität der Ausweichbewegungen, Schlagkraft, aber auch die Reichweite seiner Schläge ab. Der Stand und die Positionierung zum Gegner machen ihn zu einem leicht oder schwer zu treffendem Ziel.

Es lohnt sich also über die korrekte Grundstellung, den Stand im Boxen, Gedanken zu machen.

Begriffserklärungen:

  • Unter Meiden versteht man Ausweichbewegungen, ohne Schritte oder Steps zu machen.
  • Unter Ausweichen (im engeren Sinn) versteht man Angriffen, unter Ausnutzung der Beinarbeit zu entgehen.

Wie sollst du also stehen?

Ich könnte dir jetzt ganz konkrete, über obige Kriterien hinausgehende Anweisungen geben einen „korrekten“ Stand einzugehen. Mach ich aber nicht. Denn das wäre in etwa so, als ob ein Friseur jedem Kunden die gleiche Frisur verpassen würde.

Nach der guten alten Methode: Topf aufsetzen und die noch sichtbaren Haare abschneiden. Im besten Fall siehst du dann aus wie Robert Wagner in Prinz Eisenherz. Im schlechtesten Fall, wie Quasimodo. So in etwa verhält es sich, mit dem im Detail vorgeschriebenen korrektem Stand im Boxen.

DEN richtigen Stand im Boxen gibt es nicht!

Ich gebe dir aber ein paar Beispiele, die neben den Kriterien Mobilität und Stabilität, Orientierung für einen sinnvollen Stand geben. Das sollte dir helfen herauszufinden, was für dich optimal funktioniert.

So erklärt der frühere Trainer von Roy Jones Jr. den richtigen Stand im Boxen:

Erklärungen zum richtigen Stand im Boxen, von Tom Yankello dem früheren Trainer von Roy Jones Jr. einem der besten Boxer aller Zeiten. Hier werden biomechanische Grundlagen und Gemeinsamkeiten zu anderen Sportarten, was Kraftgenerierung betrifft erklärt.

Yankello vertritt die Ansicht, dass der hintere Fuß 90 Grad, im rechten Winkel also zum vorderen Fuß ausgerichtet sein sollte und analysiert historisches Filmmaterial, um seine These zu untermauern. Die 90 Grad Position des hinteren Fußes erlaubt maximale Hüftbewegung und Krafterzeugung.

Hier erklärt der Yankello, wie der vordere Fuß ausgerichtet sein muss und warum. Auch hier geht es wieder, um die uneingeschränkte Beweglichkeit in der Hüfte, damit maximale Schlagkraft erzeugt werden kann. Die Empfehlung lautet hier mit dem vorderen Fuß direkt nach vorn zu zeigen.

Fran Sands – Boxen der richtige Stand

Fran Sands, ein britischer Boxtrainer, erklärt in diesem Video – seine Interpretation, des richtigen Stands im Boxen. Er propagiert einen anderen Stand als Yankello. Nach Sands muss der vordere Fuß in einem 45 Grad Winkel ausgerichtet sein.

Wer genau hinsieht, wird auch Unterschiede in der Breite des Stands und der Gewichtsverteilung auf die Füße feststellen können. Sands ist ebenfalls professioneller Boxtrainer.

Wladimir Klitschko erklärt den korrekten Stand

Er bestätigt damit, was ich oben geschrieben habe. (Ich hatte das Video vorher nicht gesehen. 😉 ) Es gibt nicht den einen korrekten Stand.

Vergleicht Klitschko und Mike Tyson und stellt euch vor, sie müssten den Stil des jeweils anderen boxen. Wie das ausgehen würde kannst du dir in etwa ausmalen.

Der Stand muss an die Vorlieben und Eigenschaften des Boxers individuell angepasst werden. Im sportlichen Boxen haben wir einheitliche Regeln. Vergleicht man die Stände von Thai Boxern, Boxern oder MMA Kämpfern untereinander so wirst du auch hier regel bedingt unterschiedliche Varianten sehen.

Nicht weil die Regeln einen bestimmten Stand vorschreiben, sondern weil das unterschiedliche Repertoire an Techniken, verschiedene Arten zu stehen begünstigt. So macht dich zum Beispiel ein schmaler langer Stand, sehr leicht angreifbar für Low Kicks. Low Kicks sind Tritte auf den Oberschenkel, aber auch Unterschenkel.

Die Ferse oben oder unten?

Auch hier gibt es wieder unterschiedliche Ansichten. Zwei Dinge solltest du beachten: Mit der Ferse leicht erhöht, bist du mobiler und leichtfüßiger auf den Beinen. Geht es hingegen darum, festzustehen und aus einem sicheren Stand hart zu schlagen, bist du möglicherweise besser beraten, kurzfristig eine „plattfüßige“ Position einzunehmen.

Coach Yankellos Analyse oben zeigt, wie Boxer Kraft generieren und auch leichtfüßige Boxer wie Manny Pacquiao, dann ihre Ferse zu Boden bringen. Es hängt also von der Situation ab, was du gerade machen solltest.

Die Breite des Stands

Als Faustregel gilt: Schulterbreit oder etwas darüber hinaus. Ein zu weiter Stand beeinträchtigt deine Mobilität in unterschiedliche Richtungen und reduziert die Reichweite deiner Schläge. Das kannst du gerne ausprobieren, indem du dich mit einem übertrieben langem Stand vor ein imaginäres Ziel stellst. Dann variierst du deinen Stand um herauszufinden, wie sich das auf deine Reichweite auswirkt.

Ein oft gesehener Fehler bei Anfängern ist, dass sie nach einer Aktion zu lange stehen, weil sie den hinteren Fuß nicht weit genug nachziehen. Grundsätzlich solltest du nach dem Schlag wieder in deiner Grundstellung sein.

Ein zu kurzer Stand wiederum beeinträchtigt dein Gleichgewicht und behindert dich in deinen Meidbewegungen. Das Pendeln aus dem Oberkörper wird erschwert, bzw. kann nicht weit genug ausgeführt werden. Auch hier ist testen angesagt. Du kannst das leicht für dich herausfinden, indem du unterschiedliche Stände einnimmst und die Auswirkung auf Faktoren wie Mobilität, Reichweite, aber auch Schlagkraft austestest.

Seitlich oder frontal zum Gegner stehen?

Der seitliche Stand, eine Schulter zeigt hier deutlich nach vorne, bietet eine geringe Angriffsfläche. Der Nachteil ist – die hintere Hand, die Schlaghand – ist sehr weit vom Gegner entfernt und braucht länger um ihn zu erreichen. Die „Philly Shell“ ist ein Beispiel für eine sehr seitliche Ausrichtung zum Gegner.

Ein frontaler Stand, die hintere Schulter ist also deutlich näher am Gegner, bietet diesem mehr Angriffsfläche, erlaubt dir aber deine Schlaghand leichter einzusetzen. Der „Peek a Boo“ Stil im Boxen, wie ihn Mike Tyson nahezu perfekt vertrat ist ein Beispiel für diese Art zu kämpfen.

Es gibt aber auch Boxer, wie Canelo Alvarez ein absoluter Weltklasseboxer (5 facher Weltmeister in unterschiedlichen Gewichtsklassen), die einen schmalen Stand mit einem frontal zum Gegner ausgerichteten Oberkörper kombinieren. Das ermöglicht ihm sehr variantenreich und für seine Gegner überraschend zu kämpfen.

Die Gewichtsverteilung

Manche Boxer haben grundsätzlich ihr Körpergewicht mehr auf dem hinteren Bein, manche sind eher vorderlastig. Wie du es handhabst, hängt von deinem Stil, der Situation und deinem Gegner ab.

So kann es beispielsweise vorteilhaft sein mehr Gewicht am hinteren Bein zu haben, wenn du deinen Gegner im Eck stellst und festnageln möchtest. Du kannst den vorderen Fuß leichter ausrichten, ohne die Entfernung zum Gegner ändern zu müssen. Der leider schon verstorbene Boxtrainer Kenny Weldon hat es so gelehrt. Weldon hat unter anderem Evander Holyfield trainiert.

Die nur auf Englisch erhältliche DVD Serie von Kenny Weldon, deckt so ziemlich jeden Bereich des Boxsports ab. Die Serie ist nicht nur für Sportler, sondern auch und gerade für Trainer gedacht. Weldon unterrichtet neben den Grundlagen des Boxens Strategie, Taktik und das zielgerichtete Arbeiten an den Geräten.

Von der Qualität des Materials gibt es wohl keine Konkurrenz im deutschsprachigen Raum. Die Tatsache, dass es eine schlechte Rezension des Kurses gibt, ist darauf zurückzuführen, dass die Ware beschädigt ankam und der Kunde nicht eine DVD ansehen konnte.

Die richtige Körperhaltung

Wenn du deinen Stand eingenommen hast, solltest du bewusst folgende Körperhaltung einnehmen:

  • Zieh das Kinn zur Brust.
  • Nimm beide Hände hoch: Die Führhand befindet sich etwa in Augenhöhe, während die Schlaghand (die hintere Hand) am Gesicht anliegt. Etwa in der Höhe des Jochbeins.Du gehst bewusst in eine Rundrücken – Position. Dazu kannst du dir vorstellen eine Art „Crunch“ im Stehen auszuführen. Du bringst als Brust und Schambein näher zueinander. In dieser Position kannst du, wenn es nötig wird, deinen Körper optimal vor Treffern schützen. Um das bestmöglich zu gewährleisten, legst du dann deine Ellenbogen und Arme, eng an den Oberkörper an.

Die Armhaltung

Ferhat von Boxing Arts erklärt hier sehr gut was du beachten solltest.

Die Armhaltung hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Sie wird von deinem persönlichen Stil und der Distanz zum Gegner beeinflusst.

Grundsätzlich gilt, je näher am Gegner, desto enger und höher die Deckung. Anfänger sollten sich mit religiösem Eifer daran halten.

Oft sieht man beim Profiboxern Nahkämpfe, die Schulter an Schulter, ausgefochten werden. Das findet aneinander gelehnt, auf engstem Raum statt. Könner haben hier auch schon mal einen Arm unten und arbeiten aus der sogenannten Philly Shell. Das ist jedoch nur äußerst routinierten Boxern zu empfehlen.

Fazit-Boxen der richtige Stand

Der richtige Stand stellt die Grundlage im Boxen dar. Ihm wird oft viel zu wenig Bedeutung beigemessen. Ich kann das aus eigener Erfahrung sagen. Stand und Positionierung zum Gegner sind schon die halbe Miete. Es ist grundfalsch das Boxen auf die nur Schlagtechniken zu reduzieren.

Was unter korrektem Stand im Boxen zu verstehen ist, ist auch unter Experten umstritten. Grundsätzlich muss der Stand aber, sowohl Mobilität als auch Stabilität bieten. Ich würde dir raten, als Anfänger genau auf das zu hören, was dir dein hoffentlich kompetenter Trainer empfiehlt. Später, wenn du genug Erfahrung gesammelt hast, kannst du dann Modifikationen vornehmen und ihn deinen Bedürfnissen anpassen.

Deine Körper – und Armhaltung müssen maximalen Schutz gewährleisten. Du musst Kopf und Körper vor Schlägen schützen. Empfindliche Stellen die getroffen werden können sind neben dem Kopf, hier sind Kinn und Schläfe zu nennen, die kurzen Rippen, der Solar Plexus und die Leber.

Tipp: Es lohnt sich immer wieder bewusst, die Grundstellung einzunehmen, bis du ein Gefühl dafür hast und die Haltung automatisiert wurde.

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