Jeet Kune Do

Jeet Kune Do – die Kampfkunst Bruce Lees

Bruce Lee , Gründer der Kampfkunst Jeet Kune Do, gilt als der Kampfkünstler des 20. Jahrhunderts. Er löste einen Boom im Bereich der asiatischen Kampfkünste aus und war ausschlaggebender Faktor dafür, dass wahrscheinlich Millionen Menschen mit Kampfsporttraining begannen.

Jeet Kune Do (Der Weg der abfangenden Faust) ist die Kampfkunst Bruce Lees. Sie beinhaltet Einflüsse aus dem Wing Chun, westlichen Boxen, Fechten, Savate und asiatischen Kampfkünsten. Jeet Kune Do war nie als dogmatische Kampfkunst gedacht, sondern dazu einen individuellen Stil zu entwickeln.

Bruce Lee integrierte in sein Jeet Kune Do  (JKD)unterschiedlichste Konzepte und Techniken. Er war damit der Vorreiter der MMA, der Mixed Martial Arts, wie wir sie heute kennen.

In diesem Video ist Bruce Lee bei einer Demonstration seines Könnens zu sehen. Neben seiner Variante der klebenden Hände aus dem Wing Chun, demonstriert er auch seinen berühmten One inch punch, der mit einer extrem kurzen Ausholbewegung ausgeführt wird. (1 inch beträgt ca. 2,5 cm)

Bruce Lee und die Entwicklung des Jeet Kune Do

Bruce Lee wurde in San Francisco als viertes Kind des chinesischen Schauspielers Lee Hoi Chuen und der  Deutsch-Chinesin Grace Ho geboren. Grace entstammte einer führenden Familie aus Hongkong. Bruce war in den USA geboren Doppelstaatsbürger und verfügte über die chinesische und die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

Bruce und seine Eltern reisten, wenige Monate nach seiner Geburt, freiwillig nach Hongkong und verbrachten dort knapp 4 Jahre in der japanisch besetzen Stadt. Bruce wuchs also in Hongkong in einer Zeit der japanischen Besatzung und später unter britischer Verwaltung der Stadt auf.

Bruce besuchte in Hongkong eine katholische Schule. Er wuchs in einem von chinesischen Flüchtlingen überfüllten Hongkong, voller sozialer Spannungen auf.

Das führte dazu, dass er oft in Schlägereien und körperliche Auseinandersetzungen verwickelt wurde. Er beschloss eine Kampfkunst zu lernen, um sich zu verteidigen. Von seinem Vater einem Schauspieler, der chinesischen Oper lernte er Grundlagen des Tai-Chi. Seinen ersten „richtigen“ Unterricht erhielt er im Wing Chun.

Wing Chun ist ein armlastiger, südchinesischer Kung-Fu Stil, der sich auf die Nahdistanz spezialisiert hat.

Nachdem Bruce in mehrere Schlägereien verwickelt wurde und einen schlechten Ruf als Schläger genoss, ihm sogar eine Gefängnisstrafe drohte, schickten seine Eltern ihn mit 18 Jahren in die USA. Bruce hielt sich anfangs als Tanzlehrer, Kellner und Platzanweiser über Wasser und absolvierte erfolgreich die High School.

Danach begann er an der Universität von Washington seine Studien. Er studierte Psychologie, Philosophie und Schauspiel.

Bruce begann recht bald Unterricht zu geben und baute sich eine eigene kleine Trainingsgruppe auf. Zu seinen ersten Schülern gehörten  Jesse R. Glover, Taky Kimura später auch Dan Inosanto.

Quelle: Wikipedia

Jeet Kune Do – prägende Stile

Der von Bruce begründete Stil, des Jeet Kune Do ist von vielen unterschiedlichen Kampfkünsten beeinflusst und geprägt worden. Die erste Kampfkunst, die Bruce ernsthaft betrieb, war das chinesische Wing Chun.

Wing Chun

Bruce lernte das Wing Chun in Hongkong unter Ip Man, bzw. dessen Assistenztrainer  Wong Shun Leung.

Kung-Fu war damals nur den Chinesen vorbehalten und Ausländer wurden prinzipiell nicht unterrichtet.

Die wohl berühmteste Waffe im Wing Chun sind die Kettenfauststöße.

Es handelt sich dabei um Serien schneller Fauststöße, die geradlinig auf der sogenannten Zentrallinie geschlagen werden. Die Idee dahinter ist es den Gegner mit einer Vielzahl von Schlägen, die er einzeln nicht abwehren kann zu überfordern, in die Defensive zu drängen und so zu besiegen.

Ein weiteres Merkmal des Wing Chun ist einer Übungsform, genannt Chi Sao oder  übersetzt klebende Hände. Die Idee dahinter ist es Kontakt mit den Armen des Gegners aufzunehmen und dessen Aktionen taktil zu spüren, ohne rein auf die optische Wahrnehmung angewiesen zu sein. Wing Chun ist auf den Nahkampf spezialisiert.

Bruce hat Wing Chun, je nach Quellenangabe unterschiedliche zwischen drei und fünf Jahre lang in Hongkong gelernt. Das System aber nie vollständig erlernt. Von manchen Leuten wird das dahingehend interpretiert, dass Bruce deshalb ein eigenes System entwickeln musste. Er musste die Wissenslücken schließen und die sich ergebenden Probleme eigenständig lösen.

Manche Vertreter des Wing Chun behaupten das gerne. Das Wing Chun hat wie jedes andere System seine Stärken und Schwächen. Die hat es vor allem in der langen Distanz und gegen runde Angriffe. Die Trainingsmethoden sind meiner Ansicht nach vielfach zu verspielt, verglichen mit dem effektiven Training vieler Kampfsportler.

Ich selbst habe über 9 Jahre Wing Tsun und Derivate betrieben. Bin mir aber bewusst, dass es praktischere und weniger praktische Stilinterpretationen gibt.

Wer das Wing Chun lernen möchte, das Bruce Lee gelernt hat, sollte sich die Linie von  Wong Shun Leung ansehen. Insbesondere das Bayer Ving Tsun. (VT)

Bruce hat das Poon Sao, eine Art beidarmiges Chisao (klebende Hände) insofern angepasst, als es in einem anderen Stand geübt wird, als  im Wing Chun traditionell üblich

Westliches Boxen

Das westliche Boxen stellt ein ausgeklügeltes Faustkampfsystem dar, das permanent im Ring unter Vollkontaktbedingungen getestet wird und wurde. Dementsprechend gut sind die Trainingsmethoden, Techniken und Taktiken an den Boxsport angepasst.

Zwar ist der Boxsport immer noch ein Sport, mit einschränkendem Reglement und lässt sich nicht uneingeschränkt mit Systemen, die sich ausschließlich dem „Straßenkampf“ widmen vergleichen. Allerdings stellt der Boxsport eine hervorragende Grundlage dafür dar.

Boxen Grundlagen

Savate und asiatische Kampfkünste

Das Boxe Francaise oder Savate ist eine französische Kampfmethode, die Schläge und Tritte nutzt. Savate wurde ursprünglich von Matrosen entwickelt, die sich auf ihren Reisen wohl Ideen und Anregungen aus Asien geholt hatten. Tritte wurde auf den Schiffen auch genutzt, indem sich der Tretende an der Takelage festhielt. Bruce hat den tiefen Tritt zum Schienbein den Chasse Bas ins Jeet Kune Do integriert.

Bruce nutzte auch unterschiedliche Arten zu treten, die er aus asiatischen Kampfkünsten übernommen hatte. Hohe Tritte kommen im Wing Chun nicht vor, spielen aber auch in der Selbstverteidigung nur eine untergeordnete Rolle und sind immer äußerst riskant für den Ausführenden.

Welche Rolle Tritte in der Selbstverteidigung spielen und warum das so ist erfährst du in dem Beitrag:

Tritte in der Selbstverteidigung?

Fechten

Die Einflüsse aus dem Fechtsport, vor allem auf die Beinarbeit und die Wahl der Auslage, sind im JKD deutlich zu erkennen. Bruce nutzte auch unterschiedliche Takt- und Tempowechsel in seinem System, die dem Fechtsport entlehnt sein dürften.

Weitgehend unbekannt ist, das über Dan Inosanto und die über ihn vermittelten Kontakte, auch Einflüsse aus den philippinischen Kampfkünsten den Weg ins JKD gefunden haben. Inosanto war Schüler und Trainingspartner von Bruce Lee und hatte regen Kontakt zur philippinischen Gemeinde in Stockton Kalifornien. Einer der Lehrer von Inosanto war Edgar Sulite, der Begründer des Lameco Stils.

Mehr Informationen zu den philippinischen Kampfkünsten. (FMA)

Die Prinzipien des JKD

Bruce sah den Angriff als die beste Art der Verteidigung an. Das meint aber nicht blindwütiges attackieren des Gegners, sondern beruht darauf den Gegner unter Druck zu setzen, sein Timing zu stören und wie der Name „Weg der abfangenden Faust“ verrät, in den Angriff des Gegners hinein zu attackieren.

Dieses Konzept gibt es im Wing Chun, aber auch vielen anderen Systemen. Die Grundidee liegt darin, geschützt selbst anzugreifen und nicht erst zu blocken und dann einen Angriff folgen zu lassen.

Die Gleichzeitigkeit von Angriff und Abwehr spielt eine sehr wichtige Rolle.

Der Stand im JKD

Der Stand ist sehr seitlich zum Gegner ausgerichtet, um diesem eine möglichst kleine Angriffsfläche zu bieten. Da in diesem Stand die hintere Hand und das hintere Bein sehr weit weg vom Gegner sind, spielen das vordere Bein und der vordere Arm, eine umso wichtigere Rolle im Jeet Kune Do.

Im Unterschied zu den allermeisten anderen Kampfkünsten und Kampfsportarten, steht man im JKD mit der dominanten Hand vorne.

Rechtshänder stehen also mit dem rechten Bein vorne, in jener Auslage in der zu 90 % und mehr Linkshänder instinktiv  stehen würden.

Begründet wird diese „verkehrte“ Auslage damit, dass die vordere Hand hauptsächlich zum Einsatz kommt. Die schwächere hintere Hand kann in dieser Auslage mehr Kraft über eine längere Ausholbewegung generieren und so auch hinreichende Schlagkraft entwickeln.

Über die Vorteile unterschiedlicher Stände und auslagen lässt sich endlos diskutieren. Es gibt immer Vor- und Nachteile, die berücksichtigt werden sollten, egal welchen Stand du einnimmst.

Mehr zum Stand als Grundlage im Boxen und Kampfsport generell.

Beinarbeit im JKD

Die Beinarbeit ist ganz offensichtlich vom Boxen aber auch dem Fechtsport beeinflusst. Vor allem die Leichtfüßigkeit und tänzerische Beweglichkeit von Bruce, lässt sich auf intensives Training der Beinarbeit zurückführen. Bruce war, wie fast alle Boxer begeistertet Seilspringer ,-), um diese Fähigkeiten zu erreichen und zu halten.

Beinarbeit ist eine grundlegend wichtige Fähigkeit, über die jeder Kämpfer verfügen sollte. Wem es nicht gelingt schnell seine Positionen in Angriff und Verteidigung zu verändern, ist klar im Nachteil und hat kaum Chancen.

Die Führhand im JKD

Die vordere Hand, als Führhand bezeichnet, weil sie Kämpfe führt und bestimmt, ist der wichtigste Schlag im JKD. Die Führhand kann auf unterschiedlichste Art und Weise geschlagen werden. Sie wird aus verschiedenen Positionen auf unterschiedlichen Wegen und Winkeln zum Gegner geschlagen.

Die Führhand soll entspannt, immer in leichter Bewegung gehalten werden. Das erschwert es dem Gegner den Angriff rechtzeitig zu erkennen und erleichtert eigene überfallsartige, blitzschnelle Aktionen.

Die gerade Führhand stellt den kürzesten und direktesten Weg zum Gegner dar. Sie wird nicht nur als Fausttechnik und Rückfaust eingesetzt, sondern auch gerne als „Eye Jab„. Dabei werden die Finger der Hand offen gehalten und peitschenartig ins Gesicht des Gegners geschlagen. Diese Technik kann schwerste Augenverletzungen hervorrufen und ist nur für den Notfall gedacht. Im sportlichen Vergleich hat sie nichts zu suchen.

Überraschende Aktionen

Ein wesentlicher Faktor im Kampf ist es, den Gegner den Zeitpunkt und die Art des Angriffs, nicht oder zu spät erkennen zu lassen. Die eigenen Angriffe sollen so gut wie möglich verschleiert werden und nicht durch Ausholbewegungen oder verräterische Anspannung der Muskulatur, vorzeitig erkennbar sein.

Diese nicht „telegrafischen“, im Vorfeld erkennbaren Bewegungen, spielen eine wichtige Rolle in der Konzeption des JKD.

Bewegungsökonomie

Die Techniken sollen effizient, direkt, und einfach sein. Verspielte Techniken und komplizierte Bewegungsabläufe, die unter Stress im Kampf nicht abrufbar und anwendbar sind gehören nicht zum Jeet Kune Do.

Grundsätzlich sind die einfachsten Techniken immer die besten. Sie sind schnell abrufbar, leicht anzuwenden und effektiv.

Zur Ökonomie der Bewegung gehört es auch mit der nächst gelegenen (Körper) Waffe, das nächste Ziel anzugreifen. Deshalb spielen Tritte zum Schienbein und Knie mit dem vorderen Fuß und Schläge mit der Führhand die wichtigste Rolle im JKD.

Die Kampfdistanzen im JKD

Bruce war seiner Zeit weit voraus und kann durchaus als Vorreiter der modernen heutigen Mixed Martial Arts betrachtet werden. Seine Konzepte umfassen alle Distanzen bis hin zum Bodenkampf.

Distanzen im JKD:

  • Trittdistanz: Aus großer Entfernung werden Tritte genutzt, um den Gegner zu erreichen.
  • Schlagdistanz: Etwas näher am Gegner kommen vor allem Schläge ins Spiel.
  • Trapping Distanz: Das Trapping hat Bruce Lee aus dem Wing Chun übernommen. Ziel ist es, wenn Kontakt zu den gegnerischen Armen besteht, diese zu umgehen, kurzfristig zu binden, um selbst angreifen zu können.
  • Nahdistanz: In der absoluten Nahdistanz wird gerungen und geworfen. Der Kampf setzt sich möglicherweise am Boden fort.

Die fünf Arten von Angriffen im Jeet Kune Do

  1. Der direkte Einzelangriff: Ein einzelner schneller, überraschender Angriff.
  2. Kombinierte Angriffe: Kombinationen waren schon immer eine bewährte Methode, um Angriffe aufzubauen, aber auch um sich wieder kontrolliert aus der Gefahrenzone abzusetzen.
  3. Hände immobilisieren und angreifen: Darunter ist das oben erwähnte Trapping, das Binden der Hände, um selbst angreifen zu können zu verstehen.
  4. Lücken bewusst offen lassen und dem Gegner Fallen stellen. Kannst du den Gegner dazu verleiten, zu einem bestimmten Zeitpunkt eine absichtlich offen gelassene Lücke anzugreifen, bestimmst du das Geschehen. Das kannst du nutzen um zu kontern oder aber selbst anzugreifen.
  5. Progressive Indirect Attack (PIA): Darunter wird die Nutzung von Finten, also vorgetäuschten Angriffen verstanden. Das Ziel ist es den Gegner zu einer Reaktion zu verleiten, auf die wiederum Folgeangriffe aufbauen. Die Reaktion des Gegners kann eine Ausweichbewegung, ein Angriff oder auch eine Abwehr sein. Diese Methode ist vor allem dann wichtig, wenn der Gegner schnell und erfahren genug ist mit direkten Einzelangriffen klarzukommen.

Hier siehst du Beispiele zu den 5 Angriffen. Jim Tackett ist ein Originalschüler Bruce Lees.

Du kannst diese Arten von Angriffen auch  bei vielen Kampfsportlern und guten Boxern, die ja über einen längeren Zeitraum kämpfen, beobachten. Wer sich zum Beispiel Boxkämpfe von Roy Jones Jr. ansieht, wird alle Arten von Angriffen und noch mehr sehen können.

Ist JKD effektiv zur Selbstverteidigung?

Jeet Kune Do ist zur Selbstverteidigung geschaffen worden. Der Stil, wenn man ihn so nennen will beruht mehr auf Prinzipien und weniger auf Techniken. Menschen sind unterschiedlich haben eigene Stärken und Schwächen und müssen letztendlich aus ihrem Potenzial das Beste herausholen.

Jeet Kune Do soll dazu das nötige Fundament bieten. Unter einem qualifizierten Lehrer ist JKD mit Sicherheit eine gute Möglichkeit selbstverteidigungsfähiger zu werden.

Fazit: Jeet Kune Do – die Kampfkunst Bruce Lees

Bruce Lee war ein Wegbereiter der asiatischen Kampfkünste und hat sie über Film und Fernsehen einem breiten, westlichen Publikum zugänglich gemacht. Mit seinem Stil, wenn man ihn so nennen will, dem JKD hat er auch heute noch gültige und bewährte Methoden und Prinzipien  analysiert und aufgezeichnet und seinen Schülern leicht zugänglich gemacht.

Das zeigt auch das noch heutzutage rege Interesse an seiner Kampfkunst. Viele Kampfsportler und Kampfkünstler beschäftigen sich mit seinen Methoden und wenden diese an. Wir können das im Boxen den Mixed Martial Arts und anderen Sportarten sehen.

Viel Spaß beim Training!