Selbstverteidigung Frau gegen Mann

Selbstverteidigung Frau gegen Mann – ein Leitfaden

Ein Drittel der Frauen und Mädchen im Eu-Raum, hat mindestens einmal im Leben, physische, sexuelle oder psychische Gewalt erfahren. So der statistische Durchschnitt, basierend auf Daten von Eurostat. Täter sind meistens männliche Familienmitglieder und der Tatort zu Hause. Dreieinhalb Tausend Tötungen sind es ungefähr im Jahr.

Der Selbstverteidigungsfall Frau gegen Mann tritt statistisch zu Hause und in Konfrontation mit Familienmitgliedern auf. Männer sind im Schnitt 12 cm größer und 10 bis 20 kg schwerer. Mit realistischem SV-Training können diese Unterschiede eher kompensiert werden. Kampfsport ist dafür nicht optimal.

Selbstverteidigungskurse boomen. Oft wecken sie völlig realitätsferne Erwartungshaltungen suggerieren innerhalb nur weniger Stunden wehrhaft zu werden. Warum das nicht zutrifft, was realistisch ist und wie du deine Wehrhaftigkeit in Notsituationen entscheidend verbessern kannst erfährst du in diesem Beitrag.

Selbstverteidigung als Frau gegen einen Mann – womit musst du rechnen?

Körperliche Unterschiede

Männer sind im Durchschnitt Frauen körperlich deutlich an Kraft, Masse und Reichweite überlegen. Untersuchungen bei Sportlern haben einen durchschnittlichen Größenunterschied von 12 cm und einen Gewichtsunterschied von 10 bis 20 kg ergeben. Im Leistungssport erreichen Männer abhängig von ihrer Sportart 10 % bis 20 % bessere Leistungen.

Nun sind wir nicht alle Leistungssportler, aber ich denke diese Daten vermitteln eine gute Vorstellung der Gegebenheiten. Körpergewichtsunterschiede alleine für sich, ohne die dabei in der Regel Hand in Hand gehenden höheren Kraftwerte zu berücksichtigen, machen schon einen großen Unterschied in körperlichen Auseinandersetzungen aus.

Das weiß jeder der einfach nur einmal versucht hat jemand deutlich schwereren wegzuschieben. Mehr Gewicht wirkt sich auch automatisch auf die Schlagkraft aus. Da ist es dann fast egal, ob das in den Schlag gelegte Gewicht, Muskel- oder Fettmasse ist.

Für Türsteher gibt es eine Praxis-bewährte Faustregel die besagt:

Du kannst maximal Gegner mit 150 % deines Körpergewichts kontrollieren, ohne auf exzessive Gewalt zurückgreifen zu müssen.

Das gilt aber auch nur bei gut trainierten Leuten, die es in der Regel mit schlecht oder gar nicht trainierten Kontrahenten zu tun haben.

Sonst ist schon viel früher Schluss. Aus diesen Gründen gibt es in fast allen Kampfsportarten Gewichtsklassen. Niemand geht davon aus, dass der Mittelgewichtsboxer im Schwergewicht mit halten kann. Er wird, auch wenn er technisch besser ist verlieren, weil die körperlichen Unterschiede zu groß sind.

Für Frauen die gezwungen sind sich in Notwehr gegen Männer zu verteidigen lässt das einige beängstigende Rückschlüsse zu.

Als Frau bist du dem Angreifer körperlich aller Wahrscheinlichkeit nach deutlich unterlegen. Täter werden sich, abgesehen von den biologischen Unterschieden, im Regelfall ein geeignetes schwächeres Opfer suchen. Elitekämpferinnnen oder extrem starke Frauen werden eher nicht in diese Zielgruppe fallen, schwach wirkende Frauen aber umso mehr.

Orte und Arten der Übergriffe

Statistisch gesehen finden Übergriffe von Männern gegen Frauen am häufigsten zu Hause statt. In Österreich waren fast zwei Drittel aller Taten Beziehungstaten. (2017) Opfer und Täter kannten sich gut oder waren miteinander verwandt.

Das schließt aber natürlich nicht Angriffe an anderen Orten aus. Die Gewalt gegen Frauen im öffentlichen Raum nimmt zu. Wir kennen sie alle die Berichte von vergewaltigten Joggerinnen, in Parks, im Stiegenhaus und in öffentlichen Räumen.

Wir unterscheiden:

  • Sexuelle Übergriffe
  • Physische Gewalt
  • psychische Gewalt

Quelle

Lernen sich als Frau gegen einen Mann zu verteidigen

Fantasie vs. Realität

Die Realität von Übergriffen ist ihrer Natur gemäß, knallhart und oft derart überraschend brutal, dass die Opfer in Schockstarre verfallen. Nur all zu oft vermitteln Selbstverteidigungskurse, Filme und Werbung völlig falsche Vorstellungen von der Wirklichkeit.

Die zierliche Superfrau die mit Leichtigkeit große starke Männer besiegt ist ein Mythos.

So wie der Jeti, der Schneemensch ein Mythos ist. Beweise für dessen Existenz wurden bis Dato noch nicht erbracht.

Genauso gibt es keine Hinweise darauf, dass ein körperlich unterlegener Mensch es leicht mit einem stärkeren Gegner aufnehmen kann. Um das zu schaffen, musst du den Gegner entweder überraschen, über geeignete Hilfsmittel verfügen oder aber viel besser trainiert sein als er.

Das Ausmaß der möglichen Gewalt wird nicht verstanden.

Es macht einen Unterschied dem angeheiterten Durchschnittsbürger, der bei seinen Annäherungsversuchen über die Stränge schlägt und die Normen von Höflichkeit und Anstand verletzt, Einhalt zu gebieten oder einen Schwerverbrecher auf Beutefang zu stoppen. Ähnlich verhält es sich mit Menschen in psychischen Ausnahmesituationen. Der vor Eifersucht blindwütige Lebenspartner ist mitunter zu allem fähig.

In Wohlfühlatmosphäre erlernte Tipps und Tricks aus dem Selbstverteidigungskurs wirken hier nicht mehr. Ein ernsthafter Angreifer lässt sich nicht durch halbherzige Gegenwehr und leichte Schmerzen stoppen.

Was gegen einen stärkeren Gegner nicht funktioniert

Immer wieder werden hier ungeeignete Techniken vermittelt. Grundsätzlich nicht funktionieren mal eben so:

  • komplizierte Techniken
  • Hebeltechniken
  • halbherzige Schläge und Tritte
  • Ein Großteil der gelehrten Befreiungstechniken.

Ich möchte nicht ganz ausschließen, dass etwas von den oben genannten Techniken, mit viel Glück oder im Falle von Hebel- und Befreiungstechniken, mit dem entsprechenden Training funktionieren kann. Wahrscheinlich ist es aber nicht. Vor allem dann nicht, wenn die Abläufe nicht in Fleisch und Blut übergegangen sind. Das setzt aber nicht nur tausende Wiederholungen voraus, sondern auch Training mit echtem Widerstand.

Die besten Tipps und Tricks!

Immer wieder wird das Thema Selbstverteidigung von unseriösen Anbietern so behandelt, als ob ein paar einfache Tricks ausreichen würden, um jeden Gegner zu besiegen. Zumindest wird das suggeriert und implizit behauptet.

Dazu brachst du dir nur eine Frage zu beantworten.

Wenn es geheime Tricks und Techniken gäbe, warum sollten Verbrecher und Gewalttäter diese in ihrem Spezialgebiet schlechter beherrschen als du?

Training mit progressivem Widerstand

Es verhält sich dabei so wie im Krafttraining auch. Wer nur die Hantelstange hebt und nicht auch mal mit Gewichten beschwert, der wird nicht stärker. Für die Selbstverteidigung gerade als Frau gegen einen mit größter Wahrscheinlichkeit stärkeren Mann, ist es umso wichtiger, mit progressiv größer werdenden Widerständen zu trainieren.

Praktisch bedeutet das:

Nach dem entspannten Erlernen von Bewegungsabläufen, muss der Trainingspartner es dem „Opfer“ kontinuierlich schwerer machen sich erfolgreich zu wehren. Und das letztendlich bis zum Punkt an dem ernsthaft mit voller Kraft angegriffen wird.

Macht dir diese Vorstellung Angst?

Das sollte sie auch!

Natürlich wollen und können wir den Ernstfall nicht wirklich im Training simulieren. Es wäre ja völlig idiotisch beim Training, für den hoffentlich wenig wahrscheinlichen und nie eintretenden Ernstfall, zu verunglücken. Deshalb sollte man im Training sinnvolle Kompromisse eingehen. Mit Schutzausrüstung und einem Trainingspartner der mitdenkt und Gewalt dosiert einsetzt, kannst du ein Gefühl für den Ernstfall bekommen. Oder besser eine Ahnung davon, was passieren könnte.

Das praktisch umzusetzen ist allerdings schwierig. Wer will denn mit dem netten Trainingspartner Stress haben, ihm unangenehm werden? Abgesehen davon bedarf es schon einiges an Erfahrung und Fingerspitzengefühl, um die richtigen Wachstumsreize zu setzen.

Warum ist das wichtig?

Du erfährst dabei sehr viel über dich deine Möglichkeiten und deine Grenzen. Grenzen haben wir alle. Für jeden, egal wen gibt es einen Punkt an dem er nicht mehr weiterkann. Den Punkt wollen wir nie erreichen, aber es ist wichtig zu wissen, dass es ihn gibt und ungefähr zu wissen an welcher Stelle er erreicht wird.

Mit dem entsprechenden Training kannst du so ein gesundes Selbstbewusstsein erreichen. Du weißt, du hast gute Möglichkeiten dich zu wehren. Du weißt aber auch, was realistisch ist. Dieses Wissen hilft ungemein dabei, nicht blind und naiv in potenziell gefährliche Situationen zu kommen.

Welche Techniken funktionieren in der SV für Frauen?

Ramsey Dewey hat sich den Spaß gemacht spezielle Selbstverteidigungstechniken für Frauen zu testen. Es gibt unendlich viele Beispiele, für absoluten Nonsens der in diesem Zusammenhang gelehrt wird.

Grundsätzlich geht es um zwei Faktoren bei der richtigen Technikwahl:

  1. die Anwendbarkeit der Technik
  2. die Wirksamkeit der Technik

Welche Techniken sind anwendbar?

Die Techniken, Bewegungsabläufe und Taktiken müssen auch unter hohem Stress noch abrufbar bleiben. Jeder der bei Prüfungen sein vorhandenes Wissen nicht voll oder schlimmer noch, gar nicht abrufen konnte, sollte das nachvollziehen können. Geht es bei Prüfungen letztendlich nur um Noten, geht es im Falle der Notwehr möglicherweise um Leben und Gesundheit.

Die Versagenswahrscheinlichkeit ist dann noch größer! Deshalb müssen entsprechend einfache Lösungen für den Notfall trainiert werden. Grobmotorische Vorgehensweisen, die unter einem hohen Adrenalinspiegel noch anwendbar sind.

Die Feinmotorik ist schlicht und einfach in Notsituationen nicht mehr einsetzbar. Wer also glaubt, komplizierte Bewegungsabläufe und koordinativ anspruchsvolle Bewegungen machen zu können, erlebt im Ernstfall eine bitterböse Überraschung. Er kann sich an nichts mehr erinnern und selbst wenn er das könnte, ist es schlichtweg unmöglich diese auszuführen.

Es kommt immer wieder vor, dass Polizisten im Einsatz vergessen ihre Waffe zu entsichern, obwohl sie das tausende male geübt haben sollten. In solchen Situationen passiert es immer wieder, dass sie sich ihren Finger beim Versuch den Abzug zu betätigen brechen. Die Sicherung sperrt den Abzug.

Beim Pfefferspray gibt es unterschiedliche Auslösemechanismen. Es kommt immer wieder vor, dass Verteidiger es nicht schaffen den Spray mit dem Daumen zu betätigen. So sehr kann die Koordinationsfähigkeit eingeschränkt sein. Eine Faust zu ballen bleibt aber möglich. Aus diesem Grund sollten die Abzüge der Sprays entsprechend gestaltet sein.

Welche Techniken sind wirksam?

Die eingesetzten Techniken sollten den Gegner außer Gefecht setzen oder wenigstens so lange ablenken, bis eine Flucht oder ein Folgeangriff möglich wird. Im Brasilian Jiu Jitsu und den Mixed Martial Arts gibt es beispielsweise den eingesprungenen Armhebel, wenn er funktioniert muss der Gegner aufgeben oder sein Arm wird gebrochen.

Diese Technik ist unbestritten wirksam. Sie erfüllt aber aus unterschiedlichsten Gründen das Kriterium der Anwendbarkeit in der Selbstverteidigung nicht. Sie ist viel zu komplex, erfordert extrem viel Übung und wird bei extremer Stressbelastung nicht mehr abrufbar sein.

Einfach und wirksam sind Angriffe auf die Schwachpunkte des menschlichen Körpers. Die Schwierigkeit besteht allerdings darin die auch mit der nötigen Härte und hart zu treffen.

Das erfordert Übung!

Fight-Flight-Freeze

Dieses Phänomen ist wichtig zu verstehen. Es bezieht sich auf die drei Natur-gewollten genetisch definierten Handlungsmuster im Kampf. Die erste Option ist Kampf, die zweite Flucht und die dritte in zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen ungünstigste, ist das Erstarren vor Angst. Dieser durch Übererregung verursachte Angststarre, kann durch Training und kluges Verhalten entgegengewirkt werden.

Gutes Training führt zu einer gewissen Desensibilisierung. Das bedeutet du gewöhnst dich daran körperlich angegriffen zu werden. Du erlebst zwar nie den Ernstfall im Training, simulierst ihn aber und wirst deshalb im Notfall mit großer Wahrscheinlichkeit handlungsfähig bleiben. Ehrlicherweise muss man sagen, dass es dafür keine Garantien gibt. Menschen reagieren nicht einheitlich, sondern individuell. Es passiert selbst Elitesoldaten in ihrem ersten Einsatz in Schockstarre zu verfallen, obwohl sie optimal auf ihre Aufgaben vorbereitet wurden.

Training ist aber die beste Möglichkeit, handlungsfähig zu bleiben und wieder heil aus der Situation zu kommen. Neben dem Effekt der Desensibilisierung, die auch auf ein gesteigertes Selbstbewusstsein zurückzuführen ist, tritt bis zu einem gewissen Grad allerdings, eine Gewöhnung an den Stresshormonausstoß ein. Das bedeutet du bleibst trotz der Menge X an Stresshormonen im Körper noch einsatzbereit. Irgendwann kommt trotzdem der Punkt, an dem nichts mehr geht. Aber er kommt später und du hast gelernt ihn zu vermeiden, indem du rechtzeitig für Stressabbau sorgst.

Überschüssiges Adrenalin und andere Stresshormone kannst du mit Bewegung abbauen. Der Hormoncocktail, bereitet dich schließlich auf den Kampf oder die Flucht vor. Passiert das nicht lähmt er dich aber. Das hatte in der menschlichen Evolution auch eine Funktion, nämlich die als Beutetier für gewisse Raubtiere nicht mehr erkennbar zu sein. Der Zustand der Angststarre, in menschlichen Auseinandersetzungen, ist aber leider völlig kontraproduktiv und nicht hilfreich.

Wie und wo lernst du dich zu verteidigen?

Von nichts kommt nichts!

Einen Selbstverteidigungskurs zu besuchen kann mehrere Gründe haben. Manche können durchaus vernünftig sein und ich will nach reiflicher Überlegung Selbstverteidigungskurse generell gar nicht schlecht reden. Obwohl ich geneigt dazu bin, als Kenner der Szene.

Selbstverteidigungskurse dienen nämlich oft auch, als mehr oder weniger zweifelhaftes Geschäftsmodell. Und das ist nicht nur die Schuld der Anbieter, sondern liegt auch an der starken Nachfrage.

Menschen suchen einfache Lösungen und viele möchten das Thema Selbstverteidigung, mit einem Kurs oder besser noch ein paar Tricks, für sich abgeschlossen haben. Kein Wunder, dass Angebote entstehen, die diese Bedürfnisse (scheinbar) abdecken. Das können sie aber nicht!

Es gibt aber auch positive Aspekte:

Selbstverteidigungskurse schaffen einen leichten Einstieg für Laien, sich mit dem Thema Gewalt zu beschäftigen. Wenn du den Kurs als Einführung in die Thematik betrachtest, um dir bei einem hoffentlich kompetenten Lehrer einen ersten Eindruck zu verschaffen, ist eine Kursteilnahme durchaus sinnvoll.

Jeder seriöse Lehrer wird dir aber sagen, dass es damit nicht getan sein kann. Neue Fähigkeiten müssen erlernt, gefestigt unter Stress und körperlicher Belastung angewendet und kontinuierlich trainiert werden, um sie nicht wieder zu verlieren.

Wichtig:

Den bequemen völlig entspannten, immer stressfreien Weg auf Extremsituationen hinreichend vorbereitet zu sein gibt es nicht. Du wirst ja auch nicht stärker, wenn du immer wieder die gleichen leichten Gewichte hebst.

Frauenselbstverteidigungskurse?

Auch als Mann ist mir klar:

Es gibt gewisse Frauenthemen, die Frauen gerne unter sich behandeln, besprechen und üben wollen. Die Probleme der Selbstverteidigung für Frauen gegen Männer sind teilweise auch anders geartet als die Probleme die sich einem Mann gegen einen anderen Mann stellen. Frauen sind eher mit sexuellen Belästigungen und Übergriffen konfrontiert, weniger mit dem typischen Ritualkampf und Revierverhalten zwischen Männern.

Es gibt aber auch genug Gemeinsamkeiten. Dann, wenn es zu körperlichen Übergriffen kommt. Auch Frauen werden von Tätern mit brutalen Schlägen und Tritten angegriffen. Zusammengeschlagen und körperlich und seelisch gebrochen. Danach kann es immer noch zu sexuellen Übergriffen kommen, selbst dann, wenn sich Frau blutverschmiert mit gebrochenen Knochen in Agonie befindet.

Im Internet kursieren genug Videos von Überwachungskameras, die solche Szenen zeigen. Der Grad an sinnloser Gewalt ist mitunter für jemanden der psychisch normal tickt kaum zu fassen.

Das bedeutet Frauen müssen genauso wie Männer lernen mit Schlägen, Tritten, Würgeangriffen etc. umzugehen wie Männer! Die stille, vielleicht heimlich und unterbewusste Hoffnung, weniger hart angefasst zu werden als ein Mann, solltest du schnellstmöglich begraben!

Frauenselbstverteidigungskurse, die sich Frauenthemen widmen können, durchaus sinnvoll sein.

Aber:

Wenn nur Frau mit Frau trainiert, aber lernen will sich gegen Männer zu wehren fehlt etwas Wesentliches. Der Mann! Du musst ein Gefühl dafür bekommen, wie es ist von jemandem der wesentlich stärker und größer ist angegriffen zu werden. Das hilft sehr bei der realistischen Einschätzung deiner Möglichkeiten.

Deshalb sind Frauenselbstverteidigungskurse in denen nur Frauen mit Frauen trainieren nicht genug. Als Westentaschenmacho muss ich noch etwas hinzufügen. Oft genug unterrichten in solchen Kursen Personen, die es lieber sein lassen sollten, weil sie schlichtweg nicht qualifiziert genug sind. Das trifft aber auch auf so manchen männlichen Selbstverteidigungslehrer zu.

Der Trainer oder die Trainerin sollte einen gewissen Background haben, der ihn oder sie dazu qualifiziert Wissen weiterzugeben. Ein paar Jahre Kampfkunst oder Kampfsport und ein akademischer Grad in Genderwissenschaften reicht dazu nicht immer aus. Vorsichtig formuliert. Männerhass oder Männerfeindlichkeit, unter denen manche dieser Expertinnen leiden, sind auch keine hinreichenden Qualifikationen.

Besser ist ein praktischer Hintergrund aus eigenen Erfahrungen und qualifizierten Leuten von denen die jeweiligen Trainer gelernt haben.

Kampfsport – Kampfkunst – Selbstverteidigung

In den Augen vieler Laien ist das ein und dasselbe. Kämpfen tun sie ja schließlich alle irgendwie. Kampfsportler kämpfen allerdings immer innerhalb ihres Regelwerks. Das ist oft derart eingeschränkt, dass es nicht einmal annähernd regellose Auseinandersetzungen widerspiegelt.

Selbstverteidigung Frau gegen Mann

Nehmen wir stellvertretend das koreanische Taekwon do als Beispiel.  Im sportlichen Wettkampf, darf nicht zum Kopf geschlagen, wohl aber getreten werden. Ringen und den Gegner zu greifen ist grundsätzlich verboten. Das führt dazu, dass die Sportler versuchen einander zu treten, obwohl sie schon in einer Distanz stehen, in der sie ansatzlos zum Kopf schlagen könnten.

Taekwon Do ist eine hervorragende Sportart, sie ist sogar olympisch. Es geht mir nicht darum diesen Kampfsport schlecht zu machen. Mit Selbstverteidigung hat er aber wenig zu tun. Das Regelwerk in dem gekämpft wird, ist ein rein sportliches. Selbst mit für einen Ernstfall wesentlich besser geeigneten Sportarten wie Boxen und Ringen verhält es sich ähnlich. Einmal ganz abgesehen davon, dass für die Selbstverteidigung der kämpferische Aspekt nur einer von vielen Teilen ist, die trainiert werden müssen.

Kampfkünste haben sich den Zielen verschrieben, Traditionen zu wahren und den Charakter zu formen. Kampf ist vielfach stilisiert und selbst die Bewegungen sind strengen Vorgaben unterworfen. Kampf ist hier nicht das eigentliche Ziel. Inwieweit Aufmerksamkeitsregulation, Stresstraining und Vorkampfverhalten behandelt werden hängt vom Lehrer ab. In der Regel kommt das im Kampfkunstunterricht gar nicht vor.

Auf Selbstverteidigung spezialisiertes Training

Das Training muss allen Aspekten der Selbstverteidigung gerecht werden.

Dazu gehören:

  • Prävention und Achtsamkeit: Die beste Problemlösung ist es, ein Problem nicht entstehen zu lassen oder im Ansatz, wenn es noch lösbar ist zu lösen. Das bedeutet zum Beispiel, lieber ein Taxi nehmen, als in der Nacht durch den Park zu laufen. Meistens sind es die einfachen Dinge die funktionieren. Die sind so einfach, dass sie oft übersehen oder schlichtweg ignoriert werden. Die Vermeidung von Gefahren im Vorfeld gehört dazu. Funktionieren tut es nur, wenn du es auch tatsächlich machst.
  • Verhaltensstrategien um aus gefährlichen Situationen eventuell noch entschlüpfen zu können. Das verlangt von dir die Fähigkeiten dich nicht, als Opfer zu erkennen zu geben und unauffällig ohne zusätzliche Aufmerksamkeit zu erregen, einen gezielten Rückzug antreten zu können. Einen Rückzug der für mögliche Täter nicht als Flucht zu interpretieren ist und dich erst recht zum Opfer machen würde.
  • Der Aspekt der körperlichen Selbstverteidigung. Mit Kampfsport und Kampfkunst hat das nur wenig zu tun. Weniger als viele glauben.
  • Szenario- und Stresstraining: Auch unangenehme Situationen müssen im Training durchlebt, erfahren und trainiert werden. Wie sonst auf eine Selbstverteidigungssituation vorbereiten?
  • Körperliche Fitness: Fitness, Kraft und Schnelligkeit sind wesentliche Faktoren, die eine körperliche Auseinandersetzung mit beeinflussen. Jeder sollte versuchen aus seinen Möglichkeiten das Beste zu machen. Ob körperliches Training im Unterricht oder abseits seinen Platz hat, ist diskussionswürdig. Vielfach wird außerhalb des regulären Trainings einfach nicht mehr trainiert. Auf der anderen Seite, nimmt allgemeines Fitnesstraining viel Zeit im Unterricht weg, die besser genutzt werden könnte.
  • Die Waffenproblematik: Nicht selten kommen Waffen oder Gegenstände die als solche benutzt werden zum Einsatz. Das Selbstverteidigungstraining sollte diesem Aspekt gerecht werden, indem es informiert aufklärt und ansatzweise Lösungen aufzeigt.

Der Umgang mit Schlaghemmungen

Gerade Frauen haben oft, aber nicht immer Schlaghemmungen. Das liegt teilweise an der Erziehung und der Genetik, mit Sicherheit aber auch am Bewusstsein der körperlichen Unterlegenheit Männern gegenüber und dem Versuch nicht zu eskalieren. Das Problem dabei Schlaghemmungen sind völlig fehl am Platz, wenn die Situation bereits eskaliert ist und es körperlich geworden ist.

Schlaghemmungen können durch entsprechendes Training abgebaut werden.

Zusätzlich ist folgendes Gedankenexperiment hilfreich:

Was passiert mit deiner Familie, Freunden, Kindern, wenn du nicht mehr nach Hause kommst, weil du nicht einmal den Versuch unternommen hast dich zu verteidigen? Wie würde es denen ergehen? Was wenn deine Kinder angegriffen werden? Hättest du dann auch noch Hemmungen sie zu verteidigen? Warum also Hemmungen haben, dich selbst zu wehren? Das Ergebnis wirkt sich so oder so auf deine Familie aus.

Es ist statistisch erwiesen, dass entschlossene Gegenwehr in vielen Fällen Angreifer von ihrem Vorhaben, wie beispielsweise Vergewaltigungen abbringt. Massive Gegenwehr führte in 85 % der Fälle zum Abbruch des Vergewaltigungsversuches. Quelle

Welche Rolle spielen Waffen?

Mittlerweile ist es kein Geheimnis mehr, dass der Einsatz von Waffen und Waffen-ähnlichen Gegenständen in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat. Anfänglich noch von manchen Realitätsverweigerern als pure Angstmache bestritten, sprechen selbst geschönte Statistiken heute eine eindeutige Sprache. Messerverbote und einschlägige Änderungen in der Waffengesetzgebung zeigen ein mal mehr die Dimensionen dieser Problematik auf.

Verzweifelt Versuche, dem über die Waffengesetzgebung entgegenzuwirken werden scheitern. Rechtstreue Bürger wissen, dass sie ihre Messer und Legal-Waffen nicht gegen andere Menschen einsetzen dürfen. Kriminelle werden sich nicht durch Gesetze abschrecken lassen, sonst wären sie nicht kriminell.  Aufgrund der steigenden Zahlen an  Messerstechereien und Messermorden, wurde in Deutschland das öffentliche Führen von Messern mit einer Klingenlänge von über 4 cm, weitgehend (in 2020) verboten.

Es gibt Ausnahmen. Über Details informiere dich bitte beim Gesetzgeber.

Wichtig zu verstehen ist.

Aus waffenlosen Auseinandersetzungen können jederzeit bewaffnete Auseinandersetzungen werden.

Ein Messer, Schlagstock, Kubotan oder Pfefferspray ist schnell gezückt. Ein Kubotan ist ein Schlagkraftverstärker, der mit dem nötigen Training sehr wirkungsvoll und dosiert eingesetzt werden kann und derzeit nicht unters Waffengesetz fällt. Waffen ändern das Kräftegleichgewicht oft dramatisch. Das führt uns zu zwei Fragen:

Ist es sinnvoll sich zu bewaffnen?

Die Frage kann nur mit einem klaren Jein beantwortet werden.

Bewaffnung ist dann sinnvoll wenn:

  • Der Umgang mit der Waffe beherrscht wird. Das setzt entsprechendes Training im Umgang mit ihr voraus. Du willst nicht, dass die Waffe am Ende gegen dich eingesetzt wird.
  • Die Waffe im Notfall schnell verfügbar ist. Die tollste Waffe ist wertlos, wenn du keinen Zugriff auf sie hast, wenn du sie benötigst. Du musst nicht nur eine für dich passende Waffe wählen und den Umgang mit ihr üben, sondern auch schnell auf sie zugreifen können.
  • Der Besitz bzw. das Führen der Waffe in der Öffentlichkeit erlaubt ist.
  • Die Waffe zur Selbstverteidigung tatsächlich geeignet ist. Es ist zum Beispiel ein Irrglaube, dass Messer tolle Waffen zur Selbstverteidigung wären. Messer sind potenziell lebensgefährlich, aber nicht unmittelbar Mann stoppend. Das bedeutet selbst ein schwerst verletzter Angreifer, kann durchaus noch weiter angreifen und Schaden anrichten, bevor er kampfunfähig wird.
  • Gut um im Notfall als Waffe oder Hilfsmittel eingesetzt zu werden eigenen sich:  Ein Schrillalarm. Der Ton erregt Aufmerksamkeit und kann Täter abschrecken. Schlagkraftverstärker wie der Kubotan oder einfach nur ein geeigneter Kugelschreiber. Taktische Taschenlampen lassen sich ebenfalls zu diesem Zweck einsetzen. Beachte, dass lange Stabtaschenlampen unter das Waffengesetz fallen können, weil sie als Schlagstock eingesetzt werden können.

Was tun gegen bewaffnete Bedrohungen?

Diese Frage ist nur schwer hinreichend zu beantworten. Waffen verschieben das Kräftegleichgewicht und scharfe Waffen sind grundsätzlich gefährlicher als stumpfe Waffen. Selbst für Experten ist es kaum möglich sich unbewaffnet gegen Messerangriffe erfolgreich zu wehren. In Expertenkreisen wird mit einer nur 5 % Überlebenschance bei ernst gemeinten Angriffen gerechnet. Das gilt aber auch nur für trainierte Verteidiger.

Mehr Informationen zur Gefährlichkeit von Messerangriffen findest du hier.

Psychologie der Selbstverteidigung – raus aus der Opferrolle

Taktische Konzepte für die zivile Selbstverteidigung

Quellangaben und weiterführende Informationen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechterunterschiede_im_Sport

https://www.gewaltinfo.at/fachwissen/ausmass/uebergriffe/sexuelle_belaestigung_und_gewalt.php

Quelle: https://www.aoef.at/index.php/studien-zu-gewalt?start=4

https://orf.at/stories/3144891/