Selbstverteidigung für Männer

Selbstverteidigung für Männer

Selbstverteidigung ist für uns alle ein Thema. Wie sieht nun eine Selbstverteidigung für Männer aus?

Selbstverteidigung für Männer, muss neben dem Notwehrrecht, einer realistischen Einschätzung von Gefahren und Möglichkeiten, verbalen und körperlichen Konfliktlösungen, auf den psychologischen Aspekt Männer-spezifischer Konflikte eingehen. So kann eventuell noch das Schlimmste verhindert werden.

Niemand ist davor gefeit in eine Notwehrsituation zu kommen. Im Mitteleuropa ist das in den letzten Jahren wahrscheinlicher sogar geworden. Manchmal reicht schon ein falscher Blick oder ein falsches Wort, um Gewalt auszulösen. Nicht selten mit schwer verletzen oder toten Opfern. Ein Selbstverteidigungskonzept, das nicht nur den körperlichen kämpferischen Bereich der Selbstverteidigung abdeckt, stellt die erfolgversprechendste Art dar sich dieser Problematik zu nähern.

Selbstverteidigung für Männer sollte folgende Aspekte umfassen

Achtsamkeit und Gefahrenbewusstsein im Alltag vermitteln

Wir wollen nicht paranoid werden und daraus eine Tugend machen, weil wir nun überall Gefahren wittern.

„Nur weil du paranoid bist, heißt das noch lang nicht, dass sie nicht trotzdem hinter dir her sind.“

Woody Allen

Es gilt aber einen sinnvollen Kompromiss zu finden, zwischen einer entspannten Unaufgeregtheit und einem situationsbedingten Gefahrenbewusstsein.

Dazu kannst du den Cooper Code nutzen. Der Cooper Code kommt aus dem militärischen Bereich und verbindet bestimmte Risiken und Situationen mit dazugehörigen Farben. Er hilft dir dabei leichter schneller Situationen einzuordnen und deine Aufmerksamkeit entsprechend zu regulieren.

Wie das funktioniert habe ich im Detail in meinem Beitrag über den Cooper Code und den OODA Loop erklärt. Es lohnt sich diese Konzepte zu durchdenken, sie machen sinnvolle Entscheidungen, einfacher und schneller.

Klare Richtlinien geben, wie Gefahren vermieden werden können.

Wir kennen alle den Spruch: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Es sind diese einfachen Weisheiten, die jeder kennt, aber nach der sich viele einfach nicht richten. Tipps und Ratschläge in diese Richtung werden dann oft als – wissen wir ohnehin erzähl mir etwas Neues – abgetan. Zu Unrecht. Jeder der schon einschlägige Gewalterfahrung gemacht hat oder sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt, weiß wie einfach es sein kann Risiken zu reduzieren und wie brutal es werden kann, wenn man es aus Ignoranz nicht tut.

Achtsamkeit und Vermeiden von Gefahren stellen den einfachsten und wichtigsten Teil eines vernünftigen Selbstverteidigungskonzepts dar. Es ist für jeden, egal ob klein groß, stark oder schwach, jung oder alt einfach umzusetzen. Kommt es einmal zu körperlichen Auseinandersetzungen, verhält es sich schon ganz anders. Garantien gibt es dann, nämlich keine mehr. Nur mehr kleiner oder größere Chancen, halbwegs heil wieder aus der Situation herauszukommen.

Wissen wie es zu einschlägigen Konflikten kommt

Das hilft diese im Ansatz zu verhindern oder eine Eskalation noch rechtzeitig zu unterbinden. Das Tier Mensch legt, wie andere Tiere auch durchaus Revierverhalten an den Tag, ob nun bewusst oder unbewusst. Ein Freund hatte in einem Landgasthaus ein einschlägiges Erlebnis, er durfte einem Gespräch zwischen zwei Platzhirschen lauschen.

„Kennst du den? Nein? Dann schlagen wir ihn!“

Gott sei Dank kannte dann doch einer der Einheimischen ihn und die ausgemachte Schlägerei wurde im letzten Moment abgebrochen.

Die Moral aus der Geschichte? So schnell kann es gehen. Dazu musst du nicht einmal etwas Falsches, unfreundliches oder böses getan haben. Du warst nur zur falschen Zeit am falschen Ort.

Neben all den Vorteilen und positiven Seiten, die eine multikulturelle Gesellschaft uns allen beschert, kann die Unkenntnis anderer kulturbedingter Gepflogenheiten schon mal für Ärger sorgen.

Manche Gruppen sind noch sensibler für ihn ihren Augen Provokationen. Ein unerwünschter etwas zu langer Blickkontakt, kann nicht nur im Bierzelt für Stimmung sorgen. Leider oft genug Grabesstimmung am Ende des Tages. Um all diese Dinge solltest du Bescheid wissen und dich dementsprechend verhalten. Oft sind falsch verstandene Ehre und Stolz Ursache für körperliche Auseinandersetzungen. Darüber sollte man drüber stehen. Es lohnt sich nicht deshalb in Lebensgefahr zu kommen.

So meine Ansicht jedenfalls.

So laufen Konflikte zwischen Männern häufig ab:

Person A fühlt sich provoziert oder provoziert selber. Das kann aus den unterschiedlichsten Gründen passieren. Er hatte einen schlechten Tag, will sich abreagieren, hat dich mit jemandem verwechselt oder benutzt das als Aufhänger oder er ist einfach nur auf der Suche nach einem leichten Opfer. Die allermeisten Aggressoren, sind schlau genug sich jemanden auszusuchen, von dem sie annehmen, dass er ihnen nicht wirklich gefährlich werden kann.

Es gibt aber auch durchaus Provokateure die eine mehr „sportliche“ Einstellung verfolgen und eine Herausforderung suchen. Manche sind auch nur einfach dämlich. Was ihnen viele Nachteile aber auch gewisse Vorteile verschafft. Viel dümmer können sie, auch nach verlorenen Schlägereien, nicht mehr werden.

Im „Idealfall“ passiert das:

Das Opfer wird ausgesucht und provoziert. Die Provokationen können über Blicke, Worte oder auch schon körperlich erfolgen. Schubsen, am Revers greifen und schütteln kommt dabei häufig vor. Hier wird instinktiv der Widerstandswille und die Kraft des Opfers getestet. Der Täter möchte sich vergewissern, dass er sich nicht den Falschen ausgesucht hat.

Kommt spätestens nicht an dieser Stelle entschiedener Widerstand, geht der Täter einen Schritt weiter und greift an. Fast immer agiert er dabei hinterhältig und lässt dem Opfer keine realistische Chance. Ein routinierter Schläger wird sich in eine Distanz hineinreden, in der du nicht mehr rechtzeitig auf einen Angriff reagieren kannst. Deine Reaktionszeit reicht schlicht und einfach nicht mehr dazu aus.

Das kannst und musst du im Vorfeld verhindern, indem du Distanz wahrst. Dazu gibt es unterschiedliche Strategien. Wesentlich ist nicht ungestraft nahe ran lassen, sonst bist du dem oder den Aggressoren auf Gedeih und Verderben ausgesetzt.

Wichtig:

Einzelne Stufen können auch übersprungen werden und es kann von hier auf jetzt zu exzessiver und tödlicher Gewalt kommen. Behalte das im Kopf. Manche Täter initiieren Rempeleien und Beleidigungen im Vorfeld mit dem festen Vorsatz brutalste Gewalt einzusetzen. Für sie ist es nur der Auftakt und wie es weitergeht, steht schon im Vorhinein fest. An dieser Stelle möchte ich dir noch mal in Erinnerung rufen, wie schön es dann gewesen wäre, wenn du nie in diese Situation gekommen wärst. Der Aspekt der Risikoreduktion im Vorfeld durch Vermeiden gefährlicher Ort, Gegenden  oder Personengruppen gewinnt hier auf einmal eine ganz besondere Bedeutung.

Selbstverteidigungskurse für Männer?

Auf Kundenwünsche geht jeder gewiefte Unternehmer gerne ein. So verdient er schließlich sein Geld. Es sollte allerdings irgendwo einen Punkt geben, an dem der Anbieter dem Kunden klarmacht, was realistisch ist und was nicht. Bei Selbstverteidigungskursen, vor allem dann, wenn es sich um Trash Crash Kurse handelt, ist es deshalb besonders wichtig keine falschen Erwartungen zu wecken. Solche Kurse können durchaus sinnvoll sein und wertvolle Informationen vermitteln.

Sie können aber keinen Supermann aus dir machen oder dir beibringen dich körperlich effektiv zu wehren. Das Thema ist so vielfältig und komplex, dass es einfach nicht in kurzer Zeit ausreichend verstanden, begriffen und umgesetzt werden kann.

Oft werden schnell zu erlernende Selbstverteidigungsprogramme unterrichtet. Nach dem Motto, wenn du A machst, mache ich B. Gerne werden auch sogenannte verdeckte Vorkampfstellungen unterrichtet, die Verteidigungsbereitschaft herstellen sollen, ohne das es der Aggressor bemerkt. Zum Vermitteln grundlegender Idee, haben diese Programme und Vorkampfstellungen durchaus ihre Berechtigung. Damit ist es aber nicht getan. Ich kenne keinen Profi der in Konzepten wie Vorkampfstellung oder Technik A als Antwort auf Technik B denkt.

Es ist dann schlicht und einfach keine Zeit mehr, um zu denken. Die Handlungsroutinen müssen sitzen und unbewusst ablaufen. Das verlangt viel Übung und entsprechendes sinnvolles Training. Daran kann keine Abkürzung jemals vorbeiführen.

Spezialfälle: Kampf gegen mehrere und/oder bewaffnete Angreifer

Diese Probleme können sich leider in der Selbstverteidigung stellen und tun das auch.

Überlebenschancen, wenn es die Angreifer ernst meinen?

Minimal, auch für sehr gut trainierte Personen.

Inwiefern derartige Problematiken in Selbstverteidigungskursen sinnvoll und ernsthaft behandelt werden können, bleibt dahingestellt.

Oder anders ausgedrückt:

Wer sich nicht gegen einen Durchschnittsbürger mit großer Wahrscheinlichkeit erfolgreich wehren kann, braucht sich über die Abwehr mehrere bewaffnete Angreifer, keine Gedanken zu machen.

Solltest du dich also mit dem Thema Selbstverteidigung für Männer ernsthaft auseinandersetzen wollen und das solltest du, nimm dir die Zeit bei qualifizierten Leuten, wenigstens über einige Monate zu trainieren. Du wirst dann zwar auch nicht zum Wunderwuzzi, aber du wirst dich besser verteidigen können und was ganz wesentlich ist. Du wirst wissen was realistisch ist und dir weniger gefährliche Illusionen machen.

Viel Spaß beim Training!