Sambo

Sambo russische Mixed Martial Arts auf hohem Niveau!

Sambo das viel mehr ist als das russische Mixed Martial Arts, als das es durch Fedor Emelianenko einem der zweifellos besten MMA Kämpfer aller Zeiten einem breiten westlichen Publikum bekannt wurde.

Sambo ist ein gemischter Kampfsport, aus der ehemaligen UDSSR. Es ist in Russland, Teil der militärischen und polizeilichen Ausbildung. In Wettkämpfen wird das Sport- und Combat Sambo betrieben. Die sportliche Variante ähnelt dem Judo. Combat Sambo erlaubt auch Schläge und Tritte, ähnlich den MMA.

Als ich das erste Mal von russischen Sambo hörte, war es in Zusammenhang mit dem Judosport. Sambokämpfer erwiesen sich bei Wettkämpfen überaus erfolgreich. Sambo ist aber kein russisches Judo, mit kurzen Hosen, sondern ein eigenständiges, äußerst vielseitiges Kampfsystem.

Die Geschichte des Sambo

Sambo bedeutet „Kampf ohne Waffen“ oder auch „Selbstverteidigung ohne Waffen“.

Es steht für ein eigenständiges Kampfsystem, das ab 1923 in der Sowjetunion entwickelt wurde. Als Grundlage für das russische Sambo wurden Einflüsse aus dem japanischen Judo und Jiu-Jitsu, aber auch des Boxsports und unterschiedlicher Stile des Ringens aufgenommen.

Ursprünglich wurde Sambo für Militär und Polizei entwickelt. Dazu beschränkte man sich nicht nur auf rein sportliche Techniken, sondern darauf den Gegner, schnellstmöglich zu eliminieren oder zu kontrollieren. Im polizeilichen Bereich spielten also Festlege und Kontrolltechniken eine wesentliche Rolle.

Als Begründer des Sambo gelten Wiktor Spiridonow und Wassili Oschtschepkow. Oschtschepkow  trainierte und erlernte Judo in Japan direkt vom Gründer des Judo Kanō Jigorō. Es wurde zum Danke, wie in Diktaturen nicht unüblich als Spion verdächtigt von Genossen Stalin hingerichtet.

Offizielle Anerkennung als Sport in der UDSSR

Sambo hingegen wurde 1938 als Sport in der Sowjetunion offiziell anerkannt. Um aus einem unreglementierten militärischen Nahkampfsystem einen Sport zu machen, bedurfte es der Ausarbeitung eines Reglements. Das sollte einerseits die Sicherheit der Sportler gewährleisten, andererseits über ein Punktesystem über Sieg und Niederlage entscheiden.

  • Heute ist Sambo in der Federation International Amateur Sambo, der FIAS international organisiert.
  • Weiters gibt es die European Sambo Federation (ESF).
  • In Deutschland, im Deutschen Sambo Verband, der Mitglied der FIAS ist.

In vielen ehemaligen Ostblockstaaten gehört Sambo zur normalen sportlichen Ausbildung, in Bulgarien ist Boxen, Ringen und Sambo, Teil des Schulsports. Während wir in Deutschland darüber diskutieren, ob denn nicht Völkerball für die durchgegenderte Jugend zu brutal sei.

Eine verrückte Welt, oder? 😉

Vier Arten im Sambo zu kämpfen

Sport (Borba) Sambo

Solltest du dich aus irgendwelchen verrückten Gründen, zum Beispiel eine verheiratete russische Frau angeflirtet zu haben, einmal dazu genötigt sehen in einer Sambo Disziplin anzutreten, wähle die sportliche Variante des Sambo. Deine „Überlebenschancen“ sind hier deutlich besser.

Das Judo ist wie wir aus der historischen Entwicklung des Sambo wissen, einer der Grunddisziplinen, die das Sambo geprägt haben. Das Sambo wird oft als das russische Judo bezeichnet. Fast alle russischen Judokas kommen aus dem Sambo, und Judoschulen gibt es nur wenige in Russland, obwohl russische „Judokas“ weltweit sehr erfolgreich waren und heute noch sind.

Das Borba Sambo ist dem Judo noch sehr ähnlich.

Die Kämpfe werden nach Punkten oder durch Aufgabe entschieden. Schläge und Tritte sind verboten, Wurf- und Hebeltechniken erlaubt.

Im Unterschied zum Judo sind im Sport Sambo Beinhebel und direkte Angriffe auf die Beine erlaubt, Würgetechniken aber nicht.

Combat (Bojewoje) Sambo

Das Combat Sambo kann mit den modernen Mixed Martial Arts verglichen werden.

Schläge, Tritte, Würfe, Würgetechniken und Hebel sind erlaubt. Gekämpft wird mit einer minimalen Schutzausrüstung aus Faustschützern, die auch das Greifen erlauben und einem Tiefschutz.

Die beiden Sportarten Combat Sambo und MMA sind einander sehr ähnlich. Der Russe Fedor Emelianenko mehrfacher Samboweltmeister hat eindrucksvoll bewiesen, wie effektiv das Sambo in den MMA ist. Fedor gilt als einer der besten Kämpfer überhaupt. Der emotionslos wirkende Russe, mit der optischen Erscheinung eines klassischen Couch Potatoe hat das Schwergewicht im UFC und Pride über viele Jahre dominiert. Der augenscheinlich bessere Fitnesszustand seiner Gegner tat dem keinen Abbruch.

Militärisches Sambo

Das militärische Sambo ist, wie der Name verrät, auf die Bedürfnisse von Soldaten ausgerichtet. Es geht also über die Grenzen des Sportlichen hinaus und dient auch dazu den Gegner zu eliminieren. Es beinhaltet ähnlich anderen (militärischen) Selbstverteidigungssystemen auch den Kampf mit Waffen.

Waffenlos zu kämpfen ist, war und wird immer, die allerletzte Option für Soldaten im Einsatz sein. Warum? Stell dir vor der Samboweltmeister im Schwergewicht tritt gegen einen Scharfschützen auf 100 Meter an. 😉 Wer wird gewinnen?

Freestyle Sambo

Die amerikanische Variante des Sambo. In dieser Variante sind auch Würgetechniken erlaubt.

Wettkampfregeln im Sambo

Im Sambo gibt es ein Punktesystem. Es sind aber auch Entscheidungen durch Aufgabe und Knock Out im Combat Sambo. Würfe, bei denen der Werfer selbst nicht mit zu Boden geht, werden höher gewertet. Ein sogenannter sauberer Wurf, vergleichbar mit dem Konzept des Ippon im Judo, führt zum unmittelbaren Sieg. Als sauber gilt der Wurf, wenn der Werfende nicht mit fällt und sein Gegner am Rücken landet.

Nach Punkten gewinnt unmittelbar, derjenige der mit 8 oder mehr Punkten führt.

Verboten ist es den Gegner auf den Kopf zu werfen, unsportliches Verhalten, insbesondere spucken, kratzen, beißen, in die Augen greifen oder die Genitalien anzugreifen. Den Gegner zu hebeln und gleichzeitig zu werfen ist ebenso, aufgrund der Gefährlichkeit solcher Techniken verboten.

Wer es schafft, seinen Gegner am Boden zu fixieren bekommt ebenfalls Punkte, wie es im Ringsport der Fall ist.

Welche Kampfsportarten haben das Sambo geprägt?

Judo und Jiu-Jitsu

Das japanische Judo wurde aus dem Jiu-Jitsu, einer waffenlosen Kampfmethode, die bereits von den Samurai genutzt worden sein soll, entwickelt. Der Stilbegründer des modernen Judo, Kanō Jigorō, hat Schläge, Tritte und allzu gefährliche Hebeltechniken aus seinem Stil entfernt. Hebeltechniken sind grundsätzlich höchst gefährlich, wenn sie durchgezogen werden. Sie zielen ja darauf ab Knochen und Gelenke zu zerstören.

Manche Techniken haben sich aber als besonders gefährlich, weil schlecht zu kontrollieren, erwiesen. So sind bestimmte Beinhebeltechniken sowohl im Judo als auch den modernen Mixed Martial Arts verboten. Im Sambo gibt es eine Vielzahl von Beinhebeltechniken, die entsprechend vorsichtig trainiert werden müssen. Schwere Knie oder Sprunggelenksverletzungen können eine sportliche Karriere für immer stoppen und einen Sportler sogar lebenslang zum Invaliden machen.

Ringen

Der Ringkampfsport existiert wohl schon seit tausenden von Jahren. Ringen wird in fast allen Kulturen in unterschiedlichsten Variationen geübt. Ringen ist eine Möglichkeit des gegenseitigen Kräftemessens und der körperlichen Entwicklung, die relativ sicher geübt werden kann. So können Rivalitäten zwischen den Kontrahenten zivilisiert ausgetragen werden, ohne den anderen ernsthaft zu verletzen.

Das macht evolutionsbiologisch sehr viel Sinn und wir können ähnliche Verhaltensweisen auch in der Tierwelt beobachten. Der große Vorteil. Solche Kämpfe enden nur selten mit schweren, nachhaltigen Verletzungen und gewährleisten so das Überleben der Spezies.

Ringen ist also nicht nur bei Menschen, eine natürliche, angeborene Art zu kämpfen.

Das Ringen ist allerdings auch eine sehr effektive und gefährliche Kampfmethode, wenn der Kämpfer es so will. Würfe können absolut lebensgefährlich enden und Hebel und Würgetechniken eignen sich sehr gut dazu einen Kontrahenten schwerst zu verletzen oder zu töten. Ringer haben viele Vergleichskämpfe mit Boxern und Kampfkünstlern aller Art für sich entscheiden können.

Boxen

Der Boxsport hat in der Sowjetunion und den ehemals kommunistischen Nachfolgestaaten eine lange Tradition. Das Boxen beschränkt sich nur auf wenige Techniken, je nach Zählart werden 3 bis 8 Arten zu schlagen unterschieden. Es gibt gerade Schläge und Haken aus unterschiedlichen Richtungen zu unterschiedlichen Zielen. Seithaken, Aufwärtshaken, Overhand Schläge zum Kopf oder Körper.

Gerade weil Boxen nur auf wenige, allerdings sehr effektive Techniken spezialisiert ist, ist es so effektiv.

Ein guter Boxer ist nicht nur hart im Nehmen und hart im Geben, sondern verfügt über ein hervorragendes Distanzgefühl und Reaktionsvermögen. Strategie und Taktik spielen im Boxsport ebenfalls eine ganz entscheidende Rolle.

Weitere Einflüsse auf das Sambo

Jeder Kampfsport und jedes Selbstverteidigungssystem unterliegt Veränderungen. Anpassungen auf neue Herausforderungen oder die Integration neuer Erkenntnisse und neuen Wissens. In unserer globalisierten Welt, in der neue Informationen breit verfügbar sind, können wir davon ausgehen, dass auch das Sambo weitere Einflüsse aus anderen Kampfsportarten übernommen hat.

Gerade in Wettkampfsportarten ist das lebenswichtig, während sich manche Kampfkünste noch leisten können in alten nicht praxisrelevanten Trainingsmethoden zu verharren.

Systeme wie das Brazilian Jiu-Jitsu, Muay Thai und Kickboxen haben also mit Sicherheit, Einzug in den modernen Sambosport genommen.

Welche Ausrüstung benötigst du für das Sambo?

Im Sambo werden im Unterschied zum Judo kurze Hosen getragen. Die Oberbekleidung im Sambo ist dem im Judo getragenen Gi sehr ähnlich. Die Jacke wird Kurtka genannt. Sie wird mit einem Gürtel festgehalten. Als Schuhwerk werden meist Boxer oder Ringerstiefel getragen. Der Kampf findet auf einem Mattenboden statt.

Die Kämpfer benötigen zusätzlich:

  • Faustschützer: Hier kommen MMA Handschuhe zum Einsatz. Diese erlauben zu schlagen und zu greifen, da die Finger frei bleiben.
  • Zahlschutz/Mundschutz
  • Tiefschutz
  • Schienbeinschützer

Fedor Emelianenko der international bekannteste Sambokämpfer

Fedor Emelianenko war vierfacher Weltmeister im Combat Sambo, gewann zweimal die Bronzemedaille im Judo bei den russischen Meisterschaften und hielt  4 Jahre lang den Titel im Schwergewicht in der Pride FC Organisation. Diese Organisation war damals das Maß aller Dinge in den Mixed Martial Arts und Kämpfer aus aller Welt nahmen an diesen Wettkämpfen teil.

Das Combat Sambo ist dem Regelwerk sehr ähnlich denen der Mixed Martial Arts. Fedor hatte ganz offensichtlich keine Probleme sich umzustellen und dominierte jahrelang den Sport. Sein Spitzname „the Emperor“ (der Kaiser), spiegelt seine damalige Überlegenheit wider. Er galt als der beste Kämpfer Pfund für Pfund, also unabhängig von der Gewichtsklasse.

Dabei waren Fedor vom Erscheinungsbild seine Weltklassefähigkeiten gar nicht anzusehen. Er wirkte eher, wie ein Durchschnittsmensch, der sich gern das eine oder andere Bier, nach einem harten Arbeitstag vor dem Fernseher gönnte. Der Kontrast zum Erscheinungsbild, seiner muskulösen Gegner, hätte größer nicht sein können.

Eignet sich Sambo zur Selbstverteidigung?

Vom technischen Aspekt deckt das Sambo ein sehr breites Spektrum im waffenlosen Kampf ab. Schläge, Tritte und Würfe, sowie Würge- und  Hebeltechniken werden aktiv ausgeführt und in Angriff und Verteidigung geübt.

Was im Sambosport fehlt, in Bezug auf Selbstverteidigung, sind der Waffenaspekt und die psychologische und taktische Seite. Es ist aber nicht auszuschließen, dass Lehrer diese Inhalte in ihrem Training auch unter dem Aspekt der Selbstverteidigung thematisieren. Wie gut und wie sinnvoll das geschieht, wird am jeweiligen Trainer vor Ort, liegen.

Unsere Haltung im Escrima, einer philippinischen Kampfkunst, die sich stark mit Waffenkampf beschäftigt:

Wer nicht mit Waffen trainiert hat noch schlechtere Chancen sich erfolgreich gegen sie zu verteidigen.

Noch schlechter deshalb, weil die Chancen unbewaffnet gegen einen bewaffneten Gegner erfolgreich anzutreten, ohnehin schlecht stehen.

Warum für die Selbstverteidigung mit Waffen trainieren?

Fazit Sambo das russische MMA

Wer die Gelegenheit hat, in seiner Nähe Sambo zu lernen, sollte sich das Training unbedingt einmal ansehen. Mit dem Sport Sambo, kannst du eine dem Judo sehr ähnliche Kampfsportart betreiben. Du hast aber auch die Möglichkeit, die beim Judo nicht gegeben ist, Combat Sambo zu trainieren. Hier lernst du noch zusätzlich Schläge und Tritte im Kampf zu nutzen und hast, wenn du motiviert genug bist eine sehr gute Grundlage an MMA Wettkämpfen teilzunehmen.

Viel Spaß beim Training!