Selbstverteidigung für Frauen

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Selbstverteidigung für Frauen – der komplette Guide

Die Fähigkeit und das Wissen, um dich selbst, deine Gesundheit, Familie, deinen Besitz und dein Leben zu verteidigen gehört zur Allgemeinbildung. Wer ignoriert oder verdrängt, dass auch er in eine Selbstverteidigungssituation kommen kann, macht sich was vor.

Selbstverteidigung für Frauen beginnt bei der Achtsamkeit und Gefahrenvermeidung im Alltag. Gelingt das nicht, können dir spezielle Strategien und antrainierte Verhaltensweisen helfen, heil aus der Gefahr zu entkommen. Als allerletztes Mittel musst du auf körperliche Gewalt in Notwehr zurückgreifen.

Warum Selbstverteidigung für Frauen?

So manches Gewaltopfer hat bis zuletzt, die reale Möglichkeit eines gewaltsamen Angriffes verdrängt.

Damit du nicht in eine solche Situation kommst und dir zur Not zu helfen weißt, solltest du dir im Vorfeld ein paar Gedanken, zum Thema Selbstverteidigung, machen.

Falls du noch immer der Meinung bist, dass dieses Thema wenig relevant für dich ist, möchte ich dir ein paar Fragen stellen:

  • Du kommst nicht mehr nach Hause zurück. Wer ist davon betroffen?
  • Gibt es Menschen, die von dir abhängig sind? Kinder? Wie wird es ihnen ergehen?
  • Wer wird dich vermissen und unter deiner Abwesenheit leiden?
  • Was würdest du in deinem Leben noch gerne tun?

Was würdest du an schönen Dingen versäumen, wenn es plötzlich vorbei wäre?

Ich weiß. Das klingt jetzt möglicherweise nach Spielverderber und Angstmache im negativsten Sinn. Der dahinterstehende Gedanke ist aber, dir für den, wenn du dich entsprechend verhältst, unwahrscheinlichen Fall in eine Notwehrsituation zu kommen, Wissen und Mittel an die Hand zu geben, da möglichst unbeschadet wieder herauszukommen.

Klingt doch ganz gut, wenn du es so betrachtest.

Der Minimalaufwand, den du in Kauf nehmen musst, ist es lediglich über das Thema nachzudenken und dich zu informieren. Willst du mehr tun, kannst du auch das tun, indem du passende Kurse oder Trainings besuchst.

Was versteht man unter Selbstverteidigung?

In der Selbstverteidigung geht es um die Abwehr körperlicher, aber auch psychischer Angriffe und Grenzüberschreitungen. Gefahrenvermeidung, Gefahrenerkennung und das Ziehen und verteidigen der persönlichen Grenzen, zur Not auch mit körperlichen Mitteln, sind probate und in Notwehr legale Mittel.

Für manche Frauen beginnt das Thema Selbstverteidigung, bei der körperlichen Gegenwehr. Das ist allerdings nur der sichtbare Teil, die Spitze des Eisberges in der Problematik.

Ein sich anbahnendes Problem, ist am schnellsten und einfachsten zu lösen, wenn man es im Ansatz erkennt und geeignete Gegenmaßnahmen einleiten kann. Darum solltest du bestimmte Verhaltensweisen, Grundsätze und Taktiken, für Fälle drohender Gefahr verinnerlicht haben. Das setzt aber ein gewisses Training, bzw. eine gründliche Auseinandersetzung mit der Problematik im Vorfeld voraus.

Taktik Strategie - Selbstverteidigung für Frauen

Selbstverteidigung für Frauen Prinzipien, Taktiken, Grundsätze und Konzepte:

Sei Achtsam!

Wenn du diesen Punkt beherzt und dich dementsprechend verhältst, wirst du die Chancen, jemals in eine Notwehrsituation zu kommen dramatisch reduzieren können. Dazu gehört die Umwelt im Auge zu haben, auf Auffälligkeiten zu scannen, mit dem Ziel sich anbahnende Bedrohungen zu vermeiden.

  • Gibt es Einzelpersonen oder Gruppen in der Umgebung, die sich auffällig verhalten. Auffällig – unauffällig?
  • Welche Wege und Routinen wählst du im Alltag? Gibt es potenziell gefährliche Bereiche, die du meiden kannst?
  • Ist es notwendig am Abend alleine durch eine dunkle Unterführung zu gehen, oder gibt es sicherere Wege?
  • Hast du Kopfhörer im Ohr und achtest grundsätzlich zu wenig auf das, was um dich herum geschieht?

Setzte deine Körpersprache bewusst ein!

Die Körpersprache verrät sehr viel über eine Person. Verbrecher und Übeltäter haben es gelernt deine Körpersprache zu lesen. In der Regel sucht keiner eine große Herausforderung, sondern versucht mit möglichst geringem Aufwand zum Ziel zu kommen.

Wie Raubtiere in der freien Wildbahn suchen sich die menschlichen Raubtiere nach Möglichkeit Opfer. Frauen, wo sie wenig Gegenwehr zu erwarten haben. Schaffst du es durch deine Körpersprache, deine innere Haltung, die du nach außen trägst, nicht in ihr Raster zu fallen, ist schon viel erreicht. Du wirst zumindest in einer Gruppe von Menschen, nicht diejenige sein, die näher „begutachtet“ werden wird und auf ihre Eignung als Opfer näher betrachtet wird.

Durch eine selbstbewusste Haltung und Ausstrahlung fällst du nicht ins Raster des Täter – Beute Schemas.

Zu einer selbstbewussten Haltung gehören, eine aufrechte Körperhaltung, nicht zu kleine Schritte und ein selbstbewusster aber nicht herausfordernder Blick.

Sei kein Ansprechpartner bei unerwünschten Kontaktversuchen!

Du wirst angesprochen, hast dabei ein ungutes Bauchgefühl? Lasse dich auf kein Gespräch ein und gehe weiter. Das mag auf den ersten Blick unhöflich scheinen, es in manch einer Situation auch sein, aber du bist nicht verpflichtet, dich ansprechen zu lassen. Hör auf dein Gefühl.

Du kannst angepasst zur Situation, den anderen völlig ignorieren oder auch mit zurechtgelegten Phrasen wie – keine Zeit – keine Zeit – deines Weges gehen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist es konsequent und entschlossen weiterzugehen.

Warum das so wichtig ist?

Nun ein Täter auf der Suche nach einem Opfer, wird oft aber nicht immer in einem Gespräch festzustellen versuchen, ob er das geeignete Opfer gefunden hat. Er kann so, aus seiner Sicht unnötige Risiken ausschließen. Gibst du ihm die Möglichkeit, dich zu interviewen, kann er dich besser lesen. Er kann so leichter feststellen, ob er mit dir „glücklich“ werden könnte. Indem du ihm diese Möglichkeit nicht gibst, dich gleichzeitig aber schnell entfernst, stehen deine Chancen gut aus dem Raster zu fallen.

Wichtig dabei: Nicht weglaufen oder wahrnehmbar die Flucht ergreifen. Das würde dich als Beute geradezu brandmarken.

Ziehe Grenzen und schütze sie!

Selbstbewusst auftreten. Persönliche Grenzen definieren und verteidigen. Das bedeutet sowohl auf verbaler Ebene entschlossen Nein zu sagen, als auch die persönliche räumliche Distanz zu wahren und zu verteidigen. Auf keinen Fall Grenzüberschreitungen dulden. Von der jeweiligen Situation abhängig kannst du.

Laut werden! Das Gegenüber auffordern das zu unterlassen. „Bleiben sie weg! Stopp!“

Ganz konkret Passanten ansprechen und um Hilfe bitten. Dabei ist es wichtig Leute aus ihrer Anonymität zu holen und persönlich anzusprechen. Sonst hast du das Problem, dass keiner eingreift, weil jeder die anderen für zuständig hält. Beispiel: Sie der Herr mit dem weißen T-Shirt, können sie mir helfen, ich werde belästigt? Oder – Bitte rufen sie die Polizei, der Mann bedrängt mich.

Deeskalation – Selbstverteidigung für Frauen?

Deeskalation ist, ein in Zusammenhang mit der Selbstverteidigung für Frauen, oft bemühter Begriff. Natürlich ist es sinnvoll, sich bei Streitereien zu besinnen, um eine sachliche Gesprächsbasis zu suchen.

Deeskalation funktioniert aber dann nicht, wenn dein Gegenüber daran nicht interessiert ist!

Einen Räuber, der deine Wertsachen will, kannst du möglicherweise noch zufriedenstellen, indem du sie ihm aushändigst. Jemanden, der es auf deine Gesundheit oder sexuelle Selbstbestimmung abgesehen hat, mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr. Dann musst du dich wehren!

Handle entschlossen bei körperlichen Übergriffen!

Die Rechtslage zum Thema Selbstverteidigung im Rahmen der Notwehr sehen wir uns im nächsten Abschnitt an. Wichtig ist zu verstehen, dass die Abwehr eines Übergriffs verhältnismäßig sein muss. Einem betrunkenen Grabscher, der dich in einer Bar betatscht, kannst du die Grenzen dessen, was er tun darf, auch aufzeigen, ohne ihn schwer körperlich zu verletzen.

Jemandem der dich ernsthaft angreift, kannst, darfst und musst du aus praktischen Gründen, mit einem wesentlich höheren Maß an Gewalt entgegentreten, um den gegenwärtigen oder unmittelbar bevorstehenden Angriff abzuwehren.

Du musst den Kampf nicht zu Ende kämpfen und den Angreifer besiegen. Dein erstes Ziel ist es den Angriff zu unterbinden und dann ein zeitliches Fluchtfenster zu öffnen. Ist das gelungen, solltest du, wenn die Möglichkeit besteht sofort die Öffentlichkeit suchen und die Polizei rufen.

Recht - Selbstverteidigung für Frauen

Selbstverteidigung für Frauen die Rechtslage

In Deutschland und Österreich ist Notwehr dann gegeben, wenn ein gegenwärtiger, rechtswidriger Angriff auf sich oder andere abzuwehren ist.

Die österreichische Gesetzgebung ist hier deutlicher und zählt taxativ (abschließend) auf, wann der Fall gegeben ist und welche Rechtsgüter notwehrfähig sind.

Auf Deutsch, ohne die Sprache der Juristen zu bemühen, gilt Notwehr, wenn:

  • dein Leben
  • deine Gesundheit
  • deine Selbstbestimmung
  • sexuelle Integrität
  • Sowie Freiheit und Vermögen bedroht werden.
  • Die Bedrohung muss unmittelbar und rechtswidrig sein.

Du darfst dich nach dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz verteidigen. Die Verteidigung muss der Bedrohung angemessen sein und die Notwehrhandlung ist dann beendet, wenn keine Gefahr mehr droht. Alles, was darüber hinaus geht, stellt eine rechtswidrige Notwehrüberschreitung dar. Für diese kann es, in besonderen Fällen, jedoch Rechtfertigungsgründe und Entschuldigungsgründe geben. In diesem Fall zieht die Notwehrüberschreitung keine Strafe nach sich.

Die Rechtsnormen in denen Notwehr geregelt sind:

Notwehr – Strafgesetzbuch BRD § 32

§ 32
Notwehr

(1) Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.

(2) Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.

Notwehr – Strafgesetzbuch Österreich § 3

§ 3.

 (1) Nicht rechtswidrig handelt, wer sich nur der Verteidigung bedient, die notwendig ist, um einen gegenwärtigen oder unmittelbar drohenden rechtswidrigen Angriff auf Leben, Gesundheit, körperliche Unversehrtheit, sexuelle Integrität und Selbstbestimmung, Freiheit oder Vermögen von sich oder einem anderen abzuwehren. Die Handlung ist jedoch nicht gerechtfertigt, wenn es offensichtlich ist, daß dem Angegriffenen bloß ein geringer Nachteil droht und die Verteidigung, insbesondere wegen der Schwere der zur Abwehr nötigen Beeinträchtigung des Angreifers, unangemessen ist.

(2) Wer das gerechtfertigte Maß der Verteidigung überschreitet oder sich einer offensichtlich unangemessenen Verteidigung (Abs. 1) bedient, ist, wenn dies lediglich aus Bestürzung, Furcht oder Schrecken geschieht, nur strafbar, wenn die Überschreitung auf Fahrlässigkeit beruht und die fahrlässige Handlung mit Strafe bedroht ist.

Quelle

Bis wann ist es Notwehr?

Die Notwehrhandlung ist beendet, wenn du den rechtswidrigen gegenwärtigen oder unmittelbar bevorstehenden Angriff erfolgreich unterbunden hast. Darüber hinaus gehende Aktionen stellen eine Notwehrüberschreitung dar. Du darfst also nicht aus Empörung oder Rachsucht weiter Gewalt anwenden, wenn keine aktuelle Bedrohung mehr besteht.

  • asthenischer Effekt
  • sthenischer Effekt

Welche Mittel darfst du zur Notwehr einsetzen?

„Die Notwehr kennt selbst keine Beschränkung des Mittels. Auch tödliche Gewalt darf grundsätzlich ausgeübt werden. Es muss aber das relativ mildeste Mittel genommen werden. Stehen zwei gleicheffektive Mittel zur Verfügung, muss somit jenes genommen werden, welches den Angreifer am wenigsten schädigt….“ Quelle: Anwaltskanzlei Dr. Böttner

Selbstverteidigungskurse für Frauen – sinnvoll?

Selbstverteidigungskurse für Frauen können helfen: Einen Einstieg in die Problematik zu finden. Wissen und Fähigkeiten zu verbessern. Trainingsideen für das eigene Training zu erhalten. Sie können aber dir nicht, Fähigkeiten vermitteln, die du im Ernstfall, so ohne weiteres anwenden können wirst.

Das benötigt mehr Zeit und Training!

Wie viel Training ist nötig?

Jeder Mensch wünscht sich eine schnelle, unaufwändige, einfache und effektive Lösung seiner Probleme. Deshalb wecken viele Anbieter von Selbstverteidigungskursen oder Selbstverteidigungstrainings, bewusst oder unbewusst, falsche Vorstellungen und Hoffnungen im Kunden.

Dir womöglich?

Die Fähigkeit sich körperlich verteidigen zu können, erfordert Übung wie jede andere Fähigkeit auch.

Warum finden wir also keine Angebote wie, Klavierspielen lernen an einem Wochenende, aber haufenweise Selbstverteidigungscrashkurse?

Vielleicht, weil niemand an einem Wochenende auch nur annähernd Klavierspielen lernen kann? Spätestens, wenn er sich ans Instrument setzt und es probiert, wird ihm unmittelbar klar, was er alles nicht kann. Was Selbstverteidigungsfähigkeiten angeht, fehlt dieser Realitätscheck. Die wenigsten werden eine Extremsituation provozieren, um festzustellen, was sie bereits beherrschen und was nicht.

So gehen viele Teilnehmer nach ihrem Selbstverteidigungswochenendseminar zufrieden nach Hause. Allzu oft leider mit völlig unrealistischen Vorstellungen und völlig unzureichenden Fähigkeiten!

Du solltest mindestens ein halbes Jahr, regelmäßig, zielgerichtet und sinnvoll trainieren! Mehr ist immer besser!

Sind reine Frauenselbstverteidigungskurse sinnvoll?

Der Vorteil solcher Kurse ist, dass Frauen untereinander Frauenprobleme besprechen und lösen können. Im Ernstfall wird Frau aber mit großer Wahrscheinlichkeit von Mann angegriffen. Sie sollte im Training also ein Gefühl dafür kriegen, wie es ist von jemandem der größer, schwerer und stärker ist, angegriffen zu werden.

Antwort: Ein klares Jein!

Was macht man in einem Selbstverteidigungskurs?

In einem guten Selbstverteidigungskurs werden Verhaltenstraining und Selbstverteidigung in Theorie und Praxis geübt. Dies geschieht in Form von Rollenspielen und Partnerübungen. Techniken müssen, einfach zu erlernen, in Stresssituationen abrufbar sein und gegen progressiven Widerstand geübt werden.

Welche Schwerpunkte im Training gesetzt werden hängt dann vom Lehrer ab. Ein wichtiger Aspekt der nicht vernachlässigt werden darf, ist die Waffenproblematik in der Selbstverteidigung.

Die Wahl des Anbieters

Die vermittelten Inhalte hängen ganz wesentlich vom Anbieter ab. Da Selbstverteidigungskurse sehr gefragt sind, fühlen sich viele berufen.

„Many are called but few are chosen!“  Bibel: Matheus 22:14

Manche dieser Angebote führen, dann direkt in den Karate- oder XY Anfängerkurs. Das sind zwar tolle Kampfkünste, aber…. 😉

Bei der Wahl des Anbieters unbedingt darauf schauen, ob der sich wirklich auf das Thema spezialisiert hat. Wenn der jeweilige Trainer Praxiserfahrung mit Gewalt hat, umso eher wird er wissen, wovon er redet.

Das qualifiziert, aber nicht unbedingt den Vorstand des lokalen Eisschützenvereins dazu, im Sommer Selbstverteidigungskurse zu geben. Nur, weil er bei der Weihnachtsfeier eine üble Schlägerei erlebt hat. 😉

Selbstverteidigung Techniken

Selbstverteidigungen für Frauen bewährte Techniken

Die Techniken müssen einfach, wirksam, schnell zu erlernen und auch noch in höchster Not abrufbar sein. Um körperliche Nachteile auszugleichen, können Alltagsgegenstände als Behelfswaffen verwendet werden. Alle Techniken, die einen hohen Kraftaufwand erfordern und komplexe Bewegungen erfordern sind ungeeignet.

Wer sich im Internet umsieht, wird schnell fündig:

  • Die 10 besten Tricks, um einen Angriff abzuwehren.
  • So schlägst du jeden Angreifer in die Flucht.
  • Die besten Griffe und Hebel für die Selbstverteidigung.

Meine bescheidene Meinung dazu: Das ist allesamt BS!

Hier wird suggeriert, mit ein paar einfachen, schnell erlernbaren Techniken ließe sich die Problematik lösen. Das womöglich abschließend, ohne jemals wieder trainieren zu müssen.

Wer das glaubt, glaubt auch an einem Wochenende Klavierspielen lernen zu können, um beim vorher genannten Beispiel zu bleiben.

Welche Techniken funktionieren in der Selbstverteidigung?

Einfache, simple, direkte und entschlossen vorgetragene Techniken.

  • Schläge
  • eventuell tiefe Tritte
  • Beißen, Kratzen, reißen: Dinge, die du instinktiv tun wirst, wenn du in absoluter Not bist.
  • Angriffe auf empfindliche Stellen und Vitalpunkte des menschlichen Körpers.

Welche Techniken funktionieren in der Selbstverteidigung nicht?

Komplizierte Techniken und Techniken, die Kraft benötigen.

Hebel und Grifftechniken kannst du getrost vergessen. Dir fehlt die nötige Übung, du wirst sie gegen einen, mit großer Wahrscheinlichkeit körperlich überlegenen Gegner einsetzen müssen, was selbst für Profis in dem Bereich eine Herausforderung darstellt.

Mal abgesehen davon, wirst du dich an alles was kompliziert ist in dieser Stresssituation, die in Notwehr auftreten wird, nicht erinnern können!

Beitrag: Psychologie der Selbstverteidigung – Raus aus der Opferrolle!

Selbstverteidigungstechniken die funktionieren

Du musst dir unbedingt darüber klar werden, dass du dir hier zwar wertvolle Ideen und Informationen holen kannst. Ein entsprechendes Training lässt sich aber nicht ersetzen.

Wissen allein ist nicht Macht, sondern zu wissen wie man es einsetzt!

Halte Abstand bzw. lerne die Distanz einzuschätzen!

Wenn du dich in einer Entfernung zum Gegner befindest in der er dich, ohne einen Schritt auf dich zu machen, berühren kann bist du zu nahe dran. Er kann dich dann so schnell greifen oder schlagen, dass du keine Zeit hast mehr rechtzeitig zu reagieren. In dieser Entfernung werden Menschen oft mit einem Schlag bewusstlos geschlagen. Ihre Reaktionszeit reicht in dieser Distanz nicht mehr aus, um sich zu schützen. Die des Gegners allerdings auch nicht, wenn du selbst aktiv wirst.

Das kannst du unter Umständen zu deinem Vorteil nutzen! Es ist durch das Notwehrrecht gedeckt, auf  einen unmittelbar bevorstehenden Angriff entsprechend zu reagieren. Das Problem. Du musst es anschließend vor Gericht beweisen.

Deine Hände sollten in jedem Fall erhoben sein und deinen Kopf schützen. Du kannst das mit etwas Übung durch natürlich wirkende Gesten als zu deiner Körpersprache gehörig tarnen.

Schläge und Stöße mit der offenen Hand

Bei Schlägereien sind Handverletzungen sehr häufig. Die menschliche Hand ist einfach nicht zum Schlagen gemacht. Selbst Profiboxer, die genau wissen, wie man schlägt und zusätzlich zu den Boxhandschuhen, Bandagen zum Schutz der Hände tragen, erleiden immer wieder schwere Handverletzungen in ihren Kämpfen.

Die einfachst Lösung das Risiko einer Handverletzung zu vermeiden ist es mit der offenen Hand zu schlagen. Dazu bieten sich zwei Techniken besonders an:

  • Der Stoß mit der offenen Hand: Trefferfläche ist der Handballen. Ein solcher Stoß ins Gesicht, bzw. auf die Nase des Gegners kann sich als sehr effektiv erweisen. Ein Treffer führt dazu, dass die Augen zu tränen beginnen und wenn er hart genug ist, vielleicht sogar zur vorübergehenden Kampfunfähigkeit des Angreifers.
  • Die Schelle oder Ohrfeige: Wer gelernt hat die Schelle so zu schlagen, dass er das ganze Körpergewicht dahinter legen kann, kann damit durchaus einen Angreifer bewusstlos schlagen. Das erfordert aber Übung, besonders dann, wenn du weder besonders schwer noch kräftig bist.

Kratzen, beißen, quetschen…

Diese Verhaltensweisen sind noch instinktiv im Menschen verankert. Das ist gut bei kleinen Kindern zu beobachten. Der Vorteil dieser „Techniken“ ist: Du brauchst sie nicht extra zu üben. Einem Angreifer in Notwehr das Gesicht zu zerkratzen, ihm in die Augen zu greifen, ein Stück Haut zu greifen, das zu verdrehen und dran zu reißen, können sehr effektiv sein. Du kannst diese Vorgehensweisen benutzen, um die Luft zu schaffen, Umklammerungen oder Griffe zu lockern und zu lösen.

Damit wird es aber nicht getan sein. Du musst dann Folgetechniken setzen. Ein entschlossener Angreifer wird sich dadurch alleine in der Regel nicht von seinem Vorhaben abbringen lassen.

Tritte ja oder Nein?

Tritte in den Genitalbereich, wie sie gerne gelehrt und geübt werden, sind nicht einfach anzubringen und müssen nicht unbedingt zum Kampfende führen. Wenn du es schaffst einen solchen Tritt anzubringen gut. Du riskierst allerdings bei jedem Tritt, dein Gleichgewicht und kannst so leichter so Boden gebracht werden oder umfallen.

Tritte und deren Wirkung in Selbstverteidigungssituationen werden oft maßlos überschätzt. Sie können durchaus wirkungsvoll sein, benötigen aber Übung und sind immer riskanter als Handtechniken.

Gibt es spezielle Selbstverteidigungskurse für Anfänger?

Ja, selbstverständlich. Grundsätzlich sind alle Selbstverteidigungskurse für Anfänger gedacht. Denn den fortgeschrittenen „Selbstverteidiger“ gibt es nur in der Fantasie. Wer glaubt nach dem Besuch, eines oder mehrerer Kurse fortgeschritten zu sein, macht sich was vor.

Ich empfehle demjenigen dann, mit einem befreundeten Kampfsportler oder körperlich überlegenen Vertrauten, einen kleinen Test zu machen. Der Angreifer soll dann im Rollenspiel unkooperativ agieren und es dem Verteidiger richtig schwer machen. Das wird zu sehr ernüchternden Ergebnissen, für den fortgeschrittenen Selbstverteidiger führen.

Die Empfehlung es mit Kampfsportlern zu probieren, rührt daher, dass diese in der Regel wissen, wie sie so ein Sparring, sicher aufziehen müssen.

Welche Art von Selbstverteidigung für Frauen?

Hier kann ich dir nur den Tipp geben einen darauf spezialisierten Stil und Lehrer aufzusuchen. Wenn es möglich ist, sollte der Lehrer über praktische Gewalterfahrung verfügen. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass er falsche Schwerpunkte im Training setzt und Unsinn erzählt.

Auf Selbstverteidigung spezialisierte Systeme sind zum Beispiel:

  • Krav Maga
  • Keysi Fighting Method
  • Spear System von Tony Blauer
  • Philippinische Kampfkünste: Einige, aber bei weitem nicht alle Stile.
  • PFS – Progressive Fighting System
  • Wing Tsun: Dieser Stil wirbt mit Selbstverteidigung. Meiner Meinung nach gibt es wesentlich bessere Möglichkeiten.

Das schließt aber keineswegs aus, dass du in jedem anderen System durchaus gute und geeignete Lehrer finden kannst. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings nicht besonders hoch.

Weiterführende Informationen: Welcher Kampfsport ist der Richtige für dich?

Welche Hilfsmittel oder Waffen sind Frauen zur Selbstverteidigung zu empfehlen?

Die Waffe sollte legal, schnell verfügbar, leicht zu transportieren und mit verhältnismäßiger Gewalt anwendbar sein. Pfeffersprays, Schlagkraftverstärker, wie der Kubotan aber auch Schrillalarme eigenen sich besonders gut, für Frauen. Elektroschocker und Messer sind grundsätzlich nicht zu empfehlen.

Die Waffe oder das Hilfsmittel, das du nicht bei der Hand hast, wenn du es brauchst, ist wertlos. Je kleiner und kompakter das Gerät ist, umso eher wirst du es ständig mit dir führen.

Nicht empfehlenswert – Elektroschocker und Messer

Elektroschocker wie sie um deutschsprachigen Raum legal und zugelassen sind, eignen sich nicht zur wirksamen Selbstverteidigung gegen einen entschlossenen Angreifer. Das wurde mir immer wieder im Gespräch mit Sicherheitskräften bestätigt. Einerseits sind die legal zugelassenen Geräte zu schwach, andererseits musst du nahe an den Angreifer heran, um es einzusetzen.

Messer sind ein ganz heikles Thema.

Messer lassen sich kaum dosiert einsetzen. Sie führen sehr schnell, zu schweren und gefährlichen Verletzungen.

Trotzdem haben sie in den seltensten Fällen, unmittelbare Mann stoppende Wirkung. Wie genau diese zu erreichen wäre, ist nichts für einen öffentlich zugänglichen Blog. Aber selbst wer über diesen wissen verfügt, wird es nur schwer schaffen die unmittelbare Mannstoppwirkung zu erreichen, selbst mit einem entsprechendem Training.

Ganz abgesehen von der erforderlichen Kaltblütigkeit und der moralischen und gesetzlichen Fragwürdigkeit, dieser Vorgehensweise.

Empfehlenswert – Pfefferspray, Kubotan und Schrillalarm

Der Schrillalarm

Schrillalarme sind kleine tragbare Sirenen, die mittels Anhänger schnell und einfach an Kleidung oder Handtasche fixiert werden können. Der Schrillalarm ist ein rein defensiv einzusetzendes Gerät. Er erzeugt Aufmerksamkeit und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Öffentlichkeit. Etwas was Täter nicht mögen.  Mittels Metallstift wird ein Daueralarm ausgelöst. Der Auslösemechanismus ist dabei leicht und intuitiv zu bedienen.

Die Mindestlautstärke sollte 120 Dezibel betragen.

Diese Geräte sind eigentlich jedem geistig gesunden Menschen zu empfehlen, kosten ein paar Euro, sind frei erhältlich und dürfen auch in der Öffentlichkeit geführt werden. Der Nachteil ist, ein Schrillalarm ist als Behelfswaffe ungeeignet. Du solltest dir also für den Fall der Fälle, als zusätzliche Option, einen Gegenstand, den du als Waffe einsetzen kannst, bereithalten.

Das kann zur Not dein Handy, ein Kugelschreiber, ein Kubotan und ein Pfefferspray sein.

Der Pfefferspray

Ein Pfefferspray sollte, wie ein Kubotan oder ein vergleichbares Gerät zur Grundausrüstung jeder Frau gehören, meiner Meinung nach.

Die Gesetzeslage unterscheidet sich was die DACH Staaten betrifft. In Deutschland darfst du ohne (kleinen) Waffenschein, nur Tierabwehrsprays führen. Nicht als solche definierte Sprays, die zum Zweck des Selbstschutzes entworfen wurden, gelten als Waffen, die in Deutschland einer Genehmigung bedürfen. In Österreich sind solche Sprays jedem Bürger, über den kein Waffenverbot verhängt wurde, frei zugänglich.

Die einfachste, billigste und rechtlich sicherste Lösung ist derzeit einen Tierabwehrspray zu kaufen. Diese Geräte sind frei erhältlich und dürfen in der Regel in der Öffentlichkeit geführt werden.

In Notwehr ist der Einsatz eines Tierabwehrsprays, gegen rechtswidrige Angriffe auf notwehrfähige Rechtsgüter, selbstverständlich gerechtfertigt.

Weiterführende Informationen: Pfefferspray Guide

Der Kubotan

Beim Kubotan handelt es sich um einen kurzen ca. 1,5 bis 2,5 cm dicken Stift aus Holz oder Metall. Er ist zwischen 12 cm und 18 cm lang und passt so genau in eine geschlossene Hand, wobei einige Zentimeter des Kubotans aus der Hand hervorragen. Mittels Hammerschlägen, kannst du so deine Schlagkraft, auf die sehr kleine Oberfläche des Geräts, das auch unter Palm Stick oder Self Defence Stick bekannt ist, konzentrieren. Die Gefahr dich dabei an der Hand zu verletzen ist ungleich geringer als bei Faustschlägen. Die Schlagwirkung jedoch deutlich höher.

Es gibt auch speziell angefertigte Kugelschreiber, Tactical Pen genannt, die dem gleichen Zweck dienen, wie der Kubotan und entsprechend robust und wuchtig konstruiert wurden.

Einen Kubotan kannst du aber nicht nur zum Schlagen nutzen. Mit einfachen, schnell zu erlernenden Techniken, bei denen Druck ausgeübt wird, kannst du sehr einfach Griffe und Umklammerungen lösen.

Hier ist allerdings Übung und sehr schnelles Handeln Voraussetzung.

Der Vorteil des Kubotans ist. Er ist leicht, kompakt, in Deutschland und Österreich derzeit völlig legal und darf nicht nur besessen, sondern auch in der Öffentlichkeit geführt werden. (Vorsicht Schweitzer, bei euch ist der Kubotan als verbotene Waffe eingestuft, zumindest gab es dazu einen entsprechenden Präzedenzfall. Informiert euch bitte bei euren Behörden, bevor ihr euch strafbar macht.)

Ein Kubotan kann auch von körperlich schwachen Personen sehr effektiv eingesetzt werden. Der Kubotan ist allerdings eine Nahkampfwaffe und der Umgang mit ihm sollte geübt werden! Statt eines Kubotans kannst du auch einen robusten Kugelschreiber verwenden!

Weiterführende Informationen: Kubotan Guide

Disclaimer Waffen

Ich kann dir hier keine garantierte, abschließend geltende Rechtsberatung bezüglich des Erwerbs, Besitzes und Führen der oben genannten Waffen geben.

Die Gesetzeslage in den DACH Staaten ist nicht einheitlich und immer wieder Änderungen unterworfen. Die Informationen sind gut recherchiert, du solltest dich aber immer selbst beim Gesetzgeber schlaumachen. Zum Beispiel, was das Führen oben genannter Geräte in Waffenverbotszonen angeht. Hier gibt es Sonderregelungen, die sich von Staat zu Staat und von Bundesland zu Bundesland unterscheiden können!

Der jeweils zuständige Gesetzgeber, bzw. die Exekutive, weiß mehr!

Lässt sich Selbstverteidigung online erlernen?

Du kannst online, je nachdem wie geübt du bist, was das Beobachten und Nachahmen angeht, Bewegungen und Techniken durchaus erlernen. Wenn du allerdings koordinativ wenig geübt bist, wirst du diesbezüglich ohne Korrekturen eines Lehrers nur schwer auskommen.

Was du unbedingt benötigst, ist ein oder besser mehrere Partner mit denen du üben kannst. Das Gefühl für die Distanz, Timing und die wirkenden Kräfte lässt sich durch Videos alleine nicht erlernen. Onlinekurse können, wenn sie gut strukturiert sind und wirklich relevantes Material beinhalten, durchaus hilfreich sein.

Es wird allerdings nicht ganz einfach sein einen wirklich guten Kurs zu finden. Allzu oft vertreiben Kampfkünstler nämlich unter dem Titel Selbstverteidigung, eine abgespeckte Version, ihrer für die Selbstverteidigung, nur sehr bedingt geeigneten Methoden.

Als Kriterium für einen brauchbaren Kurs gilt:

Einfache Techniken immer wieder üben und in unterschiedlichen Situationen anwenden lernen. Training gegen einen Partner, der zunehmend Widerstand bietet und sich unkooperativ verhält. Die Intensität schrittweise erhöhen, bis es annähernd einem Ernstfall entspricht. (Achte auf deine Sicherheit und nutze deinen Hausverstand!)

Wer das nicht macht, lügt sich selbst in die Tasche.

Fazit Selbstverteidigung für Frauen

Das Thema Selbstverteidigung ist ein komplexes. Wer es einfach und billig haben will, der überdenkt sein Alltagsverhalten, bleibt achtsam und vermeidet so einen Großteil der möglichen Gefahren. Das macht einen Gutteil effektiver Selbstverteidigung aus.

Für den Fall, dass es gefährlich wird, habe ich dir in dem Beitrag einige Optionen und Verhaltenstipps an die Hand gegeben. Mit Geschick und etwas Glück kannst du so aus Gefahrensituationen entkommen.

Kommt es zu körperlichen Selbstverteidigung, solltest du so gut vorbereitet sein wie möglich. Ich empfehle dir ein entsprechendes Training zu absolvieren und die Techniken immer wieder aufzufrischen, bzw. regelmäßig in einer Schule oder einem Verein zu trainieren. Es könnte sogar Spaß machen.

Zu deinen täglichen Begleitern empfehle ich dir einen Schrillalarm und einen Kubotan oder/und Pfefferspray (Tierabwehrspray). Das sind leichte, kleine und meist legale Mittel, die du ohne großen Zusatzaufwand mit dir führen kannst und die meist legal sind. Im Zweifelsfall unbedingt beim jeweiligen Gesetzgeber informieren, bevor du dich unbedacht strafbar machst!

Viel Spaß beim Training!