Kendo Kampfsport mit dem Schwert

Kendo, der japanische Kampfsport mit dem Schwert

Der bekannteste Kampfsport mit Schwert ist wohl das japanische Kendo. Es wird in Japan von Millionen von Menschen praktiziert und ist weltweit verbreitet.

Kendo bedeutet „Der Weg des Schwertes“. Es ist eine moderne Interpretation der Schwertkampfmethoden der Samurai im 18. Jh. begründet. Werte wie Respekt, Höflichkeit, Etikette und das Wegkonzept Do von Zen geprägt, machen den geistig kulturellen Hintergrund aus. Kendo ist Breitensport in Japan.

Kendo Wettkämpfe sind spektakulär anzusehen. Welche Hintergründe hat der Sport, unter welchem Regelwerk wird gekämpft und wo kann man ihn erlernen?

Geschichte des Kendo

Vom Kenjutsu zum Kendo

Nachdem die Samurai in der modernen Kriegsführung in der Bedeutungslosigkeit versunken waren, Schusswaffen gewannen immer mehr Bedeutung, fand man im Kendo einen Weg, den Geist und die Schwertkampftechniken der Samurai zu bewahren. Im Jahre 1867 zu Ende des Tokugawa Shogunats wurde die Kriegerkaste der Samurai offiziell aufgelöst.

Die Werte und Traditionen der Samurai fanden aber im Kendo seine Fortsetzung.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde der Begriff Kendo eingeführt, ebenso die moderne Schutzausrüstung und das Shinhai. Das Shinhai ist ein Übungsschwert aus Bambus, das dem Katana nachempfunden ist. Kenjutsu, die rein auf effektiven Kampf ausgerichtete Schwertkampfschule, wurde unter dem Einfluss des Budo zu Kendo. Der „Weg des Schwertes“ ist stark von der Philosophie des Zen durchdrungen.

Kendo dient dem Weg der Selbsterkenntnis und Selbstverbesserung und geht weit über den körperlichen Aspekt des Trainings hinaus.

Die Entwicklung zum modernen Kendo

Im Jahr 1911 wurde Kendo in den japanischen Schulen als Pflichtfach eingeführt. Das Kendo des Vorkriegsjapans (2. Weltkrieg) ist mit dem heutigen, modernen Kendo kaum zu vergleichen. Früher noch geübte und besonders gefährliche Techniken aus dem Kenjutsu verschwanden zum Teil völlig.

Dazu zählten Schläge, Tritte, Würfe und Beinfegetechniken, sowie die Weiterführung des Kampfes auf dem Boden. Das moderne Kendo unterliegt einem sehr strengen Reglement und hat technisch mit dem alten Kenjutsu nur mehr wenig gemein.

Heute ist Kendo in der japanischen Gesellschaft weit verbreitet. Es ist als Schulsport und an Universitäten stark vertreten und wird bei der Polizei auch in der Dienstzeit trainiert. Millionen Japaner, beiderlei Geschlechts, betreiben heute Kendo als Breitensport.

Die Ausrüstung im Kendo des japanischen Kampfsports mit Schwert

Da die Wettkämpfe mit voller Kontakt ausgeführt werden und Punkte, nur bei Treffern, die real massiven Schaden angerichtet hätten vergeben werden, benötigt der Kendoka eine entsprechende Ausrüstung. Die gesamte Schutzausrüstung wird Boku genannt.

Die benötigte Schutzausrüstung besteht aus:

  1. Helm – Men: Der Helm bedeckt, den gesamten Kopf, schützt das Gesicht mit einem massiven Eisengitter und verfügt über einen flexiblen Hals und Nackenschutz aus widerstandsfähigem Kunststoff.
  2. Handschuhe – Kote: Die Handschuhe schützen Hände und Unterarme, gegen die wuchtigen Hiebe.
  3. Brustpanzer – Do: Er ist von der Konstruktion und Optik der Rüstung der Samurai nachempfunden.
  4. Hüftschutz – Tare

Erst nach dem Erlernen der Grundtechniken des Sports, wenn der Kendoka sich sicher ist, den Sport mit dem Schwert weiter betreiben zu wollen, benötigt er eine vollständige Ausrüstung.

  • Bis zu diesem Zeitpunkt hat er ungefähr 1,5 Jahre Zeit. Die Ausrüstung ist zwischen 500 und 800 Euro zu haben.

Kleidung

Eine traditionelle Baumwolljacke der Keiko Gi und der Hakama, ein Hosenrock, der Reiterhose der Samurai nachempfunden, vervollständigen die Ausrüstung des Kendoka.

Der Hakama verbirgt dabei die Stellung der Füße. Er reicht bis zu den Fußknöcheln und wird auch im Aikido getragen. Der Hakama soll dazu beitragen, den Gegner mit überraschenden Richtungswechseln zu überrumpeln.

Welche Waffen werden im Kendo benutzt?

Das Schwert oder Katana symbolisierte die Seele des Samurai.

Nur Samurai war es früher erlaubt Schwerter zu tragen. Der einfache Soldat war mit Speer, Lanze, Dolch und Pfeil und Bogen ausgestattet. Bauern war der Besitz von Waffen und zum Teil sogar von Messern, über weite Teile der japanischen Geschichte bei Strafe untersagt.

Aus diesem Grund entwickelten sie notgedrungen Kampfmethoden wie das Kobudo, das mit Werkzeugen der Bauern kämpft oder das waffenlose Okinawa Te, das als Vorläufer des modernen Karate gilt.

Kendo ist die moderne Interpretation des historischen Schwertkampfes. Es ist ein Kampfsport, mit dem Schwert, der sicher und bis ins hohe Alter betrieben werden kann.

Übungsschwerter im Kendo

Im Kendo werden stumpfe Übungsschwerter verwendet

  • Das Shinai ist ein Sportgerät, das aus vier Bambuslamellen besteht. Es ist leicht, nachgiebig und verhindert gröbere Verletzungen. Teurere moderne Ausführungen werden aus Carbon hergestellt.
  • Der Bokken oder Bokuto ist ein Holzschwert, das jedoch nicht in Wettkämpfen verwendet wird. Es wurde auch zu Zeiten der Samurai als Waffe verwendet. Der legendäre Samurai Miamoto Musashi soll damit Schwertkämpfe auf Leben und Tod bestritten haben.
  • Das Iaito ist ein stumpfes Metallschwert für Demonstrationen.
  • Der Kodachi ein kurzes Schwert, das auch bei Wettkämpfen in Kombination mit dem Shinai verwendet wird.

Welche Techniken gibt es im Kendo?

Die Techniken werden unterteilt in:

  • Kihon Waza: Diese Techniken stellen die Grundtechniken dar.
  • Oyo Waza: Die angewandten Techniken.

Im modernen Kendo gibt es nur mehr 8 Techniken. Alle anderen aus dem Kenjutsu stammenden Techniken wurden aus dem Programm genommen.

 7 Schläge/Hiebe und ein Stich:

  1. Shomen: Ist ein senkrechter Hieb zur Mitte des Kopfs.
  2. Hidari men: Der schräge Hieb zur linken Schläfe.
  3. Migi men: Ein schräger Hieb zur rechten Schläfe.
  4. Migi do: Nach unten gerichteter Hieb zur rechten Körperseite.
  5. Gyaku do: Nach unten gerichteter Hieb zur linken Körperseite.
  6. Hidari kote: Hieb auf das Handgelenk.
  7. Tsuki: Der Stich zum Hals oder Kehlkopf

Stellungen – Haltungen – Kamae

Kamae sind fix vorgegebene Haltungen und den deutschen Schwertmethoden mit den Huten vergleichbar.

  • Chudan no gamae: Haltung mittlerer Stufe/Höhe
  • Jodan no gamae: Haltung oberer Stufe
  • Gedan no gamae: Haltung unterer Stufe
  • Hasso no gamae: Senkrecht auf der rechten Seite des Kopfes.
  • Waki no gamae: Rechte Seite, die Spitze des Schwerts zeigt nach hinten.

Der Wettkampf mit Schwertern – Shiai

  • Hier gibt es sowohl Einzelwettkämpfe, als auch Mannschaftswettkämpfe, bei denen die Gesamtzahl der Siege entscheidet.
  • Die Wettkampfdauer beträgt 3 bis 5 Minuten oder endet vorzeitig, wenn einer der Wettkämpfer 2 Punkte erreicht hat.
  • Über die Punktevergabe entscheiden ein Haupt-  und 2 Nebenschiedsrichter.

Punktewertung

Der Ippon oder volle Punkt steht in den japanischen Kampfkünsten für ein Leben. Beim Judo und beim traditionellen Karate entscheidet der Ippon über den sofortigen Sieg oder Niederlage. Im Kendo muss der Sieger aber, will er vorzeitig gewinnen zwei Punkte erlangen.

Die Kriterien für eine Punktewertung sind genau definiert:

  • Ein bloßes Berühren oder Treffen der Trefferzone reicht nicht aus. Der Kiai, der Kampfschrei ist Bedingung für eine Wertung. Beim Training wird durch den Kiai die jeweils anvisierte Trefferzone benannt. Auch in den Wettkämpfen kommt das vor, ist jedoch nicht vorgeschrieben. Der Kampfschrei kann frei gewählt werden und oft wird dabei ein Naturlaut ausgerufen, der dem Kämpfer mit dem Schwert, persönlich am besten liegt.
  • Die Spannung und Tennouchi müssen gegeben sein. Die Körperspannung ist mit entscheidend für die Wucht des Hiebes beim Auftreffen.
  • Kikentai-Ichi – Die Einheit von Schwert, Geist und Körper muss für die Punkterichter erkennbar sein. Nur die absolute Entschlossenheit und das „im Hier und Jetzt Sein“, befähigen den Kämpfer im Wettkampf und Ernstfall. Halbe Sachen sind im Kampf mit Schwertern nicht wünschenswert.
  • Damit der Kendoka sein volles Gewicht in den Hieb legen kann, muss der Stampfschritt, Fukomi mit dem Zeitpunkt des Treffens synchronisiert werden.

Im Kendo werden 4 Trefferflächen definiert.

Die 4 Trefferflächen

  1. Kopf
  2. Kehle
  3. Handgelenk
  4. Oberkörper

Diese Trefferflächen sind durch die Schutzausrüstung entsprechend gut geschützt. Wuchtige oder oft durchaus weniger wuchtige Treffer wären im Ernstfall kampfentscheidend. Handtreffer führen zur unmittelbaren Entwaffnung. Die Schockwirkung macht den Kämpfer mit größter Wahrscheinlichkeit kampfunfähig. In jedem Fall würde es zum Verlust der Waffe führen und den Getroffenen so gut wie wehrlos hinterlassen.

Die Bedeutung von Handtreffern wird im modernen Schwertkampf häufig unterschätzt. Die Hand ist leichter zu treffen, als der restliche Körper, da sich die Waffe mit der Waffenhand ja auf den Kontrahenten zubewegt und ihm am nächsten kommt.

Regeln

Punkte gibt es, nur wenn gezielt entweder  Kopf, Kehle, Handgelenk und Oberkörper getroffen werden. Eine Wertung erfolgt nur, wenn die oben genannten Kriterien erfüllt sind.

Im Kendo werden hauptsächlich Hiebe ausgeführt. Es ist nur ein Stich erlaubt –  der Tsuki  zur Kehle. Nur Erwachsene ab dem 1. Kyu, dem höchsten Schülergrad, dürfen ihn im Wettkampf benutzen. Das soll Unfälle beim Schwertkampf  ausschließen.

Schläge, Tritte und Würfe sind im Kendo verboten. Diese Techniken, die in einem realistischen Kampf in der nahen oder mittleren Distanz nach erfolgter Bindung der Waffen erfolgen würden, sind im Kendo verboten.

Ein erster Eindruck von Kendowettkämpfen

Für mich auffällig ist, dass die Schrittarbeit fast nur „On Line“ ist.  Die Beinarbeit besteht aus kleinen, flinken explosiven Schritten. Es wird hauptsächlich, auf der Verbindungslinie zwischen den Kendoka gerade vor und zurückgegangen. Die Idee sich in die gegnerische Flanke zu bewegen, wie sie einst im westlichen Fechten elementar war, später aber im Zuge der Ritualisierung von Duellen verloren ging, konnte ich nicht erkennen.

Das mag auch daran liegen, dass die Waffe beidhändig geführt wird, nichtsdestotrotz wäre hier Winkelarbeit durchaus möglich.

Die Atmosphäre bei Kendo Wettkämpfen kann man durchaus als lebhaft bezeichnen. Ungewohnt, wenn man die Japaner als zurückhaltendes immer auf Haltung bewusstes Volk in Erinnerung hat. Die Stimmung zeugt aber von der großen Popularität, die der Kampf mit dem Schwert in Japan genießt.

Die Aktionen im Kendo sind, wie sie das Ideal erfordert, als durchaus beherzt zu bezeichnen. Das führt oft zu Doppeltreffern binnen Sekundenbruchteilen.

Änderung der Angriffswinkel im Kendo?

Der Vorteil der Winkelarbeit ist nicht zu unterschätzen. Eine bessere Position verkürzt die faktische gegnerische Reichweite, bei Beibehaltung der eigenen. Diese Idee ist auch bei guten Boxern zu erkennen. Der frontal auf den Gegner ausgerichtete Kampf, macht Reflexe, Schnelligkeit und Explosivität zu dominanten Faktoren im Spiel. Schafft es ein Kämpfer aber in die gegnerische Flanke zu gelangen, hat er viele Vorteile auf seiner Seite.

Eine wunderschöne Aktion kannst du oben im Video ab c. Sekunde 50 sehen. Der Kendoka weicht einem Hieb von oben nach unten, seitlich aus und kontert mit perfektem Timing mit einem Schnitt zum Körper.

Das Distanzverhalten im Kendo

Ungewöhnlich, wenn man es zum ersten Mal sieht, ist das die Kämpfe bis in die Nahdistanz gehen und dort fortgeführt werden. Aufgrund des Regelwerks scheiden, nun Schläge, Würfe oder Tritte aus, was zu einer ganz eigenständigen Charakteristik der Kämpfe führt.

Den Gegner zu rempeln und sogar umzurennen ist erlaubt und wird von einigen Kendoka mit Erfolg genutzt. Ausweichbewegungen mit dem Oberkörper konnte ich nur bei wenigen Kämpfern entdecken. Das liegt zum einen daran, dass das Zeitfenster hier rechtzeitig zu reagieren oft viel zu kurz ist, zum anderen wohl an der Stilistik des Kendo.

Hochqualitative Kämpfe mit dem Schwert

Der Kendoka baut offensichtlich seinen Kampf grundsätzlich anders aus, als ich es vom Hiebfechten, wie wir es in der Escrima Training Federation betreiben tue. Die Kämpfe im Kendo nutzen schwerpunktmäßig ganz offensichtlich andere Ideen und Konzepte.

Das tun sie in ihrem Kampfsport auf einem einzigartig hohen Niveau. Es bedarf schon einiger Übung, um Qualitätskriterien wie Kikentai-Ichi, – die Einheit von Schwert, Geist und Körper, die so sehr angestrebt wird, als Neuling zu erkennen. Hier muss man sich wirklich einsehen und immer wieder Kämpfe betrachten.

Kata – Partnerübungen mit dem Schwert

Die Kata im Kendo bezeichnet eine Partnerform. Die Bewegungen von Angreifer und Verteidiger sind genau vorgeschrieben. Ein Kendoka greift an, während der andere abwehrt, ausweicht und kontert. In der Kata finden Bokken, das Holzschwert oder das Katana ihre Verwendung. Die Kata schult Bewegungsabläufe und bis zu einem gewissen Grad, das Distanzgefühl und Timing.

Graduierungen

Im Kendo gibt es 6 Kyu oder Schülergrade. Sie werden durch Prüfungen erworben. Die Wartezeiten zwischen den einzelnen Prüfungen betragen drei bis 6 Monate. Im Bereich der Dan Grade ab einem Jahr aufwärts.

Es gibt 8 Dan Grade. Dies sind die Meistergrade, wobei der erste Dan eigentlich noch einen fortgeschrittenen Schüler bezeichnet.

Der 8. Dan ist der höchste Grad, der noch durch Prüfung erreicht werden kann.

Höhere Graduierungen werden nicht mehr verliehen. In vielen Kampfkünsten werden die höchsten Dan Grade erst posthum verliehen. Sie zeichnen außergewöhnliche Meister aus, die sich um die Kampfkunst besonders verdient gemacht haben.

Äußere Rangabzeichen, wie Gürtel die in den japanischen Kampfkünsten allgemein gebräuchlich sind, gibt es im Kendo jedoch nicht.

Ehrentitel:

  • Renshi ab 6. Dan
  • Kyoshi ab 7.Dan
  • Hanshi ab 7. Dan

Kendo und westliches Fechten

Weltweit gibt es das Bestreben von begeisterten Schwertkämpfern, die alten historischen Kampfmethoden zu erforschen und wiederzubeleben. Die HEMA, die historischen mittelalterlichen Kampfkünste, haben sich diesem Ziel verschrieben. Über die Interpretation alter Schriften und Versuch und Irrtum im Training wird von Schwertkampfbegeisterten versucht den Kampfmethoden unserer Vorfahren auf den Grund zu gehen.

Im Zuge dessen kommt es immer wieder zu freundschaftlichen Vergleichskämpfen unterschiedlicher Stile und Interpretationen.

Ich persönlich fürchte allerdings, dass sich die historischen Kampfmethoden, nie mehr wirklich rekonstruieren lassen werden. Auch wenn die Vergleichskämpfe sicher ein Schritt in die richtige Richtung sind, herauszufinden was funktioniert und von anderen zu lernen.

Fazit – Kendo Kampfsport mit Schwert

Kendo ist ein faszinierender Kampfsport, der sich nicht umsonst international großer Beliebtheit erfreut. Weltweit wird Kendo heute von über 8 Millionen Menschen praktiziert. Der Kampfsport kann bis ins hohe Alter betrieben werden und schult im Sinne des Do, nicht nur den Körper und den Umgang mit dem Schwert, sondern auch den Geist.

Im deutschsprachigen Raum, wirst du relativ schnell fündig werden, wenn du auf der Suche nach einer Kendoschule bist.

Wenn du bereits Erfahrungen gemacht hast oder Anregungen und Fragen hast, bist du herzlich eingeladen zu kommentieren oder eine Mail zu schicken.

Viel Spaß beim Training!