Selbstverteidigung für Frauen – was solltest du beachten?

Was hat eine Faustregel für Türsteher mit dir zu tun?

Immer wieder lese ich Werbeaussagen wie – “körperlich stärkere Gegner kein Problem – wir nutzen die Kraft des Angreifers gegen ihn” etc.

Ich halte diese Werbeaussagen für moralisch verwerflich. Wecken sie doch falsche Erwartungen und Hoffnungen, die für diejenigen, die daran glauben, sehr gefährlich werden können.

Unsere Faustregel besagt: „Du kannst höchstens einen Gegner mit 150% deines Körpergewichts beherrschen, ohne auf exzessive Gewalt zurückgreifen zu müssen.“

Das gilt selbstverständlich nur für sehr gut trainierte Personen – bei untrainierten – ist schon viel früher Schluss.

Der Unterschied in Kraft und Masse wird einfach zu groß. Das gilt insbesondere für Frauen gegen Männer, die ja über einen genetisch bedingten Kraftvorteil verfügen.

Selbstschutz für Frauen

Aber es gibt doch Tricks, die dir weiterhelfen können, Schwachpunkte des menschlichen Körpers anzugreifen?

Zum Beispiel: „Augen angreifen, Kehlkopf attackieren etc.?

Nun ja, Bernd Schubert, Buchautor namhafter Sicherheitskräftetrainer und Escrimalehrer, bringt es in seinem Buch „Spinner – Schläger – Messerstecher“ auf den Punkt.

Die Stunde Null:

Für den Täter möglicherweise gerade – Weihnachten plus Bescherung.

Für das Opfer, so etwas wie der Versuch, mit dem Mopedführerschein ein großes Verkehrsflugzeug mit ausgefallener Elektronik und bewusstlosem Piloten gut zu landen. Mitten in einem Taifun, auf einer Grasnabe auf einer Südseeinsel…

Jetzt bloß keinen Stress, jetzt muss alles klappen… Du musst nur den Gegner entscheidend treffen, ohne es jemals geübt zu haben, einen Gegner, der dir körperlich und mental in dieser Situation haushoch überlegen ist.

Es ist ja vermutlich nicht sein erstes Mal im Gegensatz zu dir.

keine Panik

Lagebeurteilung – Welche Voraussetzungen bringst du mit?

Körperlich: Wie ist es um deine Körperkraft, deine Ausdauer und dein Gewicht bestellt?
Mental: Wie ist deine mentale Haltung? Was bist du bereit zu tun, um dich zu schützen? Bist du entschlossen es zu versuchen, auch wenn die Chancen schlecht stehen?
Weißt du um deine Reaktionen in Hochstresssituationen? Ist dir klar, wie wesentlich dieser Punkt ist?

(Es gibt Situationen, in denen Polizisten sich den Zeigefinger gebrochen haben, beim Versuch den Abzug ihrer im Stress nicht entsicherten Waffe zu betätigen.)
Vorbildung: Hast du schon Kampfsporterfahrung, einschlägige Kurse versucht, oder gar Erfahrungen im Erstfall?

Kritische Punkte eines sinnvollen Selbstverteidigungstrainings. Was muss das Training abdecken?

Vielleicht ist dir das Pareto Prinzip bekannt?

Das Paretoprinzip, oder 80-zu-20-Regel genannt, besagt, dass 80 % der Ergebnisse mit 20 % des Gesamtaufwandes erreicht werden und umgekehrt.

Das bedeutet, mit einem sinnvollen Trainingsprogramm kannst du sehr gute Lernfortschritte erzielen, mit einem schlechten kommst du kaum weiter.

Zur Orientierung – unabhängig vom System oder Lehrer solltest du darauf achten, dass folgende Punkte gegeben sind.

Einfache grobmotorische Bewegungsabläufe, die in Hochstresssituationen noch abrufbar sind.
Eine Herangehensweise, die deinen Entscheidungsstress reduziert. Du wirst weder Zeit noch Nerven haben, aus 100 Techniken die gerade passende herauszufiltern.
Du musst progressiven Widerstand im Training bei den Übungen erfahren, um wirklich dazuzulernen.

Selbstverteidigung für Frauen

Sei keine Trockenschwimmerin!

Sonst findest du dich in der Situation des Trockenschwimmers wieder, der das erste Mal nass wird und Wasser schluckt.

Du erinnerst dich noch an den Mopedfahrer, der die Verkehrsmaschine landen muss?

Diese Erfahrung solltest du im kontrollierten, sicheren Trainingsumfeld machen, nicht im worst case Szenario. „Be ready, or it is too late!“

Lösungen für Frauen und Männer – ein ganzheitlicher Ansatz

Wenn man sich obige Argumente vor Augen führt, wird der Stellenwert klar, den Gefahrenvermeidung und Verhaltenstraining einnehmen müssen, wenn es um Selbstschutz und Selbstverteidigung für Frauen und Männer geht.

Kämpfen macht dann Sinn, wenn du keine andere Möglichkeit mehr hast, dann aber mit aller Entschlossenheit.
All diese Aspekte lassen sich trainieren. Jeder, der ernsthaft will, kann seine Möglichkeiten deutlich verbessern.

Das ist ein Ziel, für das es sich zu trainieren lohnt. Möglicherweise findet die eine oder andere Gefallen daran sich sportlich zu betätigen und Fähigkeiten anzueignen, die wirklich lebensrettend sein können.

Übersicht: Selbstverteidigung für Frauen

  • Was hat eine Faustregel für Türsteher mit dir zu tun?
  • Aber es gibt doch Tricks, die dir weiterhelfen können?
  • Lagebeurteilung – Welche Voraussetzungen bringst du mit?
  • Kritische Punkte eines sinnvollen Selbstverteidigungstrainings. Was muss das Training abdecken?
  • Lösungen für Frauen und Männer – ein ganzheitlicher Ansatz.

Weitere Informationen zum Thema Selbstverteidigung:

Der Waffenaspekt in der Selbstverteidigung – sträflich vernachlässigt.

Warum solltest du für die Selbstverteidigung überhaupt mit Waffen trainieren?